BLOG

Migranten und Social Entrepreneurship - Eine wichtige Allianz für Fortschritt in der Integrationsdebatte

20/11/2015 16:02 CET | Aktualisiert 20/11/2016 11:12 CET

2015-11-12-1447370396-6586554-photo1443834977073ee1f86d38d0b.jpeg

Menschen, die neue Ideen hervorbringen, begeistern uns. Menschen, die in der Lage sind, ihre vorhandenen Ressourcen sinnvoll einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen, empfinden wir als Macher. Wenn sie dann auch noch selbstlose Zwecke verfolgen, steigen sie zu gesellschaftlichen Vorbildern auf.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Mit Social Entrepreneurship (zu deutsch: Soziales Unternehmertum) wird eine Handlungsform beschrieben, die diese drei Eigenschaften verbindet. Social Entrepreneurs sind Individuen, die gesellschaftliche Probleme unter der Zuhilfenahme von innovativen und unternehmerischen Mitteln zu lösen versuchen.

Einige von ihnen haben zudem den Anspruch, die adressierte Zielgruppe mit in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und somit gleichberechtigte Teilhabe zu fördern. Damit wollen sie dem klassischen Bild des wohlwollenden Dienstleisters widersprechen, der einseitig Lösungen für ebenfalls einseitig erkannte Probleme entwickelt.

Debatten um den Erfolg und Misserfolg von Integration

Doch warum ist Social Entrepreneurship ein notwendiges Instrumentarium, um die immer wiederkehrenden Debatten um den Erfolg und Misserfolg von Integration zu überwinden und stattdessen neue, zielgerichtete Ansätze voranzutreiben?

Ob Migrantenorganisationen, von Stiftungen geförderte Integrationsprojekte oder politische Bestrebungen - sie alle leisten, mehr oder weniger, ihren Beitrag zur Formulierung und zur Geltendmachung des gesellschaftlichen Wohlbefindens von Migranten in Deutschland. Die aktuell geführten Diskussionen um Integration und die damit einhergehenden Reaktionen der Beteiligten erwecken jedoch den Eindruck, dass Entwicklungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum stattgefunden haben.

Social Entrepreneurship kann dabei helfen einen solchen Rückschritt zu verhindern. Durch die sozialunternehmerische Umsetzung von Projekten und Geschäftsmodellen, die beispielsweise das harmonische Zusammenleben von Migranten und Nicht-Migranten gestalten und fördern, kann unabhängig von politischen und teilweise auch von finanziellen Einflüssen eine positive Veränderung eingeleitet werden.

Meist starten Social Entrepreneurs mit einer Idee, die einen bestimmten Zustand in der Gesellschaft verbessern soll. Anschließend mobilisieren sie Ressourcen aus ihrem Umfeld, um ihre Überlegungen in die Tat umzusetzen. Da ihnen zunächst nahezu kein Einkommen aus ihrer Tätigkeit zur Verfügung steht, sind hohe persönliche Motivation und tiefe Überzeugung von der eigenen Idee wesentliche Faktoren für das Überstehen der Anfangsphase.

Betriebswirtschaftlich kann dies als das Startkapital eines jeden Social Enterprises ausgedrückt werden. Die weitere Entwicklung wird von den organisatorischen Rahmenbedingungen bestimmt. So kann es neben der Zusammenarbeit mit etablierten Kooperationspartnern auch entscheidend sein, ob die Einbindung der Zielgruppe ein zentraler Bestandteil der Idee ist.

Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist das Social Enterprise Über den Tellerrand Kochen e.V. Hier haben sich die Gründer überlegt, mittels Kochkursen „einen aktiven Austausch zwischen Flüchtlingen und Einheimischen selbstverständlich werden zu lassen". Die Kurse werden dabei von Flüchtlingen geleitet, die gemeinsam mit den Teilnehmern unterschiedliche Köstlichkeiten aus ihrem Herkunftsland zubereiten.

Neben den Einnahmen aus der anfallenden Teilnahmegebühr finanziert sich der Verein aus dem Verkauf eines Kochbuches, das die verwendeten Rezepte und individuelle Biographien der internationalen Köche beinhaltet. Hierdurch sind sie in der Lage, unabhängig von der politischen Atmosphäre oder von den Vorgaben eventueller Geldgeber, weitere Projekte wie 'Über den Tellerrand Quatschen' oder 'Über den Tellerrand Kicken' auf die Beine zu stellen.

Eine Zunahme derart aufgestellter Social Enterprises kann dabei unterstützen, einen Fortschritt in der stetig wiederkehrenden Integrationsdebatte zu erreichen. Durch ein Handeln miteinander anstelle eines Redens übereinander können die bisherigen gesellschaftlichen Errungenschaften weitergeführt werden. Dabei zeichnet sich das sozialunternehmerische Format im Vergleich zu den üblichen Ansätzen durch seine unabhängige und handlungsorientierte Eigenschaft aus.

"Unzumutbare Zustände" in Wien und Salzburg: Bahn-Unternehmen will Flüchtlinge loswerden - und erntet heftige Kritik

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite