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Karl-Heinz Hänel Headshot

Off Road zum östlichsten Vorposten des Christentums

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Spurensuche im Grenzland Georgiens vor Aserbaidschan

Was mit Worten kaum zu beschreiben ist, sehen Sie anhand dieser Fotoreportage.

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Das Lavra-Kloster von Dawit Garedscha, eines der bedeutensten Klöster Georgiens, muss man gesehen haben. Da war sich unser Guide Zviad Arabidze ganz sicher, ebenso ob der Zuverlässigkeit seines Toyota rav4 für eine Off Road Tour dieser Art.
Die sollte am Ortsrand des Dorfes Sartichalla beginnen.

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Eine richtige Landkarte hatten wir zwar nicht, aber die Bewohner des Dorfes Sartichalla ( Marienfeld ) wiesen uns die Richtung auf der Straße, auf der wir kamen und die nun weiter gen Süden ging.

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Google hätte uns einen Umweg über Rustavi vorgeschlagen, wir hätten gut 70 km zu fahren und bräuchten 75 min. Da wir das nicht wussten, fuhren wir einfach der Straße nach, denn wir wollten unbedingt auch die Natur kennen lernen.

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Die letzten Tage hatte es stark geregnet und so wurde unsere Weiterfahrt durch das Nadelöhr einer Brückenunterführung zur Prüfung, ob wir des weiteren Weges würdig wären.

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Der Allradantrieb schaffte das. Aber die schlammige Untiefe sollte nicht die letzte auf dieser Fahrt sein.

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Wir fuhren immer weiter, die Straße wurde zum Feldweg, der Feldweg wurde zum Weg, der Weg verlor sich auf irgend einem Feld.

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Irgendwann später sollte zur Linken in der Ferne das Dorf Udabno auftauchen, was so viel wie unwirtliches Land bedeutete.

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Der Boden zeigte sich sehr steinreich ...2015-08-06-1438871525-6867485-DSC09748.JPG

Das Wetter war sonnig, der Blick über die weite Steppe vor uns war beeindruckend.

Einfach weiter geradeaus, bis eine von Rindern aufgewühle Weide nicht mehr vermuten lies, wo lang es weiter gehen könnte. Ich stieg aus und maschierte vorraus, von meinen 1,90 m sah ich wesendlich mehr, als Zviad aus seiner tieferen Fahrerposition. So fanden wir auch einen Ausweg.

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Weiter ging die Fahrt, hindurch malerischer Flora und unglaublicher Fauna.

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Erst glaubten wir es nicht, aber immer öfter und immer nähe umflogen uns Adler oder saßen auf Bäumen. In der weiten Halbsteppe, die einst ein Meer gewesen war, wimmelte es nur so vor Singvögeln.

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Wir passierten Salzseen ...

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... und blühendes Buschwerk, Wacholder. Um uns herum die reiste Natur.

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In diese unwirtliche Landschaft also hatte es im 13. Jahrhundert Dawit und seine Gefolgschaft verschlagen, bis die gesamte Gemeinde am Ende von den Mongolen niedergemetzelt wurde.

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Diese Landschaft, halb Wüste, halb Steppe, war einst ein Meer, dessen Ablagerungen im tiefen Sonnenlicht in den schönsten Farben erscheinen, bestehend aus Sandstein, Mergel und verschiedenen Sorten Ton und Lehm.

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In den 80ern nutzten die Russen diese Steppe für ihre Truppenübungen. Erst als Georgien seine Unabhängigkeit erklärte, zogen die Russen nach Protesten der Georgier ab und das Land wurde wieder zugänglich.

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In den 90ern siedelten sich erneut Mönche an und restaurierten die Ruinen der Höhlenklöster.

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Die umwerfend schönen Landschaften nehmen kein Ende ...

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Diese Bilder sprechen für sich ...

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Allein den stetigen Wind, der über die Weite bläst, den sieht man nicht ...

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Ein weites Feld für Fotografen und Landschaftsmaler ...

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Und nach Stunden in gemäßigtem Tempo, voller Eindrücke dieser fantastischen Landschaften, erreichten wir tatsächlich eine Straße.

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und letztendlich nahe dem Kloster auch die ersten Hinweisschilder dort hin.

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Wir hatten es geschaft, am östlichen Horizont erhebt sich das Gombori-Gebirge.

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Das Lavra-Kloster ist das am einfachsten zu erreichende von den 14 Höhlenklöstern
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Der Besuch des Höhlenklosters wird in Kürze eine weitere Geschichte von mir sein ...

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Für unsere Rückfahrt nach Tbilisi wählten wir die Straße nach Rustavi. Ohne zu ahnen, dass diese teilweise direkt auf der Grenze nach Aserbaidschan entlang führt.

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Unwegsame Aussichten, wieder waren wir uns nicht sicher, auf dem Weg Richtung Rustavi zu sein.

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Wo lang geht es zurück in die Zivilisation?

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Endlich kamen wir in ein Gebiet mit großen Schafherden, also wieder Zivilisation.

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Schliesslich konnten wir uns bei einem Hirten vergewissern, dass wir die richtige Richtung eingeschlagen hatten.

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Während der Fahrt erzählte uns Zviad von einer auf Wahrheit beruhenden Begegnung.
Als vor gut 100 Jahren zwei Franzosen das Land bereisten, gerieten sie auf der Suche nach dem rechten Weg an einen Hirten. Sie versuchten sich verständlich zu machen, mit Händen und Füßen, was sich der Hirte ruhig anschaute.

Als die zwei nicht weiter wussten, sprach sie der Hirte auf fließendem Französich an und beschrieb ihnen den Weg. Auf ihr Staunen hin versicherte er ihnen, dass viele Hirten der Sprache mächtig seien. Als die Franzosen zurück in Tbilisi ihr Erlebnis erzählten, ernteten sie großes Gelächter. Offensichtlich waren sie dem Dichter und Schriftsteller Alexander Kasbegi ( 1848-1893) über den Weg gelaufen, der sich eine Auszeit als Schäfer gegönnt hatte.

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Wir sind wieder auf einer befestigten Straße.

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Auf dem Weg ...

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Eine Bahnstreck in Richtung Tbilisi ...

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In der Ferne sehen wir die Industriestadt Rustavi ...

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Erste Anzeichen, dass es zur Stadt nicht mehr weit ist ...

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Der Tag geht zuende, die Abenddämmerung bricht über uns hernieder.

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Spät am Abend erreichen wir Tbilisi, werfen noch einen kurzen Blick auf das Rathaus, sind froh, das Hotel zu erreichen und fallen ins Bett.
Dieser Tageausflug wird unvergessen bleiben und noch nicht der letzte dieser Reise sein.

Ohne die Wegbeschreibung im Reiseführer Georgien hätten wir diese Tour vielleicht nie geschafft. Und ohne die Fahrkünste und das unermüdliche Engagement unseres Freundes Zviad Arabidze sicher auch nicht. Madloba, Danke für diese Reise auf einem Georgischen Traumpfad.

Text und Fotos Karl-Heinz Haenel Blog.Liebhaberreisen.de

mehr von mir über Georgien in der HuffingtonPost: Reisesplitter aus Georgien

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