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Will Signa-Chef Benko einen erneuten Übernahmeversuch bei Kaufhof starten?

21/11/2017 12:40 CET | Aktualisiert 21/11/2017 12:41 CET
Michael Dalder / Reuters

Der österreichische Immobilieninvestor Signa Holding hat Berichten zufolge am 1. November dem kanadischen Unternehmen Hudson Bay (HBC) eine Offerte für die Warenhauskette Kaufhof vorgelegt.

Das Angebot soll sich Insidern zufolge bei rund 3 Milliarden Euro belaufen haben, was in etwa auch den Wert der Kaufhof-Immobilien entsprechen soll.

Der Kaufhof-Eigentümer HBC hat das Angebot, dass sich auf die Galeria Kaufhof-Filialen und Immobilienvermögen in Deutschland beschränkt, bestätigt und hat zugleich erklärt, dass der Verwaltungsrat beabsichtigt, das Angebot zu gegebener Zeit zu überprüfen.

Experten zufolge gebe es in dem Statement keine Hinweise darauf, wie Signa diese Übernahme finanzieren wolle. Welchen Betrag das österreichische Unternehmen geboten habe ist unbekannt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll das Immobilienunternehmen bereits mit einer Investmentbank zusammenarbeiten, um die Finanzierung für eine Offerte auf die Beine zu stellen.

Verfügt Signa über ausreichende finanzielle Mittel?

Signa-Gründer René Benko hat bereits im Jahr 2015 versucht Galeria Kaufhof mit seinen 97 Warenhäuern und den 16 Stores in Belgien, die unter dem Namen Galeria Inno firmieren, zu übernehmen.

Diese Offerte scheiterte offenbar daran, dass der damalige Eigentümer, die Metro Holding, den Signa-Gründer für nicht vertrauenswürdig hielt und daher Hudson Bay den Zuschlag erhielt.

Auch jetzt dürfte Benko kaum zum Zuge kommen. Zum einen sind ähnliche Übernahmeversuche der Signa-Holding in der Vergangenheit - wie im Falle der angestrebten Galeria Kaufhof-Übernahme in 2015 - Experten zufolge mangels ausreichender finanzieller Mittel gescheitert. Zum anderen habe Banko noch nie ein Geschäft mit einem Volumen von fast drei Milliarden Euro abgeschlossen.

Der umstrittene Immobilieninvestor behauptet ferner, dass sein Unternehmen eine Kriegskasse von rund einer Milliarde Euro angehäuft habe, um milliardenschwere Übernahmen zu finanzieren. Insidern zufolge sollen die tatsächlichen Kapitalreserven aber bei nur 19 Millionen Euro liegen.

Die anderen 981 Millionen Euro seien keine Kapitalzufuhr, sondern eine Übertragung von Anteilen durch verschiedene undurchsichtige Mantelgesellschaften. Da Signa per se ein intransparentes Unternehmen und die Transaktions- und Finanzierungsstruktur undurchsichtig ist, dürfte HBC dieser Offerte - nach derzeitigem Kenntnisstand - kaum zustimmen.

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Quelle: Signa

Kapitalerhöhung oder Kapitaltransfer?

Um die Wachstumsstrategie zu forcieren hat die Immobilientochter, Signa Prime Selection, am 3. Oktober 2017 eine Erhöhung des Aktionärskapitals um weitere 1,0 Mrd. Euro durchgeführt.

Nach eigenen Angaben gehören zu den Mehrheitsaktionären der Gesellschaft die Signa Holding gemeinsam mit dem Signa Gründungs- und Hauptgesellschafter, der Familie Benko Privatstiftung, welche zusammen derzeit über 60 % der ausgegebenen Aktien halten. Die Kapitalerhöhung hat dennoch einen bitteren Beigeschmack, da es sich im Grunde genommen um einen Aktientransfer von vier Benko-Gesellschaften an die Signa Holding plus einen winzigen Kapitaltransfer handelt. Privatpersonen und andere Unternehmen waren daran nicht beteiligt

Fragwürdiges Finanzgebahren

Benko ist wegen fragwürdiger Finanzierungsmethoden bereits unangenehm aufgefallen. Vor drei Jahren wurde er wegen versuchter verbotener Intervention in einem Steuerverfahren verurteilt.

