BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Karim Shamsi-Basha Headshot

Ich sage Allahu Akbar - und ich bin kein Terrorist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MUSLIM PRAYING
Suhaib Salem / Reuters
Drucken

Ich bin damit aufgewachsen, jeden Tag ein paar Mal "Allahu Akbar" zu sagen.

Und nein, ich bin kein Terrorist.

Ich bin keiner, der Gebäude in die Luft jagt, Menschen umbringt oder ein Geschoss vom Raketenwerfer abfeuert.

Aber genau so etwas bringen viele mit dem Satz in Verbindung. Die Menschen im Westen haben panische Angst vor diesem Satz.

Ich war ein muslimischer Junge, der versuchte, so oft wie möglich zu beten. Ich wuchs in einem liebevollen und friedlichen Zuhause auf, Terror wurde verurteilt.

Mein Vater war Poet. Er las mir Gedichte statt Kinderreime vor. Er war die personifizierte Liebe.

"Liebe jeden", sagte er fast jeden Tag. Für ihn gab es kein Problem, das sich nicht mit Liebe lösen ließ.

"Allahu Akbar" - Worte, die das Leben feiern

Der Satz "Allahu Akbar" bedeutet wörtlich, "Gott ist der Größte". Jeder Muslim muss ihn mehrmals täglich während der vorgeschriebenen fünf Gebete sagen.

Mit diesem Satz feiern wir das Leben: Wenn ein Baby geboren wird, ein Paar heiratet oder ein Soldat wohlbehalten nach Hause zurückkehrt.

Der Satz "Allahu Akbar" soll Muslime daran erinnern, dass Gott über allem steht. So einfach ist das.

"Allahu Akbar" ist kein Kampfruf

Warum wird der Satz "Allahu Akbar" als Kampfschrei missbraucht, wenn ein Terrorist jemanden umbringen will?

Bei dem schrecklichen Anschlag in New York rief der Terrorist den Satz, bevor die Polizei auf ihn schoss, nachdem er acht Menschen getötet und viele mehr verletzt hatte.

Die Mehrheit der Muslime betrachtet es als eine Abscheulichkeit, wenn jemand den Namen Gottes ruft, der zuvor Unschuldige getötet hat.

Muslime wollen den Tod Unschuldiger genauso wenig wie alle anderen Leute. Warum also schreien Terroristen diesen Satz?

Mehr zum Thema: Sie riefen "Allahu Akbar": Islamgegner simulieren Anschlag in Prager Innenstadt

Aus demselben Grund, wie es die Terrormilizen IS und Al-Kaida gibt: Es ist eine falsche Auslegung des Islam.

Wenn man behauptet, das eigene Handeln sei durch die Religion legitimiert, hat man die Macht, damit die Massen anzusprechen. Man könnte es Gehirnwäsche nennen.

Mörder bleibt Mörder

Die Terroristen, die am 11. September Flugzeuge ins World Trade Center geflogen haben, unterscheiden sich nicht von den Selbstmordattentätern in Israel /Palästina.

Sie unterscheiden sich nicht von jenen, die Radfahrer in New York niedergemäht haben. Es sind Menschen, die Religion missinterpretieren und missbrauchen.

Sie sind krank, pervers und böse.

Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Terroristen, die "Allahu Akbar" rufen, während sie ein Verbrechen begehen, und jenen weißen Nationalisten und Rassisten, die kürzlich in Charlottesville, Virginia, riefen "Wir lassen uns von den Juden nicht verdrängen".

Diese Doppelmoral tut weh: Wenn ein Mann 58 Menschen in Las Vegas tötet, nennt keiner ihn einen Terroristen. Warum nennt man nur Menschen so, die behaupten, dem Islam nahezustehen?

Wo ist der Unterschied zwischen dem Koran und dem Alten Testament?

Muhammed hat im siebten Jahrhundert den Koran empfangen. Die Verse, die Krieg und Kampf lehren, sind kontextbezogen und beziehen sich auf die Zeit, in der er und seine Anhänger nur die Wahl hatten, sich zu wehren - oder zu sterben.

Das ist auch nicht anders als im Alten Testament, das viele Passagen enthält, die zu Krieg und Töten aufrufen.

Im Deuteronomium (Kapitel 2, Verse 32 bis 37) soll Moses Männer, Frauen und Kinder töten:


"Zu mir aber sagte der Herr: (...) Ich liefere dir Sihon und sein Land aus. (....) Wir schlugen ihn, seine Söhne und sein ganzes Volk. Damals eroberten wir alle seine Städte. Wir weihten die ganze männliche Bevölkerung, die Frauen, die Kinder und die Greise der Vernichtung; keinen ließen wir überleben. Als Beute behielten wir nur das Vieh und das, was wir in den eroberten Städten geplündert hatten. (...) Alle hat uns der Herr, unser Gott, ausgeliefert."

Was ist da der Unterschied zum Koran? Und warum werden Muslime mit anderem Maß gemessen?

Die meisten Verse des Koran handeln von Liebe und Harmonie und helfen jenen, die nichts haben. Ein Beispiel:

"Und sie geben (...) Speise zu essen einem Armen, einer Waisen und einem Gefangenen. Wir speisen euch nur um Allahs Angesicht willen. Wir wollen von euch weder Belohnung noch Dank."

Ein altes religiöses Buch kann falsch verstanden und falsch interpretiert werden.

Der Ku Klux Klan sagt, dass Jesus sein erstes Mitglied gewesen sei. Sie verbrannten Kreuze und verbreiteten ihre kranken Gedanken.

Wo ist da der Unterschied?

Meine Schwester

zwei muslimische frauen

Meine Schwester Rowaida lebt in New York. Wir haben vergangene Nacht telefoniert. Sie trägt Kopftuch und ich wollte sicher sein, dass sie deswegen keine Probleme hat.

Wenn Terroristen ihre Gewalttaten im Namen des Islam begangen haben, wurden Frauen mit Kopftuch in der Vergangenheit besonders scharf kontrolliert.

Sie sagte, diesmal sei alles okay und sie bete für die Terroropfer.

Sie ist Lehrerin und ihr Mann Architekt. Alles, was sie sich wünschen, ist Essen, Wasser, ein Dach über dem Kopf und dass ihre Kinder gut aufwachsen.

Sie haben vier: einen Computerwissenschaftler, einen Arzt, einen Physiotherapeuten und einen Apotheker.

Sie lieben, wie alle anderen auch, und sie haben Mitgefühl, Mitleid und Empathie wie alle anderen auch.

Dass sie ihren Kopf bedeckt, sagt nur: Sie will sittsam und bescheiden sein.

Mehr zum Thema: Lasst uns die Kopftücher - kümmert euch lieber um mehr Gleichberechtigung für alle Frauen

Was ich mir von den Menschen wünsche

Ich habe einen Wunsch, vielleicht auch zwei.

Der erste ist, dass meine Kinder gut aufwachsen und durchs Leben gehen, ohne auf Basis ihres Familiennamens beurteilt zu werden.

Der zweite ist, dass die Welt weiß, dass Muslime keine Bedrohung bedeuten. Die Leute, die eine Bedrohung sind, sind so weit vom Islam entfernt wie der Ku Klux Klan vom Christentum.

Meine Religion ist meine Liebe.

Der Text wurde von Susanne Klaiber aus dem Englischen übersetzt und leicht gekürzt.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.