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Mönche, Kunst und Heldenkult: Donau-Abenteuer von Kelheim bis Passau

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In der Klosterschenke von Weltenburg stoßen wir mit Benediktiner- Abt Thomas Maria Freihart auf über 1.000 Jahre Brautradition an.
2015-06-09-1433880873-3698981-HuffPo07333.JPGDas flüssige Brot, zunächst Fastennahrung der Mönche, entwickelte sich schnell zum Volksgetränk. Wie in alten Tagen wird das Brauwasser aus dem 80 Meter tiefen Brunnen am nahen Jura-Felsen geschöpft. Mehrfach schon wurde „Weltenburg Barock-Dunkel" als Weltbestes seiner Art prämiiert. 2015-06-09-1433880914-8506919-HuffPo07337.JPGDie Brauerei ist inzwischen verpachtet. Die acht Ordensleute sind mit Pfarrei- und Besucherbetreuung, Erwachsenenbildung sowie der Klosterverwaltung mit Feldbau und Schweinemast voll ausgelastet. Im Gästehaus „St. Georg" können auch Männer ein paar Tage Klosterluft schnuppern.
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Das stattliche Anwesen liegt unmittelbar vor dem Donaudurchbruch im Naturerbe „Weltenburger Enge", einer wildromantischen Flusslandschaft. Bereits um 617 soll hier ein iro-schottisches Kloster entstanden sein. 1040 siedelten sich die Benediktiner an. 2015-06-10-1433954132-5488406-HuffPo07325.JPGMit täglich bis zu 1.000 Besuchern ist das „Monasterium Weltinpurc", so die Gründungsurkunde, ein Publikumsmagnet.

Vor dem barocken Biergenuss in der Schenke kommt der barocke Kunstgenuss in St. Georg. Die Brüder Egid Quirin und Cosmas Damian Asam, Söhne einer bayrischen Künstlerfamilie, bauten das Gotteshaus von 1721 - 1724 mit raffinierten Lichteffekten, viel goldener Freskenmalerei und Stuck zum Himmel auf Erden aus. 2015-06-10-1433954195-5520476-HuffPo07326.JPG
Versteckte Fenster hinter dem Altar tauchen den Kirchenpatron zu Pferde in helles Licht, während der Drache zu seinen Füßen im mystischen Dunkel verharrt. Die scheinbar gewölbte Kuppel mit Heiliger Familie, Aposteln und Engeln entpuppt sich bei längerer Betrachtung als flach, eine perfekt inszenierte optische Täuschung. Das geniale Brüderduo porträtierte sich auch gegenseitig. Die launigen Bilder, Cosmos Damian als Stuckfigur und Egid Quirin als Engel, säumen Ränder des Deckenfreskos.

2015-06-09-1433881041-2364754-HuffPo00403.JPGUnweit des Klosters thront die pompös-klassizistische Befreiungshalle auf dem Kelheimer Michelsberg, 126 Meter über der Flussecke zwischen Donau und Altmühl.
Die weithin sichtbare Landmarke rühmt die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815. 2015-06-09-1433881208-2655763-HuffPo00400.JPG
Bayernkönig Ludwig I. ließ den gewaltigen Rundbau zum Ruhme Bayerns und zur Einigung der deutschen Nation errichten. 2015-06-09-1433881114-1469389-HuffPo00405.JPG„MOECHTEN DIE TEUTSCHEN NIE VERGESSEN WAS DEN BEFREIUNGSKAMPF NOTHWENDIG MACHTE UND WODURCH SIE GESIEGT", mahnt die Versalien-Inschrift im Mosaikfußboden aus Carrara-Marmor.