Des Weiteren wurden viele seiner bisherigen und gegenwärtigen Finanzpartner wie Falcon Bank, dem Reeder George Economou und den israelischen Geschäftsmann Beny Steinmetz in verschiedenen Angelegenheiten strafrechtlich belangt.

So hat die Falcon Private Bank, die zum Staatsfonds von Abu Dhabi gehört und noch an zwei Signa-Töchtern beteiligt ist, wegen ungenügender Abklärungen von in der Schweiz, Singapur und Hongkong gebuchten Geschäftsbeziehungen und Transaktionen im Umfeld des malaysischen Staatsfonds 1MDB schwer gegen die Geldwäschereibestimmungen der Schweiz verstoßen.

Gegen zwei ehemalige Funktionsträger der Bank hat die Aufsichtsbehörde FINMA ein Enforcementverfahren eröffnet.

Hudson Bay hat offenbar die Probleme im deutschen Warenhausgeschäft unterschätzt

Das Management von Hudson hat die Herausforderungen, die mit einem Markteintritt in Deutschland und Belgien einhergehen, möglicherweise unterschätzt.

Die Unsicherheit über die Zukunft der Warenhauskette dürfte zu den schwachen Geschäftsergebnissen und sinkenden Gewinnen der letzten Jahre beigetragen haben.

Vor dem Hintergrund der guten konjunkturellen Entwicklung und der gestiegenen Konsumausgaben könnte sich das Engagement von HBC mittel- bis langfristig dennoch auszahlen. Zum Portfolio des kanadischen Einzelhandelsunternehmens Hudson Bay gehören neben Galeria Kaufhof und Galeria INNO noch die Unternehmen Lord & Taylor, Saks Fifth Avenue und Gilt, Saks OFF 5TH.

Signa hat bei Karstadt & Co längst Kasse gemacht

Wie im Jahr 2013 bzw. 2014, als Benko zunächst Karstadt Sports und die KaDeWe Group und dann später die Karstadt-Warenhäuser übernommen hat, versucht er wohl auch diesmal den Konkurrenten Kaufhof zu übernehmen, um damit seiner Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen.

Zu den zweifelhaften Geldgerbern des Wachstumskurses gehörten die ehemaligen Gesellschafter Falcon Private Bank, der Reeder George Economou und der Israeli Beny Steinmetz. Inzwischen hat Signa seine Verbindungen zu den umstrittenen Investoren mit Ausnahme der Falcon Private Bank gekappt. Rund drei Jahre nach dem Erwerb hat der Immobilieninvestor Signa bereits Kasse bei einzelnen seiner Filetstücken gemacht.

So wurde die Mehrheit der Anteile (50,1 Prozent) am Berliner Kaufhaus KaDeWe, Oberpollinger und dem Hamburger Alsterhaus an den thailändischen Einzelhändler Central Group, der von der drittreichsten Familie Thailands, der Chirathivat-Familie kontrolliert wird, verkauft.

Künftig gehören die Häuser zur italienischen La-Rinascente-Kette, die auch mehrheitlich Besitz des thailändischen Investors ist. Die Immobilien selbst bleiben weiterhin im Besitz von Signa.

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Quelle: Signa, The KaDeWe Group

Die verbleibenden Anteile der Warenhäuser und sonstigen Retail-Aktivitäten sind im Portfolio der Signa Retail enthalten. Während die KaDeWe-Anteile zum Signa Premium-Segment gehören, sind die Karstadt-Anteile den Segmenten Department Store Group bzw. Food & Restaurant Group zugeordnet.

90 Prozent der Anteile der Signa Holding gehören René Benko, die verbleibenden 10 Prozent sind im Besitz von Ernst Tanner, VR-Präsident von Lindt & Sprüngli.

Nach eigenen Angaben hat die Signa-Gruppe ein Umsatzvolumen von 7,5 Milliarden Euro, wobei sich die Retail-Beteiligungen auf rund 3,8 Milliarden Euro (Stand Juni 2017) belaufen sollen.

Die bisherige Vorgehensweise bei Übernahmen lässt den Schluss zu, dass Benko primär an den Immobilien und weniger an den Geschäftsaktivitäten der jeweiligen Firmen interessiert ist. Hudson Bay sollte die Offerte - soweit diese bereits erfolgt ist - kritisch überdenken.

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