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Die Preise für Ferienimmobilien dürften in den Toplagen an der Algarve weiter steigen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALGARVE COAST
Inacio Pires / EyeEm via Getty Images
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Ein Haus am Mittelmeer ist ein Traum vieler. Doch in welchem Land bzw. welcher Region lohnt es eine Ferienimmobilie zu erwerben? Bislang gehört Spanien zu den Top Ferienhotspots in Europa.

Da der Tourismus dort an seine Grenzen stößt konnte Portugal, ein Land welches erst vor kurzem aus der Krise gekommen ist und dessen konjunkturelle Indikatoren spürbar nach oben zeigen, eine gute Alternative sein. Zu den populärsten Tourismuszentren des Landes zählt die Algarve. Diese Region ist nicht nur ein Eldorado für Golfer, sondern mit seinem milden Klima und atemberaubenden Landschaften auch ein idealer Rückzugsort für Rentner und Pensionäre aus aller Welt.

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Der Wohnimmobilienmarkt an der portugiesischen Algarve hat in den letzten Jahren eine deutliche Erholung verzeichnet. Ähnlich wie der Hotelsektor, konnte auch der Markt für Apartments und Ferienhäuser dank der konjunkturellen Erholung und der gestiegenen Popularität in den letzten Jahren ein starkes Nachfragewachstum verbuchen, was sich wiederum positiv auf die Performance des Häusermarktes ausgewirkt hat.

Seit 2013 sind auch die Kaufpreise für Wohnimmobilien deutlich angezogen. Wenngleich die Preise für Ferienimmobilien an der Algarve im Jahr 2016 gemäß den Portalanbieter Yellow Homes um rund neun Prozent angezogen sind, würden diese immer noch etwa 25 bis 30 Prozent unter dem Niveau vor der Finanzkrise 2008/2009 liegen. Während der Finanzkrise sind die Immobilienpreise in Portugal um bis zu 50 Prozent gefallen, in den Prime-Standorten sogar darüber hinaus.

Immobilienmakler vor Ort verweisen übereinstimmend darauf, dass sich der starke Zustrom von hunderttausenden Ersturlauber aus Europa im vergangenen Jahr auch in den ersten fünf Monaten 2017 fortgesetzt hat. Als Folge daraus habe sich auch das Angebot an Mietwohnungen in allen Preisklassen beträchtlich erhöht. Neben den Engländern, auf die rund 40 Prozent der Übernachtungen in der Algarve entfallen, werden von den Maklern auch viele Deutsche registriert, die aber tendenziell erst als Mieter und später eventuell als Käufer auftreten.

Gängig sei im Winter eine Langzeitmiete von maximal sechs Monaten. Über sechs Monate hinaus werde es schwierig, weil Wohnungen in den Sommermonaten kurzfristig und zu überdurchschnittlichen Preisen bevorzugt an Feriengäste vermietet werden. Hinzu kommt, dass viele Objekte überteuert und sich in keinem guten Zustand befinden, sagt Susanna Gross von Togofor-Homes. Generell sei bei ihren deutschsprachigen Kunden vor allem der Westen der Algarve sehr beliebt, so die Maklerin.

Käufer werden mit Visa und Steuererleichterungen gelockt

Zur positiven Gesamtentwicklung des Immobilienmarkts hätten auch staatliche Programme wie Golden Visa oder die Vergabe des „Non-Habitual Residence"-Status (NHR) (nicht gewöhnlicher Wohnsitz) beigetragen. Ein sogenanntes "goldenes Visum" kann beantragen, wer mindestens eine halbe Million Euro für eine Immobilie investiert oder eine Million Euro ins Land bringt. Um den NHR-Status zu erfüllen, muss ein Rentner in dem Jahr, in dem sein Sonderstatus anerkannt werden soll, in Portugal steuerlich ansässig, d.h. unbeschränkt steuerpflichtig, werden.

Zudem darf er in den letzten fünf Jahren vor dem Antrag in Portugal nicht steuerlich ansässig gewesen sein bzw. sich als steuerlich ansässig registriert haben. Vor allem Skandinavier, Franzosen und Chinesen hätten großes Interesse, dank des NHR-Status für zehn Jahre von der Einkommenssteuer befreit zu werden und einen Zweitwohnsitz, eine Ferienimmobilie oder einen Altersruhesitz zu erwerben. Laut Knight Frank wurden seit der Einführung der Visa in 2012 2.853 Visa gewährt, davon entfielen 79 Prozent auf chinesische Käufer (Stand 2016).

Preise in den Top-Locations deutlich höher als in den übrigen Küstenregionen

Die Region erstreckt sich westlich von Vila Real de Santo Antonio, die über Spanien nach Faro und das Goldene Dreieck von gehobenen Resorts wie Vale do Lobo, Quinta do Lago und Pine Cliffs grenzt. Das Zentrum der Region ist die Heimat von malerischen Fischerdörfern wie Carvoeiro und mehr Massenmarktangebote wie Albufeira.

Weiter westlich, vorbei an Portimao, gewinnt die Region ein traditionelleres Gefühl mit Städten, darunter Lagos und Sagres, die zunehmend internationale Anleger anziehen. Das Goldene Dreieck, die Vorzeigeregion an der Algarve umfasst die Luxus-Resorts von Quinta do Lago und Vale do Lobo. Diese Region verzeichnen die höchsten Grundstückspreise und Immobilienwerte in der Algarve und ziehen demzufolge auch das größte Käuferinteresse an.

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Wegen der exzellenten Location, Sportmöglichkeiten wie z. B. Golf und Lifestyle-Angebote zählen an der Algarve-Küste vor allem die Premium-Resorts wie Quinta do Lago (der Ort wurde vielfach für sein Golf-Resort ausgezeichnet) und Vale do Lobo zu den bevorzugten Regionen.

