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Mein Sohn kam mit einer Meningitis auf die Welt - jeder sollte dieses Symptom kennen

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Als mein Sohn Oscar drei Stunden alt war, begann er zu glucksen.

Die Hebamme kam herein, um nachzusehen, wie es uns beiden ging. Da erzählte ich ihr glücklich, dass Oscar bereits lachte. Die Hebamme nahm ihn mir sofort aus dem Arm und drückte den Notfallauslöser.

Sofort eilten viele Hebammen herbei. Sie maßen den Sauerstoffgehalt in Oscars Blut - er lag nur bei 45%.

Oben im Video: Beeindruckend und beängstigend - So verbreitet sich eine Gehirnhautentzündung im Körper

Eine Hebamme rief den Krankenwagen und die Sanitäter kamen zum Glück schnell.

Für den Transport zum Krankenhaus legten sie Oscar in einen Brutkasten. Mir wurde nicht erlaubt, mit Oscar im Rettungswagen zu fahren. Mein Mann holte mich sofort mit dem Auto ab und wir fuhren hinterher.

Die ganze Autofahrt war ich absolut überzeugt, Oscar würde im Krankenwagen ohne mich sterben. Es war schrecklich.

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Als wir ankamen, war eine Sanitäterin gerade auf ihrem Weg zurück zum Krankenwagen. Sie brachte uns gleich zur Intensivstation und versicherte uns, dass Oscar noch am Leben war.

Trotzdem wussten wir immer noch nicht, was unserem Sohn fehlte.

Er sah so zerbrechlich aus

Als wir Oscar auf der Intensivstation fanden, sah er so zerbrechlich aus. Er wurde beatmet, bekam Medikamente durch eine Kanüle verabreicht und war durch mehrere Kabel an einen Monitor geschlossen.

Eine Krankenschwester begleitete uns ins Angehörigenzimmer, um uns zu erklären, was die Ärzte wussten: Oscar hatte eine Infektion in seinem Körper und litt große Schmerzen.

Die ersten Tage waren furchtbar. Wir durften Oscar nicht anfassen - seine Schmerzen waren zu groß. Das ganze Personal leistete jedoch hervorragende Arbeit und unterstützte uns, wo es nur ging.

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Trotzdem ging es nicht bergauf. Oscars Entzündungswerte stiegen weiter an, obwohl er Antibiotikum bekam. Schließlich entschieden die Ärzte, eine Spinalpunktion durchzuführen. Das ist eine Untersuchung des Rückenmarks, bei der man verschiedene Krankheiten feststellen kann (A.d.Red.).

Ich durfte während des Eingriffs nicht an seinem Brutkasten bleiben und machte mir die ganze Zeit schreckliche Sorgen. Hinterher versicherte man mir jedoch, Oscar hätte währenddessen nicht einmal geweint.

Er litt an Meningitis

Doch der Albtraum war noch nicht vorbei. Die Ärzte mussten eine zweite Spinalpunktion durchführen, da bei der ersten Blut in die Probe eingedrungen war.

Zwei Stunden später hatten wir jedoch die Gewissheit, welche Krankheit Oscar hatte: Er litt an bakterieller Meningitis, einer Hirnhautenzündung. Die Ärzte wussten allerdings noch nicht, welcher Typ der Krankheit vorlag.

Wir waren am Boden zerstört.

Aber wir hatten endlich Klarheit. Und die Ärzte konnten Oscar jetzt die richtigen Antibiotika zur Behandlung der Krankheit geben. Von da an es ging bergauf.

Eine Woche nach seiner Geburt wurde Oscar aus dem Krankenhaus entlassen. Es war der schönste Tag für uns. Nach einer Woche mussten wir für einen Check-Up zurück ins Krankenhaus, hatten jedoch keine weiteren Probleme.

Wir lebten in einer Blase

Danach lebten wir mit Oscar in einer kleinen Blase. Er hatte all seine Meilensteine erreicht und war zu einem aufgeweckten und klugen kleinen Jungen herangewachsen. Trotzdem hatte er nach seiner Einschulung Probleme, sich zu integrieren und zeigte erste Wahrnehmungsstörungen - ein Anzeichen für eine Angststörung.

Auch mit den Lehrern gab es Probleme. Sie bestraften ihn für sein Verhalten, obwohl er darüber gar keine Kontrolle hatte.

Als Oscar diese Schule besuchte, rief ich das erste Mal die "Mengitis Now" Hotline an, weil ich einfach jemanden brauchte, der mir ein Ohr schenkte, während ich mich ausschimpfte und weinte.

Die erste Dame, mit der ich mich unterhielt, war sehr herzlich und erklärte mir, dass Oscars Verhalten mit großer Wahrscheinlichkeit mit seiner Meningitis zu tun habe. Sie ließ mir Infoblätter zukommen, die ich gleich an seine Lehrer weiterleitete.

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Er ist sehr ängstlich

Doch schließlich mussten wir in von der Schule nehmen. Es war einfach nicht die richtige für ihn.

Mittlerweile haben wir eine hervorragende Förderschule für Oscar gefunden, die sich auch aktiv um Zusammenarbeit mit anderen Hilfestellen bemüht.

Die Schule wird meinem Sohn für sein nächstes Schuljahr einen persönlichen Lern-Assistenten zur Verfügung stellen. Er ist nämlich sehr ängstlich, was seinen Lernprozess und sein Verhalten stark beeinträchtigt.

Der Assistent wird ihm mehr Sicherheit geben.

Ich möchte mich beim Personal im Geburtshaus bedanken. Ihr schnelles Handeln rettete Oscars Leben. Ich möchte auch "Mengingitis Now" dafür danken, dass sie stets zur Stelle waren, wenn ich mich an sie wand.

Der Beitrag erschien zuerst bei der HuffPost UK, wurde von Meltem Yurt aus dem Englischen übersetzt und dem Verständnis angepasst.

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