BLOG

Ich habe die Fotos von Melania Trump analysiert und entdeckt, wie düster ihr Leben ist

13/06/2017 11:44 CEST | Aktualisiert 14/06/2017 13:43 CEST

Warum nimmt die First Lady ihre Aufgaben nicht wahr? Warum? Die Frage machte mich verrückt und schließlich fing ich an, in Melanias Twitter-Account nach Antworten zu suchen.

Ich merkte, dass sie in den letzten drei Jahren, vom 3. Juni 2012 bis zum 11. Juni 2015, 470 Fotos tweetete, die sie anscheinend selbst geschossen hat. Ich habe diese Fotos analysiert, als ob sie Teil eines großen Kunstwerks wären.

(Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr oben im Video)

Jeder von uns verfügt über ein fotografisches Auge, egal ob wir uns selbst als Fotografen sehen oder nicht. Welche Motive wir auswählen und wie wir sie mit der Kamera festhalten offenbart immer ein wenig darüber, wie wir die Welt wahrnehmen.

Melania Trump ist wie Rapunzel - ohne Prinz

Die Twitter-Foto-Sammlung von jemandem wie Melania, geübt im Umgang mit Medien, kontrolliert und abgeschieden, zeigt eine ansonsten ungesehene Realität ihres Daseins. In keiner anderen Situation - erst recht nicht in Interviews oder öffentlichen Auftritten - bekommen wir so einen persönlichen Einblick.

Wie sieht diese Realität aus? Melania ist wie Rapunzel, ohne Prinz und ohne Haar, aus freiem Willen in ihrem eigenen Turm eingesperrt und entzückt von der Vorhersehbarkeit und Monotonie ihrer Gefangenschaft.

Warum nicht ins Weiße Haus einziehen? Mal sehen.

2017-06-13-1497344239-5754216-bild1.jpeg

1. Juli, 2014

In drei Jahren hat Melania nur ein Bild von sich und Trump gepostet. Er dominiert das Bild. Ihr Gesicht ist im Schatten und abgeschnitten. Es ist gleichzeitig ein Selfie und eine Radierung, eine Aufnahme ihres Platzes in deren gemeinsamer Welt.

2017-06-13-1497344661-7465243-bild2.jpg

Drei von fünf Fotos, die Melania von ihrem Ehemann und ihrem Sohn gepostet hat. 16. Februar, 2014 und 27. November 2014.

Melanie hat fünf Fotos von Trump und ihrem gemeinsamen Sohn gepostet. Jedes einzelne davon hat sie von hinten geschossen, manchmal sogar vom Rücksitz im Auto aus. Jungs vorne, Mädchen hinten, dieselbe Sitzordnung, über die wir uns alle bei der Vereidigung des Präsidenten aufgeregt haben, ist ihre Norm. Sie lebt im Hintergrund.

Melania sieht ihre Familie von hinten - den Rest der Welt sieht sie von oben herab. Sie postete 74 Fotos mit Blick aus ihrem Apartment im Trump Tower. Sie ist oft zu Hause, oder zumindest scheint sie für eine Milliardärin mit Privatjet, eine Menge Zeit zu Hause zu verbringen.

Mehr zum Thema: Ein Brief von Melania Trump ist im Netz aufgetaucht - ihre Unterschrift stellt Experten vor ein Rätsel

Jedenfalls genug, um bis zum Gehtnichtmehr denselben Ausblick einzufangen, immer und immer wieder, zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen.

2017-06-13-1497344783-8406641-bild3.jpg

Sechs der 49 Fotos, die Melania von ihrer Aussicht aus dem Trump Tower gepostet hat. Sie wurden zwischen Oktober 2012 und April 2014 gepostet.

Es herrscht eine strikte Passivität bei den Aufnahmen aus dem Trump Tower. Melania verändert niemals die Komposition, sie verleiht den Bildern keine persönliche Note. Der Tag nimmt seinen Lauf, sie macht ein Foto, das war's.

Dieser Ansatz vermittelt eine Art von Ruhe, Sicherheit. Die Erde kreist um die Sonne, aber die Fotografin bleibt reglos in derselben Position, Tag für Tag.

2017-06-13-1497344880-4227083-bild4.png

Sechs der 25 Fotos, die die Aussicht von Melanias Wohnung auf den Central Park zeigen. Veröffentlicht zwischen 30. Oktober 2012 und 13. Mai 2015.

Wir alle tendieren dazu, dasselbe Motiv in unseren Fotografien zu wiederholen. Wenn man ein fotografisches Auge hat, dann ist das nun mal so.

Doch diese Fotos sind nicht von irgendjemandem aufgenommen worden. Sondern von einer Frau, die ihre Aufgaben als First Lady vernachlässigt, um stattdessen die Daily Mail dafür zu verklagen, dass sie ihren Ruf geschädigt habe.

Die Zeitung behauptete, Melania sei mal eine Escortdame gewesen. Außerdem weigert sich Melania ihr Haus zu verlassen - und das, obwohl diese Maßnahme mit 50 Millionen Dollar staatlicher Kosten für ihre Sicherheit verbunden ist. Unter diesen Aspekten wirken die Fotos plötzlich viel düsterer.

