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Karl-Heinz Hänel Headshot

Bild hat 65. Geburtstag - Glückwunsch

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65. Geburtstagt von Bild © Copyright Bild Bild gab es für viele Haushalte gratis zum 65. Geburtstagt von Bild © Copyright Bild

Doch in machem Kopf steht die Zeit still... Kennen Sie die Bildzeitung? Und wissen Sie, warum die so eine hohe Auflage hat?

Die Bildzeitung hat ihren Namen daher, dass sie ursprünglich mehr Bilder zeigte, als alle anderen Zeitungen zusammen. Die erste Ausgabe der Bild-Zeitung erschien 5 Tage vor meiner Geburt 1952 mit einer Gesamtauflage von 455.000 Exemplaren.

Der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann über die Bedeutung der Bilder in den Medien. Kai Diekmann betont in dem Interview am Rande der aktuellen Ausstellung in Berlin: "Bild" heißt eben "Bild" und nicht Schlagzeile. Und so wichtig das Wort auch ist - die Vision Axel Springers bei der Gründung von BILD war eine Zeitung, die fast ausschließlich über das Foto mit dem Leser kommuniziert. Eine Zeitung, die so - quasi unter Umgehung unserer Denksperren im Hirn - direkt zum Herzen spricht."
Und der Erfolg gab allen Machern Recht.
Quelle: Kress.de

Die Ausstellung "Foto. Kunst. Boulevard", die noch bis zum 9. Juli im Berliner Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Ein Ausstellungskatalog ist im Knesebeck Verlag erschienen (19 Euro).

Die Ausstellung kann aufklärerische Hilfe bedeuten, denn nicht jeder / jede, der / die in dieser Branche arbeiten, hat das notwenige Verständnis, die Funktion der Bilder in den Medien richtig einzuschätzen, wie ich selbst unter peinlichen Umständen nach einer Anfrage bei der Tschechischen Zentrale für Tourismus in Berlin erfahren musste:

Dazu mein Feature: "Da sind ja nur Bilder"

Inhaltlich gab es auf der Titelseite und der Rückseite ausschließlich aktuelle Fotos des Weltgeschehens im Großformat, dazu längere Bildunterschriften und drei Comic-Strips. Der Innenteil war gefüllt mit knappen Meldungen ... Quelle: Wikipedia

Kooperation Note: mangelhaft

Denn, wer journalistische Unterstützung bei der Tschechischen Zentrale für Tourismus sucht, muss peinliche Hürden überwinden wollen...

Letztes Jahr fragte ich bei der Tschechischen Zentrale für Tourismus in Berlin an, ob diese meine Recherchereise nach Prag mit der kostenfreien Zusendung einer Prague Card unterstützen wolle. Als Referenz fügte ich den Link zu meinen Fotoreportagen in der HuffingtonPost Deutschland bei: http://www.huffingtonpost.de/karlheinz-haenel/

Jede Reportage wird mit 1 - 2 Fotos als Vorschau gezeigt und hat einen Link. Fazit: ohne Bilder geht so gut wie garnichts im Web, warum lies hier

Zitat aus der Antwort der Tschechischen Zentrale für Tourismus: "Damit wir Sie unterstützen können, würden wir gerne wissen, woran der Fokus Ihrer Reise liegt. Aus Ihren zwei E-Mails ergibt sich, dass sie die Unterstützung nur in Vermittlung der Prague Card wahrnehmen? Diese lohnt sich auch nur dann, wenn Sie wirklich viele Sehenswürdigkeiten mit bezahlten Eintritt besuchen wollen, was oft, gerade in so kurzen Besuchen von Prag , nicht der Fall ist." ... Aha!?!

Ich hätte die Dame der Tschechischen Zentrale für Tourismus in Berlin eigentlich gern noch gefragt, wenn Sie es so sieht, dass sich das mit der Prague Card nicht lohnt, warum sie denn so verkauft wird ( es die Prague Card für 2, 3 und 4 Tage)? Aber kann hielt es doch für Zeitverschwendung, jemand anderens Job zu machen...

Außer dass dort wohl Frühling ist, wusste ich auch nicht, was mich in Prag erwarten würde, also was nun? Ich entschied mich lediglich für die Hilfe von Print-Reiseführern.

Trotz nochmaliger Nachfrage blieb es dabei, keine Unterstützung von der Tschechischen Zentrale für Tourismus in Berlin. Zitat: "wir haben in der HuffingtonPost lediglich Bilderfotostrecken gesehen"... siehe Überschrift meiner Glosse

Übrigens, mein Referenzartikel hatte neben 68 Fotos auch 637 Worte Text!

Und ich bin nicht der einzige freie Journalist, der so abgewimmelt wurde, zum Beispiel der Reisejournalist Dieter Weirauch schrieb via Facebook, Zitat:" Hallo, wahrscheinlich hat den Brief Frau Kralovcova verfasst. ich hatte 5 und mehr Stories über Prag gemacht, privat und dann über eine Pressereise letztes Jahr 3 Geschichten. Ihre Reaktion: wann erscheinen die nächsten ? und dieses Jahr habe ich mich für Pressereisen dort beworben. Antwort: keine."

Sie können mir also gern glauben, dass ich nach 40 Berufsjahren in den Medien weiß, was Leser wünschen. Und zwar ganz speziell Leser von Online-Medien. Daraus resultierend erfreuen sich meine Fotoreportagen online einer großen Beliebtheit.

Praggeschichten früherer Besuche

Auf meiner ersten Reise nach Prag machte ich zwei außerordentliche Erfahrungen.

Zum einen fand ich nach einem Mittagessen auf meiner Rechnung 4 Cafe mehr, als ich getrunken hatte. Zurück am geparkten PKW, fand ich eine Parkkralle, für deren Entfernung 100 DM in bar fällig wurden. Das war der Dank dafür, dass wie sich später herrausstellte, ein selbsternannter Parkwächter von mir ignoriert, darauf hin die Polizei informierte. Ich allein hätte da wahrscheinlich die ganze Nacht im angeketteten Auto zugebracht, wenn nicht direkt vor meinem Auto noch ein weiteres mit deutschem Kennzeichen ebenso mit einer Parkkralle versehen gestanden hätte und der Fahrer (ein gebürtiger Mann aus Prag) nicht zufällig noch gekommen wäre, vor Ort die Polizei herbei beordert hätte, ihnen eine Szene wegen Beamtenwillkür und Straßenräuberei gemacht hätte und ihnen eine Beschwerde ankündigte. Er und ich, wir mussten dennoch für das angeblich unzulässige Parken für die Dienstleistung des Parkkrallen-Entfernens zahlen. Meine ersten Eindruck von Prag werde ich jedenfalls nicht vergessen.

Und heute, Jahrzehnte später kommen mir diese unerfreulichen Erinnerungen wieder in den Sinn, nachdem ich mich genötigt fühle, meine journalistische Arbeit gegenüber den Mitarbeitern der Tschechischen Zentrale für Tourismus in Berlin derart unverhältnis- mäßig rechtfertigen zu müssen, um eine banale Unterstützung in Form einer Prag Card für die Recherchearbeit bewilligt zu bekommen, dass es der Mühe eigentlich nicht lohnt, auch nur eine Zeile über Prag zu schreiben.

Dabei ist Tschechien doch ein demokratisches Land, das nicht im tiefsten Osten Europas liegt, sondern direkt an Deutschland grenzt und sich dem Tourismus gegenüber offen zeigt.

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