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Steckst du im Do-it-yourself Mindset fest?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STRESS
PhotoAlto/Frederic Cirou via Getty Images
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Ich kann WordPress aufsetzen und ein Theme installieren.
Ich kann Grafiken bearbeiten und in unterschiedlichen Größen und Formaten speichern.
Ich kann meine Fanpage verwalten.
Und ich kenne mich recht gut mit SEO aus.
Der Facebook-Powereditor liegt mir im Blut!
Ich kann Webinare planen und abhalten.
Audios aufnehmen und Videos bearbeiten.
Ich kann auch Salespages schreiben und mit DigiStore verknĂĽpfen.
DigiMember kann ich mittlerweile im Schlaf.
Ich kann einen eCommerce-Shop betreiben und kenne mich in Lagerhaltung aus.
Buchhaltung kann ich aus dem Effeff.
Auch CTR, SEM, EBIT, RoI, Basel II und MOSS sind keine Fremdwörter für mich.
GetResponse, Leadpages, Webinarjam, PicMonkey und Canva - längst in Fleisch und Blut übergegangen.

Ich kann so ziemlich alles.
Selbst auf Kindle eBooks hochladen.

Und genau das wurde mir im Frühjahr 2015 echt zum Verhängnis

Denn im Frühjahr 2015 hat mein Business erneut einen mächtigen Sprung gemacht. Es ging nochmals steil nach oben und ich hätte beinahe den Halt verloren.

Denn da ich alles selbst gemacht habe, musste ich auch nun alles selbst tun!
Es gab zu viele Kundentermine, zu viele Aufgaben, die noch zu erledigen waren, und zu viele offene Punkte auf meiner Liste.

Und alles litt darunter:

Mein Traffic auf der Webpage.
Meine Fanpage.
Meine Newsletter-Liste (die eher schrumpfte als wuchs).
Mein SEO-Ranking.
Meine Kunden (weil ich nicht so fĂĽr sie da sein konnte, wie ich versprach).
Und ich.

Ich war in Markus vielzitiertem Hamsterrad.
Und ich hatte es mir selbst erschaffen.

Schlaflose Nächte.
Ein Mail-Posteingang, der mir ĂĽber den Kopf wuchs.
Eine Aufgabenliste, die nicht mehr zu bewältigen war und mir Bauchschmerzen verursachte.
Leser, die sich fragten, warum sie keinen Newsletter mehr von mir erhielten, aber nicht wussten, dass ich gar keinen verschickte, weil ich schlichtweg zu ausgelaugt war.

Und ich ... ich wollte nur noch den Kopf in den Sand stecken.
Im Boden versinken.

Soll SO der Erfolg aussehen?

Trotz all dem Druck und dem Stress bin ich mir in wenigen Dingen treu geblieben:
Mein tägliches Journaling und die Arbeit mit einem Coach!

Erkenntnis: Ich war voll und ganz im Do-it-yourself-Mindset gefangen

Da ich so stolz darauf war, mir alles selbst aufgebaut zu haben, habe ich auch weiterhin alles selbst gemacht. Viel zu wenig abgegeben. VIEL zu WENIG!

Ich hatte zwar eine Assistentin, aber die war eindeutig unterbeschäftigt zu dem Zeitpunkt.

Mit ein wenig Distanz war klar, es mĂĽssen ein paar Ă„nderungen her:

  • erneute Ăśberarbeitung des Idealkundenprofils (es geht immer noch ein bisschen klarer)
  • weitere Limitierung der 1:1-Arbeit mit mir (seitdem nehme ich nie mehr als vier Neukunden pro Monat an)
  • mehr Fokus auf Strategie und das Wesentliche (Wachstum - nicht Allrounderin)
  • mein Team muss weiter wachsen, wenn mein Business wachsen will (es war höchste Zeit, mir nicht mehr selbst im Weg zu stehen)

Die Stunden meiner Assistentin haben sich deutlich erhöht. Vervielfacht. Es kam ein neues Teammitglied dazu. Dann noch eines. Meine Assistentin wurde zu meiner Drehscheibe - alle Dinge laufen bei ihr zusammen. Sie behält den Überblick und ich bin ihr tausendfach dankbar, sie an meiner Seite zu haben!

Ohne sie wäre ich heute nicht dort, wo ich bin! Danke, liebe Karin!

Das Einzige, was ich wohl anders machen würde, wenn ich nochmals von vorn starten würde: Ich würde mir viel eher Hilfe holen! Viel eher in eine virtuelle Assistenz oder in eine gute Lektorin investieren, noch eher Aufgaben an einen Programmierer abgeben und einen tollen Designer engagieren. Ich würde keinesfalls mehr so lange damit warten. Und klar - auch ein richtig guter Buchhalter/Steuerberater darf nicht fehlen. Doch darauf achte ich bereits seit knapp 20 Jahren, denn so lange lasse ich meine Steuererklärung bereits professionell erstellen.

