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"Am Ende zahlen wieder wir:" Wie ich als Dieselfahrer vom Staat und den Konzernen allein gelassen werde

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MERKEL VW
TOBIAS SCHWARZ via Getty Images
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  • Um den Diesel-Skandal ist es inzwischen totenstill geworden
  • Der Schwindel: Niemand sagt den betroffenen Verbrauchern, was jetzt auf sie zukommt
  • Die Autobauer haben nur kaufmännisch gedacht, nicht im Sinne des Kunden

Kennen Sie die Szene, in der die berühmte Comicfigur Asterix gegen die römische Bürokratie kämpft, um einen Passierschein zu bekommen? Genau so komme ich mir als Besitzer eines Diesel-Pkw in den vergangenen Monaten vor.

Und anstatt endlich Klarheit zu bringen, hat der viel zitierte Dieselgipfel von Anfang August alles nur noch komplizierter gemacht.

Um es mal ganz klar zu sagen: Diese Scheinvereinbarung zwischen den Autokonzernen und der sie hofierenden Politik lässt uns Verbraucher im kalten Regen stehen.

Ich fahre einen VW-Diesel. Einen Diesel, den ich gekauft habe im Glauben daran, dass er die Schadstoffgrenzwerte so einhält, dass ich damit überall fahren darf.

Einen der Diesel, die bereits vor dem Dieselgipfel ein Softwareupdate verpasst bekommen haben. Und bei dem ich nach diesem Update genauso unwissend bin wie vorher - darf ich nun in Zukunft noch in Deutschlands Innenstädte?

Oder muss ich mich entscheiden, entweder draußen zu bleiben oder den Preis für den Murks zu bezahlen, den andere gemacht haben? Sicher sind nur zwei Dinge: VW kann meinem Auto noch 1000 Updates aufspielen. Sauberer wird es dadurch nicht. Und: Der Wiederverkaufswert meines Autos ist geradezu abgestürzt.

Niemand fühlt sich zuständig

Was mich an diesem Schwindel besonders ärgert, ist, dass sich immer noch niemand zuständig fühlt und dass wir Verbraucher immer noch keinerlei echte Informationen erhalten.

Ich war bei meiner Bank, um mich dort über den Wertverlust des Autos zu beschweren und eine bessere Finanzierung auszuhandeln. Der Händler sei zuständig, hieß es dort.

Beim Händler wiederum erzählten sie mir, dass das Update ja bereits aufgespielt sei. Mehr könne man auch nicht machen. Und von den Konzernen haben wir nach dieser halbgaren Gipfellösung sowieso nichts mehr zu erwarten.

Mehr zum Thema: Dresdner Verkehrsexperte erklärt, was eine Studie der US-Umweltbehörde aus dem Jahr 1970 mit dem Dieselskandal zu tun hat

Jeder hat in seinem Berufsleben Murks gemacht, auch ich. Aber wenn ich eins daraus gelernt habe, dann das: Jeder Euro, den ich durch Pfuscherei einspare, kommt später mehrfach als Kosten zurück. Genau das ist den Autokonzernen jetzt passiert.

Ich verstehe nicht, warum sie sich so dagegen sperren, für ihren Pfusch geradezustehen. Sie haben jahrelang gut daran verdient. Es ist Zeit, das Problem wirklich und endgültig zu lösen und nach vorn zu schauen. Auch wenn das was kostet. Stattdessen uns Verbrauchern die Kosten aufzubürden ist sicherlich der falsche Weg.

Schlechte Erinnerungen werden wach

Das ganze Dieselchaos erinnert mich erschreckend daran, wie VW vor vielen Jahren schon einmal fast an seinem eigenen Erfolg gescheitert wäre. Das Unternehmen war so erfolgreich mit dem Käfer, dass es fast nur noch dieses Modell verkaufte - mit riesigen Margen - und viel zu wenig in Forschung und Entwicklung investierte.

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Diese Lücke füllte dann die Konkurrenz, baute sparsamere Autos mit mehr Stauraum. Bis der alte Vorstand und die alten Manager damals überzeugt waren, dass sie sich vom Käfer trennen müssten, war es schon fast zu spät.

Das Geschäft war eingebrochen, weil sie nur kaufmännisch gedacht hatten und nicht an die Bedürfnisse der Kunden von morgen. Ich hoffe, dass sie dieses Mal schneller die Kurve kriegen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf "Xing Klartext".

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