Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Kamira Riis Headshot

Brief an meinen Vater - den Mann, der Donald Trump anstatt seiner Frau und Töchter wählt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FRAU ALLEINE
iStock
Drucken

Lieber Papa,

am 1. November dieses Jahres werde ich 30. Ich erinnere mich an den ersten Hund, den du mir gekauft hast, ein süßer Dalmatiner namens Cookie mit kleinen Flecken auf den Augen. Ich erinnere mich, wie ich dich mit fünf Jahren geschminkt und Lockenwickler in dein schütteres Haare gedreht habe, weil du alles mitgemacht hast, nur, um uns zum Lachen zu bringen.

Ich erinnere mich, als ich meinen ersten Freund mit nach Hause gebracht habe und du Witze darüber gemacht hast, dass du ein Gewehr kaufen würdest, um alle anderen Jungs zu verjagen.

Ich erinnere mich, dass du mir nach jeder Episode von "American Idol" gesagt hast, dass ich auch vorsprechen sollte. Dass das unsere Chance wäre, berühmt zu werden. Ich erinnere mich auch, dass ich es gerade so noch zur Wahl zwischen Bush und Kerry geschafft habe.

Mit 18 ware ich noch feige

Mit 18 war ich noch feige und meldete mich bei der Wahlregistrierung als unabhängig an - das habe ich bis heute noch nicht geändert, was viele meiner hardcore-demokratischen Freunde verachtenswert finden, wenn gerade Vorwahlen sind.

Vielleicht bin ich da ein wenig schusselig, weil ich es bisher jedes Jahr vergessen habe, meine Wahlregistrierung anzupassen und mir so die Vorwahlen erspare. Vielleicht ist das auch noch ein Überbleibsel von dem, was ich während meines ersten Jahres als Erwachsene als rebellisch empfunden habe.

Ich wusste damals weder viel über deine, noch über meine politischen Ansichten, aber ich wusste, dass meine anders sind. Ich dachte, ich gehöre zu den politisch unterrepräsentierten Minderheiten. "Ich bin Latina und ich bin eine unabhängige Frau", dachte ich.

"Steck mich nicht in die Demokraten-Schublade. Ich will lieber unabhängig sein." Ich erinnere mich, wie ich mir einen Tag frei genommen habe, um wählen zu gehen, und wie ich zu meinem Auto gegangen bin. Ich habe die Fenster heruntergekurbelt und die Klimaanlage angemacht, um die unerträglich heiße Luft zu verdrängen, bevor ich eingestiegen bin. In Florida ist die Sonne erbarmungslos.

Du hast deinen Kopf aus der Haustür herausgestreckt und mich ein bisschen länger angesehen als sonst und gesagt: "Wenn du für Kerry stimmst, brauchst du gar nicht mehr heimkommen." Ich habe verzweifelt nach einem Zwinkern, einem Lächeln in deinen Augen gesucht, das mir verraten würde, dass das nur ein Witz ist, den ein Vater seiner Tochter erzählt, um sie zu necken.

"In diesem Moment habe ich gewusst: Wir werden für immer getrennt sein."

Aber da war kein schelmisches Zwinkern in deinen Augen, deine Mundwinkel haben nicht gezuckt. In diesem Moment habe ich gewusst: Wir werden für immer getrennt sein.

Da wird für immer ein unüberwindbarer, politischer Graben zwischen uns sein, unsere Werte werden für immer verschieden sein. Ich habe für Kerry gestimmt. Und ich bin trotzdem heimgekommen. Und wir haben nie wieder darüber gesprochen.

Bis 2016 haben wir zwei weitere Wahlen überlebt. Wir haben keine Kriegswunden von unseren kleinen Kämpfen 2008 wegen Obamas Geburtsurkunde oder wegen meiner subtilen Kommentare über George Bushs Schwachsinn, der sich wie ein Virus innerhalb seiner Befürworter verbreitet hat.

Ich bin zusammengezuckt, aber habe nichts gesagt, als du Obama einen Kommunisten genannt und mit Hugo Chavez verglichen hast - dem Mann, der Venezuela, dein wunderschönes Heimatland, auf den Kopf gestellt hast. 2008 habe ich mein Nest verlassen, um in die, wie ich geglaubt habe, liberalste und freiste Stadt Amerikas zu ziehen.

Ich habe für Obama gestimmt, und obwohl sein Sieg dich in eine flüchtige Depressionen gestürzt hat, bist du mich an Weihnachten zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester besuchen gekommen. Im Gesicht hattest du dasselbe Lächeln wie 2006, als Bush immer noch auf dem Präsidentschaftssessel saß.

Wir haben zusammen gegessen, Geschenke ausgetauscht und ich habe gesagt, dass ich dich lieb habe, während ich die kühle Brise genossen habe, die nach einem sintflutartigem Regenguss herrscht.

Die Wahlen von 2012 waren ein Déja-vu. Wir haben uns wie zwei schusselige Bill Murrays verhalten, während wir versucht haben, es dieses Mal anders zu machen und wir trotzdem dasselbe Schicksal erleiden mussten.

Während ein Jahr lang täglich das Murmeltier grüßte, haben wir uns gegenseitig dieselben Seitenhiebe verpasst, uns gegenseitig dieselben beleidigenden Wahlvideos geschickt, du hast unter derselben flüchtigen Depression gelitten und im Dezember hast du mich wieder zu Weihnachten besucht und wir sagten uns unsere Ich-hab-dich-liebs. Wir schlossen unseren Frieden.

"Ich weiß, dass ich dich nicht umstimmen kann."

Liebster Papa. Ich schreibe dir diesen Brief nicht, um dich für die Wahlen 2016 umzustimmen. Ich schreibe dir nicht, um dich zu verunsichern, um dich davon zu überzeugen, dass Hillary Clinton die bessere Wahl sei.

Das ist nicht mein Ziel, weil ich weiß, dass das unmöglich ist - genauso unmöglich, wie du mich dazu bekommen würdest, für Donald Trump zu stimmen. Ich schreibe dir, um dich wissen zu lassen, dass du mit deiner Entscheidung mein Herz gebrochen hast. Nicht, weil ich eine arme Studentin bin, die ihren Doktor in einem Fach macht, das nicht gerade lukrativ ist.

Nicht, weil ich eine überteuerte Wohnung an der Upper East Side miete, die ich mir kaum leisten kann. Nicht, weil ich Angst habe, nicht zu dem einen Prozent der Latinos zu gehören, zu denen du gehörst: Immigranten ohne Hochschulbildung, die es dennoch geschafft haben, ein Multi-Millionen-Business aus dem Boden zu stampfen.

Bevor ich weiter diesen Brief an dich schreibe, möchte ich dir sagen, dass ich so wahnsinnig stolz auf dich bin. Ich bin so stolz, dass du Männer anstellst, die eine zweite Chance verdienen und die sonst nirgendwo eine Anstellung finden würden. Mir schwillt geradezu die Brust vor Stolz, wenn ich daran denke, wie viel Schweiß du vergossen hast, um Essen auf den Tisch zu bringen, um für ein Dach über unseren Köpfen zu sorgen.

Donald Trumps Frauenhass

Das Ganze ist aber nur ein Flimmern in der Dunkelheit: deiner Unterstützung Donald Trumps.
Siehst du, Papa, du scheinst vergessen zu haben, dass du zwei Töchter und eine Frau hast. Und es wirkt so, als würdest du deine Augen vor Donald Trumps aggressiven Frauenhass verschließen.

Donald Trump ist ein Mann, der Frauen, die er nicht mag, "fette Säue", "Schlampen", "Hunde" und "ekelhaftes Getier" nennt, weil er "keine Zeit für Political Correctness" hat. Donald Trump ist ein Mann, der im April getwittert hat, dass sexuelle Belästigung beim Militär nun mal zu erwarten ist, denn "Was haben diese Schlaumeier erwartet, als sie Männer und Frauen zusammensteckten?"

Warum sollte man erwarten, dass sich Frauen beim Militär sicher fühlen sollten, nicht wahr? Als Trump-Befürworter, der seinem Land in der U.S. Navy gedient hat, kannst du das sicher so unterschreiben, oder, Papa? Denn wenn ich mich dazu entschlossen hätte, in deine Fußstapfen zu treten und meinem Land zu dienen - naja, dann wäre sexuelle Belästigung halt inklusive.

Und Trump zufolge bin ich ja eh nichts weiter als ein nett anzusehendes Objekt. Wo wäre ich nur ohne meinen Sexappeal? Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, welchen zu haben?

Ich wäre ein Niemand

Trump zufolge wäre ich dann nirgendwo. Wenn Trump meine Tattoos sehen würde, meine durchschnittlichen Kurven, meine Puppensammlung, meinen Facebook-Chat, in dem ich Hillary preise - dann würde er mich mit all den Frauen, die er verachtet, in einen Topf schmeißen.

Wäre ich eine Bette Midler? Würde er mein "hässliches Gesicht und hässlichen Körper" genauso anstößig finden wie ihr Gesicht und ihren Körper? Möglicherweise liest du das alles und denkst, deine älteste Tochter ist zu sensibel. Zu weich. Dass sie sich nicht für ihren Körper schämen sollte. Das sind die Veränderungen, die Herr Trump mit sich bringt.

Du würdest vielleicht sagen, Donald Trump macht Frauen wieder stark, weil er sie dazu zwingt, sich eine Beleidigung nach der anderen anzuhören und auszuhalten. Du glaubst vielleicht, Papa, dass die Tatsache, dass deine Töchter mit einem Abstand von 15 Jahren beide wegen Essstörungen im Krankenhaus waren, nichts mit Unsicherheit zu tun hat oder mit mangelnder Kontrolle über das eigene Leben, verursacht durch unsere Genderrolle und den Druck, den eine junge Frau von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod zu erleiden hat. Nein. Das ist es nicht.

Das sind auch nicht die Gründe, warum Alicia Machado, die Schönheitskönigin von Venezuela, an einer Essstörung erkrankte, nicht wahr? Das ist nicht passiert, weil Donald Trump ihr und den Medien sagte, sie sei dick, eine "Miss Piggy". Dass sie eine Person sei, die "richtig, richtig gerne isst". Trump nach sogar eine Fressmaschine. Die Gründe sind keine äußerlichen. Das kommt alles von innen. Wir sind einfach nur viel zu sensibel, nicht wahr, Papa?

Und was ist mit dem Rest? Was ist mit Trumps kleinem Ausrutscher, dass er eine sexuelle Beziehung mit seiner Tochter eingehen würde? Ich stelle dir nun die Frage: Wie würdest du dich fühlen, wenn beim Weihnachtsessen dein Bruder aufstehen und über meine Schwester sagen würde: "Wenn ich nicht glücklich verheiratet wäre und, weißt schon, ihr Onkel... wenn ich nicht verheiratet wäre, wäre ich vielleicht mit ihr zusammen."

"Du bist ein guter Mann, Papa. Und deswegen verstehe ich dich nicht.

Wenn dein eigen Fleisch und Blut das über deine Tochter sagen würde, würdest du, ganz tief drinnen, ein Ziehen in der Magengrube verspüren. Ich kenne dich, Papa, und du würdest bis ans Ende der Welt gehen, um die Ehre deiner jüngsten Tochter zu beschützen, weil du ein guter Mann bist. Deswegen verstehe ich nicht, wie du so überzeugt von Donald Trump sein kannst.

Donald Trump ist ein Mann, der Frauen, deiner Frau und deinen beiden Mädchen, das Recht auf eine Krankenversicherung, die sie sich leisten können, verwehren würde. Nur weil du dir die Krankenversicherung für Mama und meine Schwester leisten kannst, nur weil Mama keine Verhütungsmittel mehr braucht und du dir wahrscheinlich für immer einreden wirst, dass meine Schwester selbst während ihres ersten Studiensemesters wohl keine brauchen wird, heißt das nicht, dass damit deine gesamte Familie abgedeckt ist.

Da bin immer noch ich, die sich mit 30 selbst versorgt. Die ihr eigenes Leben lebt. Ich habe mich mühsam hochgekämpft, ich war immer unabhängig und habe alles getan, um alleine überleben zu können. Und hier bin ich nun, mein Rücken gebeugt vom Patriarchat.

Ich bin so weit gekommen, wie eine Frau kommen kann, die nur 73 Prozent von dem Gehalt eines weißes Mannes verdient, obwohl sie dieselbe Anzahl an Stunden arbeitet, obwohl sie dieselbe Ausbildung hat. Warum also nicht einen Mann zum Präsidenten wählen, der mich zurückwirft? Schließlich ist es doch so viel einfach, den Berg herunterzurollen, als ihn zu erklimmen.

Sexismus und Ungleichheit

Du vernachlässigst nicht nur uns, Papa. Du wirft nicht nur uns in ein Feuer, dass von Sexismus und Ungleichheit genährt wird. Du vergisst auch deine pflegebedürftige Mutter. Als Donald Trump die Bühne betreten hat, hat er versprochen, dass es keine Kürzungen im Gesundheitssystem geben würde.

Aber vor ein paar Monaten segnete er das Vorhaben der Sprechers des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, Paul Ryan, ab, genau diese Kürzungen vorzunehmen. Wusstest du, dass ich Obama-Care nutze, Papa? Und dass ich jeden Tag ein lebensrettendes Medikament nehme, das ich mir sonst nicht leisten könnte?

Weißt du, was Abuela, deine Mutter, tun würde, wenn sie keine Krankenpflege mehr erhalten würde? Was sie tun würde wenn das Monster Donald Trump sie ihr wegnehmen würde? Ist sie denn nicht nur eine weitere Einwanderin, die das System ausnutzt, stiehlt, was eigentlich uns gehört? Aber warte. Donald Trump nach gehört nichts davon dir.

Ich muss dich fragen, Papa: Wirst du für uns alle sorgen? Wirst du uns ernähren, uns ankleiden, für all die Dinge zahlen, die wir zum Leben brauchen und die Donald Trump uns wegnehmen will? Oder wirst du uns vergessen, genauso wie Trump uns vergessen hat, und uns dabei zusehen, wie wir vor euren Augen ertrinken?

"Meine größte Angst ist es, dass du irgendwann Trumps Ansichten teilen wirst."

Meine größte Angst ist es, Papa, dass du, während du einen Mann unterstützt, der so nonchalant Frauen beleidigt, der glaubt, dass wir unter dem Mann stehen, dass wir die zweite Geige spielen, irgendwann dieselben Ansichten teilen wirst.

Weil Donald Trump uns unsere Rechte stiehlt. Wenn Trump Präsident wird, drängt er mich in eine Position, in der ich abhängig von dir werde. Ich werde zu einem Goldgräber, wie es alle Frauen in Trumps Augen sind. Aber warum sollte es so weit kommen, dass ich deine Hilfe brauche. Ich brauche keine Krankenversicherung, ich brauche keine Medikamente, nicht war? Weil ich das überhaupt nicht wert bin, richtig?

Nur so nebenbei: Ich hoffe, du hast Mama nicht den Zugang zu allen Finanzanlagen verwehrt, denn, so Trump, man kann ja nicht mal seiner eigenen Frau trauen. Und glücklicherweise hatten Mama und du niemals ein weiteres Kind, denn seinen Aussagen zufolge ist Schwangerschaft "eine Unannehmlichkeit für Arbeitnehmer", und Mama war damals schließlich bei der Polizei von Miami angestellt.

Was wäre gewesen, wenn ihre Schwangerschaft damals "unannehmbar" für die gesamte Abteilung gewesen wäre? Ist ja egal, denn, ähnlich wie Donald Trump, scheinst du zu vergessen, wie du damals gekämpft hast, wenn dich jemand herausgefordert hat.

Nach Trump kannst du deinen Freunden nicht trauen

Trump nach kannst du nicht mal deinen Immigranten-Freunden trauen. Wie fühlst du dich, wenn Donald Trump Einwanderer beschimpft? Wenn er die hispanischen Mitbürger beleidigt? Wenn er behauptet, dass Mexikaner alle Vergewaltiger seien und dass du in der "Hölle" lebst, weil du in einer hispanischen Gemeinde und damit nicht dem sichersten Teil von Florida lebst?

Fühlst du dich angegriffen, weil du stolz darauf bist, venezolanische und kubanische Vorfahren zu haben? Und hast du einen Stich im Herzen wegen deiner afroamerikanischen Angestellten gespürt, als Donald Trump sagte, dass Black Lives Matter eine Terrororganisation sei? Immerhin kannst du deine ethnischen Mitarbeiter ja einfach durch Weiße ersetzen, richtig? Weil sie dich bestimmt genauso respektieren werden, wie Donald Trump dich und die anderen Einwanderer respektiert, nicht wahr?

Es macht mich traurig, dass du nur das Geld priorisierst, dass deine Firma wert ist sowie dein Gehalt, dass dich zu dem einen Prozent macht. Donald Trump ist übrigens berüchtigt dafür, kleinere Unternehmen zu betrügen, egal ob du das nun akzeptierst oder nicht.

Aber ich glaube, das ist dir egal, nun wo du Millionen Dollar schwer bist. Ist es nicht schön, dahin zurückzublicken, wo du hergekommen bist, als du dich mit so vielen erfolglosen Unternehmen durchgekämpft hast - und nun zu vergessen, wie schwer das war? Für dich und für uns? Ja. Vergessen muss so schön sein. Du hast es geschafft! Vergiss die, die in deine Fußstapfen treten wollen! Ich hoffe, du kannst nachts noch ruhig schlafen.

Ich frage mich, Papa, was ist mit meinen iranischen Schwiegereltern?"

Eine weitere Frage, die ich dir stellen muss, Papa (ich hoffe, du verzeihst, dass ich nachbohre - Frauen sollten ja nicht so viel einfordern, oder?). Was ist mit meinen iranischen Schwiegereltern? Ich muss davon ausgehen, dass du sie wahrscheinlich für Terroristen hältst.