Denn bei all dem stolzen Gerede von „Hey, das kann ich auch selbst" bleibt unglaublich viel auf der Strecke! Ein neuer Artikel beispielsweise, ist meist in Windeseile geschrieben, doch danach kommt

  • Korrekturlesen (10 Minuten)
  • Bildersuche (30-60 Minuten)
  • Beitrag auf die Webpage stellen (10 Minuten)
  • Verlinken (5 Minuten)
  • Formatieren (5 Minuten)
  • Als Newsletter versenden (10 Minuten)
  • Auf Social Media stellen (5 Minuten)
  • Fehler korrigieren, die dir vorher nicht aufgefallen sind (5 Minuten)

Und schon hast du für einen Artikel, für den du gerade mal 20 Minuten gebraucht hast, weitere 110 Minuten Zeit investiert - in denen hättest du vermutlich

  • einen weiteren Artikel schreiben,
  • ein Kapitel fĂĽr dein erstes/nächstes eBook fertigstellen,
  • strategisch ein paar neue Ideen durchspielen,
  • 3-4 Strategiegespräche fĂĽhren,
  • jemand total Interessanten kennenlernen,
  • eine Kooperation anleiern,
  • eine Salespage schreiben,
  • eine Produktidee entwickeln,
  • einen Vortrag planen,
  • einige Follow-ups machen und damit Aufträge generieren,
  • etwas Inspirierendes lesen oder hören,
  • einige Zeit mit deinem Coach/Mentor verbringen,
  • ein komplettes Webinar planen oder, ebenso wichtig,
  • Zeit fĂĽr dich haben können.

Hier gilt wirklich das Akronym fĂĽr TEAM - TOLL, ein anderer macht's!

Wenn du wachsen willst, dann tu es richtig

Hör auf, dich ständig mit Dingen zu beschäftigen, die du zwar kannst, die aber nicht Teil deines Kerngeschäfts sind!

Bist du Coach - gehört Grafiken erstellen nicht zu deinem Kerngeschäft!
Bist du Masseur - gehört Websites warten nicht zu deinem Kerngeschäft!
Bist du Sänger - gehört Recherche nicht zu deinem Kerngeschäft!

Lass dir helfen! Gib die Dinge ab, die abzugeben sind und die dir sinnvollerweise ZEIT freispielen!

20 Minuten Artikel vs. 110 Minuten Nachbearbeitung!?
Steht fĂĽr mich in keiner Relation!

Aber ich verdiene noch nichts, um das abzugeben?
Na ja, vielleicht gerade deswegen, weil du dich zu wenig um dein Kerngeschäft kümmerst und lernst, wie du dein Angebot am besten verkaufen kannst.

Was, wenn du 110 Minuten deiner Zeit in Salesaktivitäten investierst anstatt in das Onlinestellen deines Artikels?
Was wäre dann möglich?
Wie viel könntest du dann verdienen?
Genug, um jemanden zu bezahlen, der dir hilft?
Der dir all das abnimmt, was nicht zu deinem Kerngeschäft zählt?

„Aber ich brauch ja keine 110 Minuten, ich schaff das auch in 20!"
Cool! Herzlichen GlĂĽckwunsch!
20 Minuten ist genau die Dauer, die ich für ein Strategiegespräch mit einem potenziellen Neukunden einplane!

Ausschlaggebend ist nicht, wie viel du jemand anderem zahlst, um dich zu entlasten, sondern wie viel du in dieser Zeit erwirtschaften kannst!

Eine Ăśberlegung, fĂĽr deren Durchrechnen du dir gern mal ein paar Stunden Zeit nehmen solltest! Es macht sich garantiert am Jahresende enorm bemerkbar.

Deshalb werde ich auch 2016 mein Team nochmals erweitern. Denn nur so ist weiteres Wachstum möglich. Nur so kann ich mich auf meine Kernkompetenzen konzentrieren.

Als Solo-Unternehmer mĂĽssen wir nicht alles selbst machen!
Wir können, ja! Und das find ich auch gut so.
Doch Wachstum ist ab einem gewissen Grad nur mehr im Team möglich!

Lös dich vom Do-it-yourself-Mindset und starte durch als wahre Unternehmerin.

Räume dir und deinem Business den Rang ein, den es verdient hat, und erschaffe dir ein Umfeld, das dich fördert, entlastet, voranbringt und freispielt!

Bis bald
Karin

Blog www.karinwess.com

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