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Wetzlar zu Goethes Zeiten

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ALEXANDER VON HUMBOLDT
Niall_Majury via Getty Images
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Wetzlar, die Goethe- und Optik-Stadt im Lahntal liegt na klar an der Lahn

Eine Stadtführerin spaziert mit uns durch die Altstadt und nimmt zu unterschiedlichen Themen Bezug. Bei unserer Goethe-Tour beispielsweise darauf, was, wo und wie Goethe hier einst litt, speiste und zechte.

Wir starten am Domplatz, vor dem Büro des Lahntal Tourismus Verband e.V.

Auf Goethe ist man in Wetzlar stolz, auch wenn dieser nur 4 Monate hier verweilte.

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Johann Wolfgang Goethe kam am 10. Mai 1772 mit 23 Jahren, als Legationsrat bereits gut bezahlt, ins "kulturelle Hinterland", die Reichsstadt Wetzlar, absolvierte hier ein viermonatiges Reichskammergerichts-Praktikum, verliebte sich unglücklich, reiste darum am 11. September wieder ab und überarbeitete seine erste Fassung des Romanes von 1774: "Die Leiden des jungen Werthers", indem er seine unglückliche Begegnung mit Charlotte Buff einbezog.

Zu dieser Zeit, als die einfache Bevölkerung sich noch sehr schlecht ernährte, gab es für wohlhabende als bestes Haus am Platz das Gasthaus zum Kronprinzen. Hier verkehrte Goethe und tafelte zu Mittag mit gleichgesinnten. Geflügel, Perlhühner und Fasan waren die Regel, dazu auch ein paar Flaschen Wein. Goethe und seine Kumpane, alles reiche Bürgersöhne, inszenierten eine Rittertafel, gaben sich adlige Namen, Goethe nannte sich Götz der redliche (nach seiner Romanfigur Götz von Berlichen).

Unsere Stadtführerin lässt ein paar Redewendungen in ihrer Geschichte vorkommen.

Das einfache Volk ernährte sich morgens von Brei und abends bestenfalls von einem Eintopf aus Kraut & Rüben im Topf (gleichnamige Redewendung). Die Familie aß aus einem eisernen Kessel, der über einem Feuer hing. Die Höhe zur Flamme wurde über eine Zahnstange reguliert. Daher kommt der Spruch:"einen Zahn zulegen", wenn's schneller gehen sollte... Unser heutiges Hauptnahrungsmittel, die Kartoffel, war zu Goethes Zeiten noch nicht wirklich populär.

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Statt dessen gab es Brot. Da konnten schon mal Holzspäne als Füllstoff drinnen sein.

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Wir stehen am Fischmarkt. Mehr als eine Gasse ist davon nicht mehr übrig. Zu häufig sind die ursprünglichen Fachwerkhäuser den Flammen zum Opfer gefallen, zuletzt im zweiten Weltkrieg. Wie es zu Goethes Zeiten auf dem Fischmarkt zuging, lässt sich mit der Anfangsszene auf dem Film "Das Parfum" am besten veranschaulichen. Fisch war für wohlhabende ein Fleischersatz für die gut 120 religiösen Tage ohne Fleisch im Jahr.

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Wir kommen durch die Gasse Brotschirm, hier steht das älteste noch erhaltene Haus.
Und hier wurde früher auch das Brot verkauft.

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Wir kommen auf den Eisenmarkt, für Leute mit Geld gab es Messer, zweizackige Spieße und Löffel. In den einfachen Haushalten gab es einen Holzlöffel, den hatte man, wenn man einen hatte, bis man starb, dann freute sich das nächste Kind. Daher der Spruch:" den Löffel abgeben".

Wir sind am Kornmarkt

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Das Wasser in den Brunnen war schon immer sauber, weil es aus höheren Lagen über Holzrohre in die Stadt geleitet wurde. Aus Angst vor Vergiftungen oder toten Tieren wurde das Wasser aber nur zum Waschen verwendet.

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Statt Wasser trank man Bier. Trotz 500 Jahre Reinheitsgebot, was das damalige Bier nicht das, woran wie heute denken. Es wurde viel und selbst gebraut. Vor der Hochzeit braute auch die Braut das Bier für die Feier ihrer Hochzeit.

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Gegenüber dem Brunnen ist das Steakhaus Bolero, dort soll Goethe gewohnt haben.

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Mindestens die Holzbalken lassen erahnen, wie es in dem Haus einst aussah.

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Den Abschluss bildete ein Abstecher in die Lottestraße, die zum Lottehaus führt.

Unser etwas verklärter Blick auf gute alte Zeiten ist nun etwas aufgeklart und da wir weder reich, noch berühmt sind, hätten wir zu Goethes Zeit gelebt, sind wir doch ganz froh, in der heutigen Zeit unterwegs zu sein.

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Goethe und Essen & Trinken, ein spezielles Thema. Lahntal Tourismus Verband e.V.

Und das heutige Wetzlar aus kulinarischer Sicht? Für einen Kulinariker ist es von der Goethezeit ein großer (Zeit-)sprung in die Gegenwart. Zum Beispiel das Cafe Mundart

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