Sie scheinen wie die Dokumentation der Jahreszeiten einer verlorenen Einsiedlerin. Die Welt um sie herum kann zerfallen - Melania geht nirgends mehr hin.

Noch düsterer ist der Gedanke, dass sie jetzt gerade oben im Turm - dem Trump Tower - sitzt und auf uns herabschaut wie eine Königin.

Diese Fotografien werfen eine weitere Frage auf: Wenn eine Person den Großteil ihrer Zeit damit verbringt, physisch auf andere herabzuschauen - fühlt sie sich dann selbstverständlich überlegen?

2017-06-13-1497344995-2660862-Bildschirmfoto20170613um11.08.49.png

Melania hat 67 Fotos aus ihrem Privatjet gepostet. Sechs dieser Fotos zeigen den Central Park in ähnlicher Weise, wie von ihrer Wohnung aus.

Melania hat 57 Fotos aus Autos heraus gepostet. Ich dachte zunächst, dass sie die 15 Bilder des Central Parks zu Fuß aufgenommen hätte, während sie einen Spaziergang inmitten der Massen machte.

Aber falsch gedacht. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Äste der Bäume durch die Bewegung des Autos etwas verschwommen sind.

Die Regentropfen fallen nicht herunter, sondern bleiben am Fenster kleben. Das Sonnenlicht bricht in der Fensterscheibe. Ihre Vorstellung eines Spaziergangs im Park ist eine Autofahrt.

2017-06-13-1497345077-5850733-Bildschirmfoto20170613um11.10.34.png

Sechs der 15 Fotos vom Central Park, die Melania aus ihrem Auto gepostet hat.

Geht sie überhaupt mal raus? Nicht wirklich, zumindest kann man das anhand der Bilder, die sie postet, nicht erkennen. Sie war in Washington D.C. und Barcelona, aber diese Orte hat sie auch aus dem Auto heraus gesehen.

2017-06-13-1497345145-8842421-Bildschirmfoto20170613um11.11.42.png

Barcelona und Washington D.C. durch eine Glasscheibe.

Sie war oft in Mar-a-Lago, dem stumpfesten Ferienort der Welt, und bei Kulturevents, die sie vor allem aus ihrem goldenen Käfig auf den teuren Plätzen in der ersten Reihe verfolgt.

2017-06-13-1497345213-8011534-Bildschirmfoto20170613um11.12.43.png

Die US Open, Elton John und Aerosmith Konzerte, 2013-2014.

Kleine Notiz am Rande: Das hier ist ein Einsiedlerkrebs und das einzige Bild eines Tieres, das sie jemals gepostet hat, mal abgesehen von den Rennpferden in Mar-a-Lago.

Ein Tier, das in seiner eigenen Schale lebt. Damit muss sie sich identifizieren, oder?

2017-06-13-1497345299-6627491-bildxxx.jpeg

21. Juni 2014.

Wir alle können uns anhand der PR-Fotos ein Bild der Monstrosität des Trump-Zuhauses machen (Kronleuchter, trauriger Junge auf einem ausgestopften Löwen sitzend, goldene Kissen) - aber durch Melanias Augen betrachtet ist der Ort ein anderer.

Sie macht Fotos von ihrem Zuhause aus komischen, schrägen Winkeln. Der Effekt ist eigenartig, wenn die halb im Schatten verschwindenden Objekte, Stühle und Decken so voll mit Gold sind.

Es sieht aus wie das Bild, das ein ängstliches kleines Mädchen, das im Märchenschloss eines Ogers gefangen gehalten wird, sehen muss, wenn sie sich traut, zwischen den Fingern hindurchzublicken.

2017-06-13-1497345509-8408273-Bildschirmfoto20170613um11.15.34.png

2017-06-13-1497345545-8218314-Bildschirmfoto20170613um11.15.50.png

Ich glaube der wahre Grund dafür, dass die Fotos so eigenartig sind, ist, dass sie als Statusupdate für Melanias Follower dienen sollen - es ist ihre Art und Weise, zu sagen, dass sie eine Nacht zu Hause genießt, aber ohne der Welt Details von ihrem Zuhause zu präsentieren.

Stattdessen wählt sie eigenartige Winkel, um das Bild zu verzerren. Sie macht dasselbe mit Fotografien von sich selbst.

2017-06-13-1497345589-8362941-Bildschirmfoto20170613um11.16.01.png

Selfies, 2014-2015.

Sie postet selten Fotos ihres ganzen Gesichts. Wenn, dann nur so stark überarbeitet, dass man die Konturen ihres Gesichts kaum noch erkennt. Hier ist ihre Nase nicht viel mehr als zwei Nasenlöcher.

2017-06-13-1497345620-56685-Bildschirmfoto20170613um11.16.19.png

Selfies, 2015

Auf Fotos, auf denen man ihr ganzes Gesicht erkennen kann und die sie nicht überarbeitet hat, ist sie verkleidet. Normalerweise mit Sonnenbrille, manchmal mit Hut.

