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Frauenpower: Wieso sich die Männer warm anziehen müssen

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Shutterstock / Artem Furman
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Der kleine Unterschied

Gibt es einen (biologischen) Unterschied zwischen Männern und Frauen? Die Frage wird seit Jahrzehnten und immer noch heiß diskutiert. Von zwei Lagern, die sich regelmäßig fast bekriegen. Die einen sagen, der Unterschied von Mann und Frau ist biologisch eingeschrieben, über Hormone, Chromosomen, den Gehirnaufbau und die Gene. Die anderen, es ist alles nur Erziehung, was uns zu „richtigen" Männern und Frauen macht.

Die entsprechenden Zuschreibungen sind klar gesetzt: Frauen sind emotional, passiv, fürsorglich und weich. Männer rational, aktiv, berechnend und fordernd. Natürlich sind das auch oft Stereotype, aber aus meiner Coaching-Erfahrung weiß ich: Es gibt auf jeden Fall unterschiedliche Frauen- und Männerpower.

Die Frauen rücken vor!

It's still a man's world, aber die Frauen sind auf dem Vormarsch! Sie sind gut ausgebildet, kompetent, ehrgeizig und überzeugend. Sie wollen nicht mehr nur Mutter und Ehefrau, sondern auch beruflich erfolgreich sein. Sie fordern ihren Platz in den Chefetagen ein. Und dort werden sie auf lange Sicht landen. Frauenquote hin oder her.

Während meiner langjährigen Praxis als Coachin für Persönlichkeitsentwicklung und starker Auftritt habe ich aber eine Entwicklung verfolgt, die auf den ersten Blick überraschen mag. Man möge ja annehmen, die unerfahren Frauen hätten Nachholbedarf, was das professionelle und selbstbewusste Auftreten anbelangt. Sind sie ja noch recht frisch mit dabei. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Im Coaching nehme ich die Frauen als selbstbewusst und sicher war: Sie haben eine starke und überzeugende Präsenz, sind ausdrucksstark in ihren Gesten und klar in der Stimme. Sie wissen, was sie wollen und das zeigen sie deutlich durch Körperhaltung und Sprache. Überzeugungskraft und Begeisterung für das, was sie tun, bringen sie schon mit. Die Männer hingegen wirken unmotiviert und verunsichert. Sie scheuen sich vor Verantwortung, sind zurückhaltend, verdruckst und gehemmt mit schlaffer Körperhaltung und brüchiger Stimme.

Die Gläserne Decke wird brüchig

Warum hängen die Frauen die Männer gerade ab? Die Frauen mussten in den letzten Jahrzehnten hart dafür kämpfen in die Männerdomäne Business eintreten zu können. Nicht umsonst wird immer noch von der Gläsernen Decke gesprochen. Frauen müssen mehr Leistung bringen als Männer, um im Job anerkannt zu werden. Bessere Noten, mehr Berufserfahrung, mehr Leistung, mehr Motivation. Dabei werden sie in der Regel immer noch wesentlich schlechter bezahlt. Bis zu 30%. Kurzum: Auch wenn Frauen gut qualifiziert sind, müssen sich richtig anstrengen, um erfolgreich zu sein.

Den Männern fällt der Einstieg in den Job oder das Aufsteigen in Top-Positionen leichter. Denn in manchen Bereichen, wie im Management oder der IT- und Ingenieur-Branche, sind die Männer oft noch unter sich. Es gelten männliche Kommunikationsregeln. Man bleibt sachlich, trifft Entscheidungen rational, für Zwischenmenschliches und Emotionales ist kein Platz. Man schachert sich gegenseitig die guten Jobs zu und bildet eine eingeschworene Gemeinde. Das ging lange gut.

Wenn gut ausgebildete Frauen jetzt aber mehr und mehr in die Jobs drängen, gerät dieses jahrhundertelang aufgebaute Gerüst ins Wanken. Plötzlich beginnt sich das Kommunikationsverhalten zu verändern, andere Skills werden wichtig. Neben inhaltlicher Expertise liegen Ausdrucksstärke, Einfühlungsvermögen, Präsenz und Kommunikation mittlerweile auch im Fokus.

Bald mehr Männer- als Frauenförderung?

Die Frauenpower scheint die Männer kräftig zu verunsichern. Jedenfalls laden bei mir viele Herren im Coaching, die von Problemen beim öffentlichen Sprechen berichten. Manche haben von ihren Chefs das Feedback bekommen: „Du bist nicht mehr überzeugend." Andere bemerken ihre eigene Unsicherheit und Blassheit selbst. Nur wenige haben Freunde daran, öffentlich aufzutreten und sich zu präsentieren. Das zeigt sich in der Körperhaltung. Er ist schlaff, Hände in den Taschen, der Ausdruck gelangweilt. Dagegen die Frauen in überströmender Energie, mit Begeisterung für das Thema, ausdrucksstark und schlagfertig.

Das ehemals starke Geschlecht wird mehr und mehr das schwache. Denn die Frauen haben die höheren Ansprüche, die an sie gestellt werden, für sich nutzbar gemacht und hängen nun die Männer ab. Die Männer müssen sich warm anziehen. Vielleicht brauche wir bald sogar mehr Männer- anstelle von Frauenförderung...

Das gemischte Parkett im Business braucht eine neue Position, gerade für den Mann. Jedenfalls muss der Mann von heute eine genauso klare Position finden wie die Frauen. Er wird sein Selbstbild überprüfen müssen. Keine Laissez-faire Haltung, sondern eine klare innere Ausrichtung. Was will ich? Wohin will ich? Welche Tätigkeits- und Verantwortungsbereiche kann und will ich übernehmen? Auch sein Selbstbewusstsein ist gefragt. Die analytischen, intuitiven und kommunikativen Skills, die Mann per se nicht drauf hat, gilt es zu erlernen.

Die alte neue Frauenpower

Woher kommt diese neue weibliche Power? Ich denke, sie ist gar nicht so neu, sie war schon immer da. Frauen haben über Jahrhunderte Familien versorgt und gemanagt. Sie wissen, wie soziale Systeme funktionieren, wie sie führen und anleiten, wie sie Abläufe organisieren, Prozesse optimieren. Und ganz besonders, wie sie mit Stresssituationen umgehen müssen. Diese Fähigkeiten durften sie lange nur im Rahmen der Familie ausleben. Jetzt aber strömen sie mehr und mehr in die Jobs und können ihre Skills nun endlich auch dort einsetzen.

Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Männer, die eine Elternzeit nehmen oder sogar ganz zu Hause bleiben und sich um die Familie kümmern.

Lange haben wir darüber gesprochen, dass Frauen von Männern lernen müssen, wie es im Job läuft. Diese Zeiten sind vorbei, denn die Frauen haben aufgeholt. Vielleicht schaffen wir es in Zukunft, mehr voneinander zu lernen. Die Frauen- und Männerpower in ein gutes Gleichgewicht zu bringen. Und gegenseitig von unseren Stärken zu profitieren.


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