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Ferienimmobilien können mit einem anhaltenden Wachstum aufwarten

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Der Tourismus in Deutschland ist ein Wachstumsmarkt. Wenngleich nicht alle touristischen Destinationen im selben Maße davon profitieren, zeigt der Trend, darauf deuten die steigenden Übernachtungszahlen hin, nach oben. Neben Hotels werden Ferienhäuser und Ferienwohnungen zusehends beliebter vor allem bei jungen Paaren und Familien mit Kindern. Auf dem Touristik Immobilien Gipfel in Frankfurt referierten Unternehmen aus der Touristik- und Immobilienbranche darüber, wie der Tourismus in Deutschland weiter wachsen kann und wie sich die Ferienhotellerie im Vergleich zum Ferienhausmarkt weiter entwickeln könnte. Mit Blick auf die Ansiedlung von Ferienhotels sollten Kommunen Rahmenbedingen schaffen, um Investments zu erleichtern, sagte Moderator Olaf Steinhagel, Geschäftsführer von hcb hospitality competence.

Tourismusmarkt Deutschland - Shooting Star Kreis Vorpommern/Rügen

Deutschland ist das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Studien zufolge liegt der Anteil der Inlandsreisen seit vielen Jahren bei relativ konstanten 30 % bzw. leicht darüber. Die meisten Gästeübernachtungen verzeichnete im Jahr 2015 die Hotellerie. Mit etwa 272 Mio. Übernachtungen wurden dort rund 62% aller Übernachtungen gezählt. Ebenfalls stark nachgefragt waren Ferienhäuser und Ferienwohnungen sowie Campingplätze, beide Gruppen erzielten jeweils rund 7% der Übernachtungen. Der Umsatz der Reisebranche in Deutschland betrug in 2015 66 Mrd. Euro. Laut einer Umfrage liegt Deutschland im EU-Vergleich bei Familienurlaubern hinter Spanien auf Platz 2, im Segment Komfort/Luxusurlaub, Aktivurlaub auf Platz 3 und Kultururlaub auf Rang 5. Zwischen 2006 - 2015 ist ein Anstieg bei Ankünften und Übernachtungen zu verzeichnen. Während die Ankünfte sich um 33% erhöhten, wuchs die Zahl der Übernachtungen um 24% sagte Dr. Peter Zimmer von der Futour Tourismusberatung. Der Trend geht zu einer sinkenden Aufenthaltsdauer und zu häufigeren und kürzeren Reisen. Daneben sei ein starker Zuwachs bei Gästen aus dem Ausland (Ankünfte +48 %, Übernachtungen +50 %) zu beobachten. Nach einer Treugast-Studie sind weniger als 10 Prozent der größten deutschen Hotelbetreiber auf die Ferienhotellerie spezialisiert. Der Grund dafür ist, dass das Image der Asset-Klasse Ferienhotellerie aufgrund einer Vielzahl problembehafteter Betriebe insgesamt negativ ist.

Orte an der Nord-und Ostsee erleben eine spürbare Wiederbelebung des Tourismus

Die Reisepräferenzen der Deutschen können kurz mit den Worten „Berge oder Meer" beschrieben werden. Im Süden sind Bayern und Baden-Württemberg die am meisten nachgefragten Bundesländer, im Norden sind es die Küstenanrainerstaaten Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, heißt es bei der Futour. Infolge dessen ist das Angebot in Bayern mit rund 710.000 Gästebetten am größten. Ebenfalls sehr nachgefragt ist Baden-Württemberg mit rund 402.000 Gästebetten. Auch Niedersachsen ist mit seiner Nordseeküste und etwa 399.000 Gästebetten ein gefragtes Reiseziel. Tourismusregionen mit einer auffallend hohen Anzahl an Gästebetten sind besonders der Kreis Vorpommern-Rügen (91.345 Betten), die Stadt München (61.028 Betten) sowie die Kreise Nordfriesland (53.217 Betten) und Vorpommern-Greifswald (52.001 Betten). Für Dr. Mathias Feige, Geschäftsführer der dwif Consulting ist Mecklenburg-Vorpommern auch der Shooting Star unter den Tourismusregionen in Deutschland.

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Während sich an der Ostsee Städte wie Travemünde, Grömitz und Scharbeutz mit hohen Zuwächsen aufwarten, erleben an der Nordsee Orte wie Büsum, St. Peter Ording und Sylt eine spürbare Wiederbelebung des Tourismus mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten. Travemünde verzeichnete mit einem Gästeplus von gut 25 % in 2015 und damit den höchsten Zuwachs unter den großen Badeorten an Nord- und Ostsee. Basis dieser Erfolge seien Investitionen in die touristische Infrastruktur, z.B. den Strandpromenaden, verbunden mit der Ansiedlung neuer Hotels wie dem Beach Motel und Hotel Zweite Heimat in St. Peter-Ording oder dem A-Rosa-Hotel in Travemünde. Am Travemünder Priwall soll mit der Entwicklung der „Priwall-Waterfront" ein weiteres Großprojekt umgesetzt werden, eine Marina mit Ferienpark und Freizeitattraktionen, der die Übernachtungszahlen von derzeit rund 650.000 nahe an die Millionengrenze bringen könnte.

Hohe Nachfrage nach Ferienobjekten am Meer und in den Bergen

Als Wachstumstreiber gelten nicht nur Städten und ländlichen Regionen, sondern Weinregionen und Seelandschaften. Auch der Markt für Ferienwohnungen verzeichnet ein dynamisches Wachstum. Insbesondere in deutschen Urlaubsregionen ist die Nachfrage nach Ferienimmobilien und Zweitwohnsitzen ungebrochen hoch. Gefragt sind Immobilien, die sich zur Eigennutzung wie zur Vermietung eignen. Bevorzugte Standorte befinden sich entlang der deutschen Küsten, auf den Inseln sowie in der Alpenregion. An der Nordsee und Ostsee erfreuen sich Immobilien in Meeresnähe oder mit direktem Zugang zum Wasser großer Beliebtheit. Auch in Städten mit Zugang zum Wasser wie z. B. Hamburg wuchs der Ferienwohnungsmarkt im Zeitraum 2010-2015 um 500%, betonte Dr Feige. Stark im Kommen sind auch Städte die mit Marinas aufwarten können wie Neustadt (ancora Marina) oder Heiligenhafen. Mit 1.400 Liegeplätzen ist die ancora Marina der größte Yachthafen in Schleswig-Holstein.

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Ferienhäuser sind vor allem bei jungen Paare zwischen 18-30 J und Familien mit Kind zwischen 30-49 J sehr beliebt, sagt Carsten Gensdorf, Gründer und Geschäftsführer von BestFewo. So seien über 40% der BestFewo-Urlauber zwischen 25-44 Jahre und nur etwa 28% über 55 Jahre. Von Wohnen in einem Ferienhaus versprechen sich Touristen eine größere Flexibilität und Unabhängigkeit sowie die Möglichkeit der Selbstverpflegung und Raum und Platz. Bei den Kriterien, die für eine Buchung im Ferienhaus von Bedeutung sind waren vor allem Lage, Urlaubsregion, Miete und die Ausstattung relevant. Gleichwohl ist der Preis nicht das allein entscheidende Merkmal. Während Touristen für ein Ferienhaus im Schnitt 538,50 Euro ausgeben, zahlen Besitzer von Ferienwohnungen im Schnitt 445 Euro.

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Da der deutsche Hotel- und Ferienimmobilienmarkt auch in Zukunft von einem anhaltenden Wachstum geprägt sein wird, werden Ferienimmobilien neben der reinen Eigennutzung auch als Geldanlage und Renditeobjekte zusehends interessanter. Dennoch ist zu beachten, dass der Freizeitanlagenmarkt einem dynamischen Wandel unterliegt und Freizeitimmobilien aufgrund der Komplexität hohe Anforderungen an Standort (Lage), Marktgebiet und Betreiber stellen.