BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Katharina Hoch Headshot

Ich habe ein Gespräch zwischen zwei Müttern mitgehört - jetzt verstehe ich, warum viele von uns krank werden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MUTTER MIT BUGGY
iStock
Drucken

Ich stehe mit meiner Tochter an der Eisdiele. Ein beliebter Treffpunkt für Mütter mit ihren Kindern. Neben uns stehen zwei Frauen mit ihren Buggys. Die eine hat zwei Kinder, die andere eins. Sie unterhalten sich über die Kinderkrippe. Vermutlich gehen die Kinder in die gleiche Einrichtung.

"Hast du die Mail gelesen, die gerade herum ging?", fragt eine der beiden Mütter. "Nein, warum?", antwortet die andere. "Ein paar Mütter wollen zusammen drei Tage in ein Wellnesshotel fahren", erzählt sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Und fügt hinzu: "Ich weiß nicht, was die für ein Leben haben."

"Naja drei Tage, die fahren halt über das Wochenende", sagt die andere Mutter darauf. "Ja genau ganze drei Tage, also Wochenende und noch einen Tag dazu. Ich frage mich, wie die das machen. Bei uns würde das erst klappen, wenn die Kinder größer sind."

Damit war das Thema vorbei. Sie sprachen über etwas anderes. Und auch ich ging mit meiner Tochter weiter. Doch das Gespräch wirkte nach.

Und ich fragte mich: Ist es wirklich so seltsam, wenn eine Mutter drei Tage mit Freundinnen in ein Wellnesshotel fährt? Oder einen Wochenendtrip nach Berlin macht? Ist es verwerflich, wenn ich mir als Mutter einmal eine Auszeit nehme?

Wir Mütter müssen mehr auf uns achten

Ich finde nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist unser gutes Recht und auch unsere Verantwortung unserer Familie gegenüber. Denn wir müssen auf uns achten, sonst sind wir irgendwann völlig erschöpft oder werden sogar krank.

Dieser Ansicht ist auch Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks in Berlin: "Mütter stellen ihre Bedürfnisse hinten an und denken, dass sie keine 'gute' Mutter sind, wenn sie etwas für sich tun und das Kind oder die Familie einmal nicht an erster Stelle steht. Oft befinden sie sich in einer Spirale der ständigen Überforderung. Und das kann krank machen."

Anne Schilling arbeitet seit 15 Jahren als Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks und ihr ist eine Sache aufgefallen: "Seit vielen Jahren steigt bei Müttern die Diagnose Erschöpfung bis zum Burn-out. Über 80 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, leiden darunter."

Sie erklärt auch, warum das so ist. Die Mütter von heute haben sehr hohe Ansprüche an sich selbst, wollen möglichst alles perfekt machen. Sie ignorieren die Anzeichen der Erschöpfung lange, nehmen sich wenig Auszeiten, weil sie denken, dass das ein Zeichen von Schwäche ist.

Ich will eine starke und gesunde Mutter bleiben

Ich kenne das Gefühl. Meine Tochter ist drei Jahre alt und der Alltag zwischen Kind, Haushalt, Job und Beziehung ist anstrengend. Auch ich stelle meine Bedürfnisse oft hinten an und komme manchmal an meine Grenzen.

Aber ich habe beschlossen, mehr an mich zu denken. Einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Deswegen haben ich auch vor zwei Wochen eine Flug nach Lissabon gebucht. Mit meinen besten Freundinnen. In Zukunft will ich das öfter machen: auf mich schauen.

2017-06-20-1497957385-7066081-HuffPost1.png
Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.

Denn zum einen will ich eine starke und gesunde Mutter bleiben. Und zum anderen will ich meiner Tochter auch vorleben, dass ich auf meine Bedürfnisse achte. Nur so kann sie lernen, dass sie auch auf ihre Acht geben muss.

Wenn ich noch einmal die Gelegenheit hätte, der Mutter an der Eisdiele einen Satz mitzugeben, dann würde ich ihr sagen: Du bist keine schlechte Mutter, nur weil du mal an dich denkst.

Was denkt ihr darüber?

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');