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Kinder, die Schulkleidung tragen, machen bessere Abschlüsse

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SCHULUNIFORM
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  • Guter Unterricht bereitet Schüler auf das Leben vor
  • Dazu gehört auch, die Einflüsse von Handel und Medien zu verstehen
  • Schulkleidung fördert Sozialkompetenz und Individualität

Eine Diskussion über das Tragen einheitlicher Kleidung in der Schule ist müßig. Jeder gute Lehrer weiß, dass er es hinkriegt, aus einem wilden Haufen von Kindern eine Gruppe zu formen, die zu einem Wir wird.

Es wird eine Weile dauern, aber bei täglicher Arbeit und viel gemeinsamer Zeit mit der Schülergruppe wird das gelingen.

Immer vorausgesetzt, dass die Lehrkraft die nötige Autorität hat, dass die Gruppe sie als Vorbild akzeptiert und sie über das grundsätzlich notwendige Charisma eines guten Pädagogen verfügt.

Ein solcher Lehrer weiß, dass Manipulation und Suggestion Arbeitsmittel darstellen, auf die er nicht verzichten kann.

Er wird seine Schüler jedoch nicht zwingen oder überreden, etwas zu akzeptieren, was ihnen fremd ist: Schulkleidung.

Schüler müssen verstehen, wie ein Trend entsteht

Ein solcher Lehrer wird über kritische Arbeit am Thema und Bewusstmachung der Hintergründe die Akzeptanz seiner Schüler erreichen.

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Wenn junge Menschen begreifen, wie sie durch die immer präsenten Einflüsse von Handel und Medien manipuliert und gesteuert werden, wenn sie verstehen, wie ein Trend entsteht und was er für Folgen hat, können sie es leichter schaffen, ihren Drang nach Selbstdarstellung und Außenwirkung in der Schule zu begrenzen.

Sie lernen zu schätzen, dass "Schulkleidung", eine moderne Kleidung mit Schullogo für junge Leute, ihre Individualität erst möglich macht.

Wer sich nicht durch Markendiktat oder neueste Trends die Zugehörigkeit zur Gruppe erkaufen muss, wer in Schulkleidung zeigen kann, worauf es in der Schule wirklich ankommt, der ist frei, der lässt sich nicht länger von Peergroups dominieren.

Guter Unterricht bereitet Schüler auf das Leben vor. Hier lernen junge Menschen auch, wie man sich situationsgerecht kleidet und benimmt. Sie erarbeiten sich die Kompetenz, zwischen Arbeits- und Freizeitkleidung zu unterscheiden.

In wenigen Augenblicken beurteilen wir einen Menschen. Seine Sprache und seine Kleidung sind die Signale für den ersten Eindruck. Schüler müssen lernen, dass es nur diesen ersten kurzen Moment gibt.

Wenn dieser Eindruck vertan ist, gibt es keinen zweiten.

Schulkleidung hilft Schülern, sich zu konzentrieren

Auch für das Schulleben der Kinder birgt Schulkleidung Vorteile. So stärkt sie die Position der Schwachen in der Klassengemeinschaft. Für Schüler, die Schulkleidung tragen, ist das, was sie sind, wichtiger als das, was sie haben. Deshalb führt Schulkleidung nicht zu Gleichmacherei, sondern fördert die individuelle Entwicklung der Schüler.

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Schulkleidung ist ein Baustein bei der Erziehung zum Wir. Die Schule ist der Arbeitsplatz der Kinder. Hier sollen sie miteinander lernen und Erfahrungen machen.

Positive Werte wie Takt, Umgangston, Sprache, Stil und Ästhetik sind wesentliche Elemente in dieser Gemeinschaft. Kultivierte Umgangsformen helfen den Kindern, Sozialkompetenz zu erwerben.

Ausgrenzung wegen nicht getragener Markenkleidung, Anmache und sexuelle Fantasien wegen entblößter Körperteile stören die Arbeitsatmosphäre. Meine Vision einer Bekleidung für Schüler geht dahin, Einheitlichkeit ohne Uniformierung bei gleichzeitig hoher Akzeptanz durch Schüler und Eltern zu erreichen.

Eine solche Bekleidung muss modern und frei wählbar sein. Schüler dürfen sich nicht verkleidet fühlen.

Zehn Jahre Schulkleidung beweisen: Schüler fühlen sich geborgen

Von 2000 bis 2010 arbeitete ich an einem solchen Bekleidungskonzept für Schüler. Ich habe es "Schulkleidung" genannt und damit einen neuen Begriff für Arbeitskleidung in der Schule geprägt.

Die meisten Schüler identifizieren sich mit ihrer Schulkleidung, weil sich jeder aus einer Kollektion von gleichwertigen Kleidungsstücken typgerecht und nach seiner Gewohnheit kleiden kann.

Zehn Jahre mit täglich getragener einheitlicher Schulkleidung haben bewiesen, dass Schüler bessere Abschlüsse erreichen und sich nach eigener Einschätzung in ihrer Gemeinschaft geborgen fühlen. Sie akzeptieren die Schule als Ort des Lernens und vertrauen ihren Lehrern.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing Klartext.

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