Insgesamt gibt es an der Algarve 37 Championship-Golfplätze, die in der Regel von Februar bis Mai und September bis November frequentiert werden. Neben den Golf-Resorts ist auch der Flughafen Faro, der inzwischen von über 47 Fluggesellschaften bedient wird, für den Reise- und Investmentboom an der Algarve verantwortlich. Die Gesamtzahl der Passagiere, die den Airport ansteuerten, stieg im letzten Jahrzehnt um 35%. Die Reisezeit vom Flughafen zu den Resorts im Westen von Lagos und Luz wurde dank der verbesserten Infrastruktur auf ca. 55 Minuten verkürzt.

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Überdies variieren die Preise entlang der Küste stark. Während qualitativ hochwertige Drei- / Vierbett-Villen mit Pool auf Quinta do Lago ca. 2,5 Millionen Euro kosten, liegen die Kaufpreise im Western der Algarve - inklusive Lagos und Luz nach Berechnungen von Knight Frank - bei rund 500.000 - 1,0 Mio. Euro.

Vor dem Hintergrund des NHR-Regimes belaufen sich die Kaufpreise auch zumeist in diesem Korridor. Gemäß dem Portal Idealista habe der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Hauskäufe an der Algarve Ende 2016 bei 1.457 Euro gelegen. Regional gestaffelt beliefen sich die Quadratmeterpreise von Faro bei 1.233 Euro, Portimão 1.248 Euro und Vila Real de Santo Antonio bei 1.274 Euro bis 1.674 Euro in Albufeira und 1.755 Euro in Lagos.

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Die Maklerin Reinhild Schulte Guerra vom Immobilien-Büro Engel & Völkers, die für das Gebiet Quinta do Lago und Vale do Lobo zuständig ist, warnt jedoch vor einer Überbewertung solcher statistischer Durchschnitts-Angaben, weil dabei hauptsächlich Angebote aus dem unteren Preissegment ausgewertet werden.

Sie unterstreicht die extrem großen Unterschiede in den Algarve-Regionen an einigen Beispielen: So könne ein Haus, das im Gebiet Quinta do Lago und Vale do Lobo liegt, einen Kaufpreis von zehn Millionen Euro erzielen. Dagegen würden sich die Kaufpreise in Vilamoura auf sechs bis acht Millionen Euro und in Albufeira und Lagos für rund drei bis vier Millionen Euro belaufen.

Ambitioniertes Investment-Projekt Vilamoura World

Im vergangenen Jahr haben Vilamoura World und CBRE die Lancierung von einem luxuriösen Wohnbauprojekt (l'Orangerie) an der Algarve angekündigt. Die l'Orangerie ist ein 10-Millionen-Euro-Bauprojekt von Vilamoura World, das sich auf einer sieben Hektar großen, bestehenden Parkfläche in Vilamoura befindet und eine Mischung aus aufwendigen Wohnungen, Stadthäusern und Villen bietet.

Im Nordwesten der Stadt sollen 280 Wohnhäuser, 50 Touristen-Apartments und 7.000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen entstehen. Daneben ist auch ein Boutique-Hotel mit 25 Zimmern geplant. Die gesamten Investments sollen sich auf 75 Mio. Euro belaufen. Eingebettet zwischen zwei der bekanntesten Golfplätze der Algarve - Victoria und Millennium - soll l'Orangerie eine breite Palette von Lifestyle- und Freizeitmöglichkeiten anbieten.

Die Bewohner von l'Orangerie würden die Vorteile gut ausgebauter Verkehrsanbindungen durch direkten Zugang zu den nationalen Straßen- und Eisenbahnnetzen sowie die zum Flughafen Faro, der nur 20 Minuten entfernt sei, genießen. Laut der offiziellen Information der öffentlichen Verwaltung in Vilamoura, wird der Lakeside City Projekt durch den aktuellen Vilamoura World Projekt ersetzt. In diesem Projekt ist die der Yacht Club in der Vilamoura Marina mit eingebunden. Daneben seien auch Gewerbeflächen vorgesehen, mit Geschäften und Restaurants.

Ausblick: Preise steigen weiter - Transaktionsvolumen dürfte sinken

Festzuhalten ist, dass vor allem die Engländer die Preise an der Algarve nach oben getrieben haben. Diese könnten aber unter Druck geraten, wenn sich herausstellt, wie viele Briten nach den Brexit-Verhandlungen noch in der Lage sind Algarve-Immobilien zu kaufen oder sogar verkaufen müssen. Bis dato sind noch keine erheblichen Auswirkungen des Brexit-Votums auf das Reiseverhalten britischer Touristen auf dem portugiesischen Hotel- und Häusermarkt zu beobachten.

Im Zuge der Brexit-Verhandlungen könnten die Preise aber unter Druck geraten und das Transaktionsvolumen leicht zurückgehen, insbesondere dann, wenn die Währung weiter schwächelt. Da seit einiger Zeit mehr Portugiesen und auch Kunden aus anderen Destinationen (Frankreich, Irland, Südafrika, China) an der Algarve gesichtet werden, dürfte sich - wenn überhaupt - der Preisverfall in Grenzen halten.

Dennoch rechnen viele Makler damit, dass die Kaufpreise insbesondere für hochwertige Wohnimmobilien in den genannten Lagen nicht zuletzt vor dem Hintergrund der konjunkturellen Erholung und des anziehenden Tourismus zumindest mittelfristig weiter ansteigen. Die höchsten Preisavancen dürften in der Algarve und Lissabon zu erzielen sein.

Mehr zum Thema gibts bei Algarve-Entdecker.com

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