2017-06-13-1497345717-5573664-Bildschirmfoto20170613um11.16.31.png

Selfies, 2014-2015.

Auf Selfies, auf denen sie nicht überarbeitet oder verkleidet ist, schneidet sie ihr Gesicht teilweise ab. Was für ein Widerspruch!

Sie ist ein ehemaliges Model, eine Person des öffentlichen Lebens, „eine extrem berühmte und bekannte Person", eine ausgestellte Frau, und sie kann es nur ertragen, Selfies zu posten, auf denen ihr Gesicht in ungeordneten Ausschnitten erscheint.

Sie versteckt sich also auch, wenn sie sich selbst präsentiert.

Mehr zum Thema: Der Papst unterhält sich mit der First Lady - seine erste Frage ist ein Seitenhieb gegen Präsident Trump

Melanias Fotografien ihres Sohne sind die faszinierendsten ihrer Sammlung. Sie versteckt immer sein Gesicht, genauso wie ihr eigenes. Sie schützt ihn, wie sie sich selbst schützt. Man würde ihn niemals erkennen.

2017-06-13-1497345822-692443-Bildschirmfoto20170613um11.16.47.png

Barron, 2012-2014.

Melanias Fotos von Barron sehen fast alle so aus wie die hier gezeigten. Er steht in der Mitte vor einem weiten Horizont, dem Ozean oder einem Baseball- oder Golffeld. Sein Gesicht zeigt immer in die Ferne, weg von der Kamera. Er blickt nicht nur nach vorne, sondern in die Zukunft.

Diese Bilder sind nicht passiv. Barron ist der Darsteller. Er bewegt sich, läuft, schaukelt, schaut. Er muss sich nicht mit den Einschränkungen befassen, die Melania sich selbst auferlegt hat.

Er steht hinter niemandem, keine Grenzen, kein Glas. Auf ihren Fotos komponiert Melania eine Welt für ihren Sohn, die viel größer ist als ihre eigene.

2017-06-13-1497345884-9660454-bildxxxxx.jpeg

15. August 2014.

Melania hat nur ein Bild von sich und Barron zusammen gepostet. Gleichzeitig ist es das einzige Foto, auf dem Barrons ganzes Gesicht zu sehen ist, aber sie versteckt ihn auf dieselbe Art, wie sie sich selbst versteckt, nur mit der Kleine-Jungs-Version ihrer großen Sonnenbrille - mit Skibrille.

Der offizielle Grund, den Melania angegeben hat, warum sie in New York bleibt, ist, dass Barron noch das Schuljahr beenden soll. Sie wolle sein Leben nicht durcheinander bringen.

Das ist Blödsinn, eine Absurdität die sie sich hätte überlegen sollen, bevor sie ihren Ehemann beim Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hat.

Melania will, dass Barrons Welt größer ist als ihre eigene. Er nimmt einen komplett anderen, größeren, weiteren Raum in ihren Bildern ein als sie es tut.

Ich glaube außerdem, dass sie ihn beschützen will, mehr als alles andere. Für Melania bedeutet Beschützen gleich Verstecken.

2017-06-13-1497345940-521225-bildxxxxxx.jpeg

Melania hat ihr letztes Bild auf Twitter am Donnerstag, dem 11. Juni 2015, gepostet, fünf Tage bevor ihr Mann den Wahlkampfantritt fürs Präsidentschaftsamt verkündete.

Es ist ein altes Foto von einem damals sechs Jahre alten Barron am Strand. Er steht vor einem professionell gebauten Sandschloss, schaut auf den Boden und winkt.

An diesen Tag wusste Melania natürlich, dass die Kampagne kommen würde. Zurückblickend wirkt ihr Posting von einem Throwback-Thursday-Bild wie eine Prophezeiung: ein Auf Wiedersehen an ihren goldenen Turm, an ihr Zuhause, das zusammenzustürzen droht.

Bis heute ist sie immer noch da oben, im goldenen Turm, und sie klammert sich daran fest, solange sie noch kann.

Melanie Trump versteckt sich

Warum nun also nicht ins Weiße Haus ziehen?

Sie versteckt sich. Sie hat einen so starken Drang, sich zu verstecken, dass ihr alles andere egal ist. Sie kümmert sich weder um ihr Land, noch wie schlecht sie dasteht, noch wie viel Geld uns das alles kostet.

Sie schämt sich nicht, denn für sie ist Verstecken keine Scham. Es ist sicher. Sie lebt hinter Glas, in Autos, in ihrem Haus, in Privatjets und an privaten Urlaubsorten.

Sie steigt nicht mal aus dem Auto, um sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen oder im Park spazierenzugehen. Sie ist niemals in der Öffentlichkeit, nicht mal eine Sekunde lang.

Melania Trump ist die Frau, die am wenigsten für ein offizielles Amt in den USA geeignet ist. Wir sollten nichts von ihr erwarten. Sie lebt in einem dunklen Märchen, und in solchen Märchen rettet die gefangene Frau niemand anderen als sich selbst.

Ich liebe euch, meldet euch für meinen Newsletter an!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf "Medium" und wurde aus dem Englischen übersetzt.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.