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Oberstdorf: Hotels mit kreativen Businessmodellen versuchen sich neu zu positionieren

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Der Tourismus in Deutschland ist ein Wachstumsmarkt, der durch Zuwächse gekennzeichnet ist. Der Anteil der Deutschen die im eigenen Land Urlaub machen steigt seit vielen Jahren stetig. Die Reisepräferenzen der Deutschen können kurz mit den Worten „Berge oder Meer" beschrieben werden. Das beliebteste Reiseziel ist Bayern und innerhalb des südlichsten deutschen Bundeslandes zählt Oberstdorf zu den beliebtesten Reisedestinationen. Oberstdorf erlebt seit 2012 eine spürbare Wiederbelebung des Tourismus mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten. Der Ort selbst liegt auf 815 Meter Höhe im Illertal, umgeben von fünf Hochtälern und einem Kranz von namhaften Größen der Allgäuer Alpen. Bis zu 2.600 Meter hohe Berge, 400 „wanderbare" Gipfel und ein rund 200 Kilometer langes Wegenetz machen Oberstdorf zu einer attraktiven Wandergemeinde in Bayern. Zusammen mit dem benachbarten Kleinwalsertal ist Oberstdorf das größte zusammenhängende Wander-und Bergsportgebiet in den Alpen.

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Große Sogwirkung durch Wandertourismus und Skisport
Zu den Attraktionen dieser Region zählen auch die Bergbahnen, die auch in diesem Sommer wieder volles Programm anbieten. Ob Fellhorn, Kanzelwand, Nebelhorn, Walmendingerhorn, Heuberg oder Söllereck - oben gibt es viel zu erleben. Neben bestens gepflegten Wanderwegen, Klettersteigen „Uff d'r Alp" am Nebelhorn zählt vor allem der Breitachklamm mit seinen imposanten Felsenschluchten zu den großen Erlebniswelten im Allgäu. Nach den Weltmeisterschaften von 1987 und 2005 wird Oberstdorf 2021 zum dritten Mal Gastgeber von Nordischen Ski-Weltmeisterschaften sein. Bereits im Jahr 2018 wird die Skiflug-WM 2018 in Oberstdorf stattfinden. Diese beiden Weltmeisterschaften dürften eine positive Sogwirkung für den Tourismus in der Stadt Oberstdorf und die angrenzende Region entwickeln

Gemäß dem Tourismusbericht der Stadt hat sich die Zahl der Übernachtungen von 2,3 Millionen im Jahr 2011 auf mehr als 2,5 Millionen im Jahr 2015 erhöht. Insgesamt verfügt Oberstdorf über rund 16.600 Betten, die Zahl der gemeldeten Urlaubsgäste ist im vergangenen Jahr auf 447.130 gestiegen, die durchschnittliche Auslastung der Hotels lag 2015 bei rund 42%. Oberstdorf profitiert von seiner guten Infrastruktur, dem hohen Freizeitangebot ,der sich positiv entwickelnden Gastronomie mit einzelnen Sterne-Restaurants und dem verbesserten Hotelangebot. Inzwischen verfügt Oberstdorf über acht Vier-Sterne Hotels und einem Hotel aus der Fünf-Sterne-Kategorie, dem Parkhotel Frank. Daneben gibt es unter anderem noch über 50 Hotels aus anderen Kategotrieren, Pensionen/Gästehäuser, Privatvermittler und private Zweitwohnungen sowie Ferienwohnungen und drei Campingplätze. Da das Preis-Leistungsverhältnis in der Gastronomie- und Hotelbranche nicht überall stimmt, versuchen einzelne Hotels sich zielgruppengerecht neu zu positionieren.

Das Freiberg" - der individuelle Rückzugsort
Zu den innovativsten Hotels der Stadt dürfte nach den umfangreichen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten „Das Freiberg" zählen. Das neugestylte Hotel wurde zur Sommersaison am 6. Juni eröffnet. Nunmehr verfügt das Hotel über 22 Doppelzimmer, drei Suiten sowie zwei Flats im Design eines Boutiquehotels. Auch ein neuer Wellnessbereich mit „Living Wall", finnischer Sauna und Bio-Kräuter-Sauna sowie dazugehörige Anwendungsräume wurden geschaffen, ebenso ein beheizter Outdoorpool mit Blick auf das Nebelhorn. Erweitert wurde auch das Gastronomie-Angebot. Zusätzlich zu den bestehenden Restaurants „Das Maximilians" und „Das Jagdhaus" ist das unkonventionelle „Das Fetzwerk" und „Die Stube" hinzugekommen. Stolz ist Hotelchef Ludger Fetz auf das mit dem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant „Das Maximilians". Viele Auszeichnungen hat auch „Das Jagdhaus"- in dem Ludger Fetz selbst am Herd steht bekommen. Mit dem großen Biergarten hat das Restaurant den Charakter eines Wirtshauses. Dagegen sieht er das „Fetzwerk" eher als Bistro oder Brasserie. Mit seinen vier Restaurants will sich „Das Freiberg" von anderen Hotels nicht nur durch das gastronomische Angebot differenzieren. Unterscheiden will sich Fetz auch in der Gästebetreuung. Sein Credo lautet: „Der Gast soll sich in die Hände der Mitarbeiter geben". Daneben sollten die Mitarbeiter auch Standortkenntnisse verfügen. „Die im Hotel beschäftigten 35 Mitarbeiter müssen auch die Region mit verkaufen", betont Fetz.

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Das Ehepaar Marget Bolkertz Fetz und Ludger Fetz hat in den letzten Jahren erhebliche Investitionen getätigt um das Hotel insbesondere für den gehobenen Gast attraktiver zu gestalten. Bei allem Optimismus, den insbesondere der Hotelchef ausstrahlt, bleibt auch ein Funken Unsicherheit, ob sich die Investitionen langfristig auszahlen werden. Das Ehepaar ist zur Jahreswende 1991/92 mit Ferienwohnungen und einem Restaurant gestartet. Mehr als 10 Jahre später wurden die Ferienwohnungen in Hotelzimmer umgebaut, mit dem Ziel, das kleinste 4-Sterne Hotel Deutschlands zu bauen.

„Als Gast kommen und als Freund gehen"
Die Begegnung mit den Gästen und der herzliche Umgang mit den Mitarbeitern zeichnet viele der zumeist familiengeführten Hotels aus. „Wir beschreiben unseren Gästen nicht den Weg zu einem Ort, sondern begleiten sie dorthin" heißt es zum Beispiel auf der Webseite des „Parkhotels Frank". „Die besondere Aufmerksamkeit, in Verbindung mit den Dingen des Lebens, macht den persönlichen Unterschied für unsere Gäste. Bei uns im Parkhotel Frank treffen sich Menschen, die als Gast kommen und als Freund gehen". Das Haupthaus liegt mit seiner über 4.000 qm großen Gartenlandschaft in ruhiger und zentraler Lage. Das Ferienhotel verfügt über 69 Zimmer, fast alle über Balkon mit Bergsicht.