Gigantismus pur: 18 sechs Meter hohe Statuen aus Kalkstein zieren die Pfeiler der Außenfassaden - Sinnbild der deutschen Staaten zur Denkmalsenthüllung nach 20-jähriger Bauzeit am 18. Oktober 1863. 2015-06-09-1433881155-5397152-HuffPo07347.JPGIn den Nischen im Inneren wachen 34 Siegesgöttinnen aus Kelheimer Marmor. Sie stehen für die Zahl der Stämme zum Beginn des 45 Meter hohen Kuppelbaues mit dem 16.725 Kilo schweren Kupferdach. Die Viktorien halten sich wie beim Ringelreihen an den Händen und bilden einen Kreis von feierlicher Geschlossenheit.

Hofarchitekt Friedrich von Gärtner, von dem auch die Ruhmeshalle in München stammt, wurde 1843 mit dem Entwurf beauftragt. Nach dessen Tod vollendete Leo von Klenze das Werk in abgewandelter Form. 174 Stufen in der Mauerschale führen zur inneren Säulengalerie.

Erst aus dieser Perspektive erschließen sich die wahre Größe und Weite des Raums. Auf der Außengalerie entschädigt ein fantastischer Rundumblick auf die Hügelwelt des Altmühltals und den Stromlauf der Donau für die Mühe des Aufstiegs.

Messingplatten im Straßenpflaster von Straubing markieren den „Weg der 1.000 goldenen Schritte" zu den sieben wichtigsten Sehenswürdigkeiten. 2015-06-10-1433954259-8371686-HuffPo00515.JPG
Sie gruppieren sich rund um den 600 Meter langen Stadtplatz, dem Ansichtskarten-Hit mit barocker Dreifaltigkeitssäule und 68 Meter hohem Stadtturm. Noch höher, mit 90 Metern, grüßt der Turm der spätgotischen Stadtkirche St. Jakob & St. Tiburtius bis weit in die Donauebene.

Karmelitenkirche (Backsteingotik und Barock-Altäre), Gäuboden-Museum (Römischer Schatzfund) und Herzogschloss mit Rittersaal sind weitere Stationen des Rundgangs. Am Ende, in der Ursulinenkirche, stoßen wir wieder auf die Asam-Brüder. Ihre letzte gemeinsame Arbeit ist Straubings „schönstes Barockjuwel". Cosmas Damian erlebte den Abschluss nicht mehr.

Am Stadtplatz, Markt und Flaniermeile zugleich, pulsiert das Leben. Bayerische Gemütlichkeit vermischt sich mit südländischem Flair. Im Sommer wird die Altstadt zur Fete-Szene. Im August geht es draußen auf der Festwiese weiter. Zum „Gäuboden", nach dem Oktoberfest in München die zweitgrößte weiß-blaue Volksgaudi, fallen über eine Million Besucher ein, rockt die „Bayrische Kornkammer" in sieben Zelten.

Alle vier Jahre erinnert ein Festspiel an die tragische Liebe der bürgerlichen Agnes Bernauer und dem Münchner Thronfolger Herzog Albrecht III.. 2015-06-10-1433954341-7390085-HuffPo07387.JPGBei den Wittelsbachern lagen die Nerven blank. Auf Befehl von Herzog Ernst I., Albrechts Vater, wurde die junge Frau zum Tod verurteilt und am 12.10.1435 in der Donau bei Straubing ertränkt. 1935, vor 80 Jahren, feierte „Die Bernauerin" am Originalschauplatz im Schlossgarten ihr Debüt.

Danach wurde der Stoff mehrfach überarbeitet. 2015-06-10-1433954405-1630051-HuffPo00526.JPGDie Akteure, über 150 Laiendarsteller begeistern an historischer Stätte immer wieder aufs Neue. (Noch bis 19. Juli). Ein reich illustriertes Buch zum Jubiläum erzählt die Festspielgeschichte („Wer war Agnes Bernauer?", Dorit Krenn/Werner Schäfer, Verlag Altenkofer).

2015-06-10-1433954446-6052550-HuffPo00465.JPGIm Ranking erhaltungswürdiger Kulturdenkmäler hat Regensburg die Nase vorn. 2015-06-10-1433954489-5529162-HuffPo07373.JPGMehr als 1.000 Einzelobjekte sind geschützt. Als besterhaltene mittelalterliche deutsche Großstadt ging „Regensburg mit Stadtaman" 2006 in die Liste des Welterbes ein. 2015-06-10-1433954529-4152566-HuffPo00486.JPG
Auf über 183 Hektar Fläche ist der größte zusammenhängende Bestand an romanischer und gotischer Architektur aus dem 12.-14. Jahrhundert nördlich der Alpen versammelt. 2015-06-10-1433954582-6830757-HuffPo07377.JPGDie „UNESCO Welterbe-Stätte", gleich bei der steinernen Donaubrücke, hat alles sorgsam archiviert. Regensburg blieb von Bombenangriffen verschont. 1971 beschloss der Rat die Sanierung und den Erhalt der historischen Quartiere. Eine gute Entscheidung: Der Fremdenverkehr floriert. Bei Amerikanern, Japanern und Chinesen ist die „Schöne an der Donau" ein Muss auf dem Europa-Trip. Für junges Leben in den alten Mauern sorgen die 21.000 Studenten der 1962 gegründeten Universität. Mit mehr als 40 Kneipen und Discos in Hauspassagen, Türmen, Kellergewölben und im Freien hält Regensburg den bayrischen Rekord.

2015-06-09-1433881537-3881033-HuffPo00609.JPGStudenten eroberten auch die Herzen der alteingesessenen Passauer Bürgerschaft. 2015-06-10-1433955073-496536-HuffPo09937.JPG
Beim Hochwasser 2013 unterstützten sie den Katastrophenschutz im Kampf gegen die Schlammfluten. 2015-06-10-1433954820-326010-HuffPo09956.JPGIn der Unterstadt stieg das Wasser bis zum ersten Stock. Fast hätte es auch die Rathaussäle mit den Kolossalgemälden zu Stadtgeschichte und Nibelungensage erwischt. 2015-06-09-1433881612-1594986-HuffPo00588.JPG
Unbehelligt blieb die barocke Fülle von Gebäuden, Brunnen und Denkmälern rund um den Dom St. Peter und die bischöflichen Paläste. „Dort weht seit 2014 ein frischer Wind", schwärmt die Stadtführerin. Der neue Bischof Stefan Oster (48), ein gelernter Journalist, sei nicht nur der jüngste, sondern auch der schönste Oberhirt im ganzen Land. Sie deutet auf eine Fensterfront: „Dort lebt er, in einer Vierer-WG., weltoffen und bescheiden. Die Residenz seines Vorgängers war ihm viel zu groß!"

2015-06-10-1433954888-9611425-HuffPo00584.JPGKein Passau-Besuch ohne die obligatorische Dreiflüssefahrt „Blaue Donau, grüner Inn, schwarze Ilz". 2015-06-09-1433881382-3507397-HuffPo00593.JPGAm Ufer des Inn kokettiert die Stadt mit ihren italienischen Momenten aus der Wasserperspektive. 2015-06-10-1433954661-7118513-HuffPo00538.JPGAm Donaukai haben die großen Kreuzfahrtschiffe in langer Reihe festgemacht. 2015-06-10-1433955116-86320-HuffPo09925.JPGIrgendwann am Abend werden die Matrosen die Anker lichten. 96 Kilometer sind es dann stromabwärts bis zur ersten Station in Wien.
2015-06-09-1433881440-6961976-HuffPo00627.JPGWer bis zur Mündung im Donaudelta an Bord bleiben will, muss 1.929 km draufsatteln. Es lohnt sich!

PS: Die Donau ist insgesamt 2.800 km lang. Die klassischen Kreuzfahrten starten ab Passau. Die 171 km lange Passage auf dem Main-Donau-Kanal verbindet Bamberg mit Kelheim.

Diese Reise wurde mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau, Neue Straße 45, 80073 Ulm, durchgeführt. Touristische Infos zur Donau Deutsche Donau

Text Karl-Hugo Dierichs, Fotos Karl-Heinz Hänel Blog.Liebhaberreisen.de

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