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An die fast zweifache Mutter

01/10/2015 18:09 CEST | Aktualisiert 01/10/2016 11:12 CEST
Charles Gullung via Getty Images

Heute habe ich in einem Buchladen in meiner Nähe eine Frau getroffen, die mit ihrem zweiten Kind schwanger ist. Mein Sohn geht seit ein paar Wochen in die Schule, also verbringen nun meine einjährige Tochter und ich die meiste Zeit zu zweit.

Wir waren in dem Buchladen vor allem, weil ich einen Latte wollte, aber auch weil es einfach ein netter Ort ist, um ein bisschen Zeit zu verbringen, ohne sich schuldig zu fühlen. Dort gibt es eine Spielecke, in der meine Tochter spielen kann.

Als ich zu dem Tisch kam, saßen dort bereits zwei Mütter mit ihren Kindern. Meine Tochter gesellte sich zu ihren Kindern und sie fingen schnell an, miteinander zu spielen.

Es war nicht zu übersehen, dass eine der beiden Frauen schwanger war. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und fragte, wann denn der Geburtstermin sei. Das Baby sollte in vier Wochen kommen -- kurz vor dem zweiten Geburtstag ihrer Tochter.

Ihre Vorfreude war sichtbar und ansteckend und ich sagte: "Wow, das ist so toll! Deine Kinder werden sich so nah sein." Aber ich spürte ein Zögern und Zurückhaltung als sie sagte: "Ja, genau. Wir haben das extra so geplant, aber jetzt werden sie so nah beieinander sein."

Sie fragte mich, ob ich noch mehr Kinder hätte und ich sagte, dass ich zwei Kinder habe, zwischen denen fünf Jahre liegen. Wir unterhielten uns weiter, hauptsächlich über unsere Kinder. Nach einer Weile machte ich mich mit meiner Tochter auf den Weg nach Hause.

Bevor wir gingen, wünschte ich der werdenden Mutter noch alles Gute für die Zukunft. Ich wollte keine ungefragten Ratschläge geben, vor allem nicht einer Fremden, aber Folgendes hätte ich ihr gerne gesagt, was ich gerne gewusst hätte, bevor ich mein zweites Kind bekam:

Du kannst ein zweites Kind lieben. Ich habe diese Angst von vielen Eltern gehört und auch ich habe mir Sorgen gemacht. Die Liebe für meinen Sohn schien mir so allumfassend. Aber ich habe gelernt, dass Liebe exponentiell ist. Und ich habe gelernt, dass ich meine Kinder gleich viel, aber gleichzeitig auf eine völlig unterschiedliche Art lieben kann. Ich hatte keine Ahnung, dass sich Liebe so unterschiedlich anfühlen kann.

Es ist normal, dass dein älteres Kind Groll gegen sein Geschwisterchen hegt. Ich hatte keine Ahnung und trotz der Vorfreude meines Sohnes auf die Geburt seiner kleinen Schwester, hätte er sie nach zwei Wochen gerne wieder weggegeben. Als sie einen Monat alt war, haute er sie auf die Hand, weil sie nicht aufhörte zu weinen. Dieser Groll ist normal und geht mit der Zeit (in den meisten Fällen) weg.

Egal, wie weit deine Kinder auseinander sind: Es wird schwierig. Ich habe viele Mütter von dem perfekten Altersunterschied reden hören. Aber ich frage mich, ob es so etwas wirklich gibt. Als Beispiel: Mein Sohn ist fünf Jahre älter als meine Tochter und auch wenn das vielleicht leichter aussieht (und es vielleicht auch ist), mussten wir mit unserem zweiten Baby wieder komplett von vorne anfangen. Mein Sohn hat die meiste Zeit seines jungen Lebens immer brav durchgeschlafen, aber seit seine kleine Schwester da ist, wacht er auch nachts auf. Das ist sehr anstrengend für alle. Und das ist nur eine der vielen kleinen Herausforderungen.

Du bist nicht allein, egal wie schuldig du dich fühlst. Ich hatte solche Schuldgefühle als meine Tochter geboren wurde. Vielleicht waren es die Hormone, aber ich vermisste die Zeit, die ich nur mit meinem Sohn verbrachte. Ich fühlte mich schuldig, weil da so viele Arten waren, in denen ich mich neu anpassen musste. Und vor allem, weil ich das Gefühl hatte, zu versagen. Liebe Neumütter von einem weiteren Kind, ich hoffe, ihr fühlt euch nicht schuldig. Das solltet ihr nämlich nicht. Aber wenn ihr es tut, sollt ihr wissen, dass ihr nicht allein seid.

Nimm Hilfe an, wenn sie dir angeboten wird. Ich hatte das große Glück, Menschen um mich herum zu haben, die mir meinen Sohn mal für ein paar Stunden abnahmen, damit ich mich voll und ganz auf das neue Baby konzentrieren konnte. Meine Tochter weinte die ganze Zeit und obwohl ich echt eine Pause nötig hatte, hatte sie mein Sohn noch nötiger. Er konnte mit einem Freund spielen und ich konnte das Baby ein paar Stunden umhertragen und im Arm halten, wenn sie schlief, ohne mich zu fühlen als würde ich die Bedürfnisse meines anderen Kindes vernachlässigen.

Bewahre den Rhythmus deines ersten Kindes. Eine Freundin hat mir das geraten. Zuerst hörte ich nicht auf sie und wollte meinen Sohn bei mir und dem neuen Baby haben. Aber er brauchte seine Vorschulroutine. Nach etwa zwei Wochen habe ich ihn dann wieder in die Vorschule geschickt. Ich habe ihm gerade genug Zeit gegeben, um seine eigene Persönlichkeit neben dem Brudersein aufrecht zu erhalten.

Deine Beziehung zu deinem Partner wird sich noch einmal verändern. Mit der Anpassung an das Leben mit zwei Kindern war es für mich und meinen Mann schwieriger, uns einander nahe zu fühlen. Wir stritten mehr. Das erste Jahr als zweifache Eltern war hart für uns. Aber von dem, was ich so höre, ist das ganz normal. Wir mussten uns wirklich mehr Mühe geben, besonders nett zueinander zu sein. Wir haben das gemeinsam durchgestanden und fühlen uns jetzt viel stärker.

Vergleich dich nicht mit anderen Müttern. Ich habe Freundinnen, die drei, vier oder fünf Kinder haben. Als ich mich auf das Leben als zweifache Mutter einstellte, hatte ich ständig das Gefühl zu versagen, weil es bei den anderen so einfach aussah. Aber die Wahrheit ist: Sie haben alle auch schlechte Tage.

Versuche, dich nicht selbst zu vergessen. Wenn es geht, nimm dir eine Pause. Mach einen Spaziergang. Geh zu Target. Nimm ein Bad. Lies ein Buch. Es kann schnell passieren, dass du das Gefühl hast, unersetzbar zu sein. Aber du musst dir unbedingt Freiräume schaffen, wenn es irgendwie geht.

Zu guter Letzt: Genieß' die Zeit. Einige der besten Momente meines bisherigen Lebens habe ich in diesem letzten Jahr erlebt, als ich zugesehen habe, wie meine beiden Kinder ihre Liebe füreinander entdeckten. Wie ihre Augen leuchteten, wenn sie einander sahen, hat die ganzen Anstrengungen wettgemacht.

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Photo courtesy of Megan Photography

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.


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