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Die Kunst und von ihr zu leben...

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Ich befragte Jochem Roman Schneider zu seinem Künstleralltag.

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Frage:
"Was macht die Kunst, Herr Schneider?"

JRS:
"Der Kunst geht es gut. Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit ( Zitat Wilhelm Busch)

Noch mehr Arbeit macht es allerdings, von der Kunst zu leben und ich kann von Glück sagen, das es mir bereits seit 4 Dekaden einigermaßen gelingt. Obwohl ich mir schon manchmal die „Adresse No.4 im Harz" habe geben lassen."

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Frage:
"Mit der Kunst am Ende?"

JRS:
"Allerdings will ich nicht jammern, stattdessen zeichne ich dann lieber wieder weiter Windjammer. Derzeit sitze ich an einer neuen Serie und versuche mich dabei in einem völlig neuen Stil: „Black shades of white". Weiße Bilder auf Canvas Leinen, das auf einen Keilrahmen aufgezogen wird. Nebenbei male ich ein paar Aquarelle, da sie flotter von der Hand gehen als die Radierungen.
Das Radieren an sich ist mir mein Liebstes Medium in der grafischen Kunst gewesen, aber inzwischen ist mir das ganz ehrlich zu anstrengend und die „Ätzerei" mit der Säure und den fiesen Abdecklacken sowie Lösungsmitteln ging und geht mir immer auf den Sack."

Herr Schneider, wie schon an so vielen Jahren zuvor bieten Sie Kunstliebhabern auch in diesem Jahr einen Kalender an.

Frage: "Auf vergangene Jahre zurück blickend, erleben Sie einen Trend zu weniger Nachfragen für einen großen Wandkalender?"

JRS:
"Natürlich nimmt die Nachfrage Dank Internet stark zu, weshalb ich die Auflage wieder erhöhen musste. Von 75 auf 8o Exemplare(!) Die Menschen wollen scheinbar wieder in Ihren eigenen vier Wänden etwas verändern...
hin zum "Gemütlichen"! Wenn schon den ganzen Tag am Monitor, ob am Smartphone oder PC die Nase reiben, da will Mann oder Frau auch hinter dem Computer beim Hochschauen auf Kunst blicken, um kurz mal zu entspannen. So 18 Stunden am PC (inkl. beruflichem), das schafft ganz schön und da bleibt keine Zeit für Museen oder so was...
Nur noch ein halbes Stündchen zum Shoppen und an der Tanke noch kurz ein paar Lebensmittel zocken, vor Allem Weichteile wie Pizza, denn da braucht man kein Besteck beim Weiter-Millern im Personal Computer.
Tipp: Der große Panorama-Kalender 2017 mit meinen beliebtesten Motiven hat ungefähr Mac-Computer Breite und Normal -PC-Höhe."

Frage:"Was für Motive zeigt der Kalender 2017?"

JRS:
"Er zeigt Portraits, Wilhelm Busch z.B. wer weiß noch wer das ist, heutzutage(?)
( Ja genau, ja der von dem Musikanten Stadl und Bruder des Zirkusdirektors, genau), sowie maritime Motive für den Umkreis Kiel, wie Hamburg, oder so. Im Gegensatz zu den Industriekalendern, die geschickt das Titelbild im Innenteil noch einmal wiederholen, birgt mein Kalender (übrigens No.22) trotz 12 Monaten im Jahr 13 Motive, zumal einige meiner Sammler nach Ablauf des Jahres das Kalendarium abschneiden und das Bild rahmen, um es dann über den PC statt wie früher übers Bett zu hängen. Ach so, den Kalender bekommt man für € 48,- nur über facebook oder Hugendubel, da ich die anderen Stammkunden im Lande selbst abklappere, pardon besuche, weil es traditionell immer noch sehr schön ist, dabei einen kleinen Klönschnack mit den treuen Kunden zu haben."

Frage:"Und in Zukunft Bücher statt Bilder?"

JRS:
"Nach der Serie der "Schwarzen Bilder" unter dem Pseudonym Bertolt Kalt ( nachzulesen im Buch "Kieler Snacks") plane ich in 2017 nun die Serie "50 whiter shades of pale", in die ich Mp4 und Mp5 und smartphones mit kleinen surealen clips auf den Monitoren bestücke. Zur Landesschau 2017 werde ich dann wieder drei Bilder, dieses Mal aber unter meinem richtigen Namen einreichen.
Bei den größten fast gänzlich weißen Leinwänden auf Keilrahmen im Format 3 x 4 Meter werde ich wohl zwei große Flachbildfernseher zusätzlich zu den Kleinen nehmen müssen.
Nebenher schreibe ich weiter kleine "short stories" und plaudere aus dem Nähkästchen eines Künstlerlebens, aber immer mit Rücksicht auf die diversen Protagonisten. Ein "Gentleartist" genießt und schweigt."

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Jochem Roman Schneider wurde in 1951 in Bochum geboren, machte 1977 sein
Staatsexamen mit summa cum laude an der Muthesius Kunst-Hochschule Kiel,
hatte bereit seit 1973 bis 2015 über 300 Einzel-Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland.
Lebt heute als freischaffender Künstler in Kiel, seit seinem 65. Geburtstag 2016 etwas zurückgezogener aus dem „aktiven Merchandising".

Anfragen für seinen traditionellen Panorama-Kalender für 2017 an: jochem_roman@yahoo.de