Ich muss davon ausgehen, du hast Angst vor ihnen, genauso wie Donald Trump, genauso wie er uns dazu anhält, Angst vor ihnen zu haben. Hoffst du heimlich, dass wenn sie nach Teheran fliegen, um ihre Familie zu besuchen, sie einfach nicht mehr ins Land zurückgelassen werden? Ich meine, was ist, wenn sie die paar schlechten Smarties in der Süßigkeitenschüssel sind, vor denen Trump uns gewarnt hat? Das Risiko ist es doch nicht wert.

Liebster Papa. Während der letzten drei Jahrzehnte hatten wir unsere Höhen und Tiefen. Ich will glauben, dass die guten Zeiten die schlechten stets übertroffen haben. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich in deiner Schuld stehe für alles, was du uns gegeben hast, dafür, dass du mich zu der starken Frau gemacht hast, die ich heute bin.

Selbst wenn ich den Großteil der Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben, dafür aufwenden musste, die verletzenden und unnötigen verbalen Attacken abzuwehren, die du mir entgegengeworfen hast, wenn wir nicht einer Meinung waren. Donald Trump nicht unähnlich übrigens.

Was passiert, wenn Trump gewinnt

Mit deiner und Mamas Liebe bin ich zu einer Person geworden, auf die ich stolz sein kann, Teil einer Minderheit, die etwas erreicht und eine Ausbildung genossen hat und damit ein Vorzeigebild ihrer ist. Aber wenn Donald Trump die Wahlen im November 2016 gewinnt, ist es nicht er, der mir alles wegnimmt, für das ich so hart gekämpft habe. Du wirst es sein.

Du bist der kaltblütiger Mörder aller Rechte, für die Frauen gekämpft haben, seitdem wir uns erinnern können. Du wirst es sein, der Millionen junger Frauen des Respekts beraubt, den sie der verdienen; der Zukunft, die sie verdienen; und des Gefühls der Sicherheit, das wir jetzt ansatzweise verspüren.

Du wirst es sein und nur du, der seinen Töchtern einen kaum schaffbaren und steinigen Aufstieg schenken wird, eine düstere Zukunft, in der sie an der Schuhsohle irgendeines Mannes kleben werden. Und du wirst das Band trennen, das uns so lange verbunden hat.

Ich muss dir diese Frage stellen, Papa, denn es wirklich die einzige, auf die ich eine Antwort möchte: Ist dir wirklich die Person, die offensichtlich alles verachtet, was du bist und was du erreicht hast, wichtiger, als deine eigenen Töchter?

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Mit 14 habe ich dich einmal so wütend gemacht, dass du gesagt hast, du würdest mich hassen. Während meiner wilden Teeanger-Zeit war ich vielleicht unausstehlich. Ich habe keine Sekunde lang geglaubt, dass du das ernst meintest, denn deine Umarmung, die dann folgte, hat mir deine Schuldgefühle bewiesen und den Schmerz beseitigt.

Dieser Moment ließ mich seitdem nicht mehr los. Seitdem ich allerdings weiß, dass du für Trump stimmen wirst, muss ich nun davon ausgehen, dass das, was du vor einer halben Ewigkeit gesagt hast, doch stimmen muss.

"Möglicherweise hasst du mich nicht komplett. Vielleicht meinst du es gar nicht persönlich."

Vielleicht hast du etwas gegen Frauen allgemein. An diesen Gedanken klammere ich mich wie an einen Strohhalm, wenn ich verzweifelt bin. Aber deine jetzige Haltung spricht deutlicher, als eine 16 Jahre alte Umarmung.

Es bricht mir das Herz, dass du ein rassistisches, sexistisches Monster gegenüber allen Frauen in deinem Leben bevorzugst. Wenn Donald Trump die Wahl gewinnt, dann stimmt es vielleicht, was du mir vor so vielen Jahren mit Blick in meine Augen gesagt hast.

Und ich muss einfach nur grinsen und es ertragen, nicht wahr, Papa? Ich danke dir, dass du mir das Leben geschenkt hast - aber bitte schenke mir und jeder Frau nicht den sexistischsten Kandidaten, den die westliche Welt jemals gesehen hat.

Vielleicht wird nach der Wahl dieses Jahr beim wahrscheinlich furchtbarsten Weihnachtsessen aller Zeiten Schweigen herrschen, Papa.

In Liebe,
deine älteste und anscheinend vergessene Tochter

Dieser Beitrag erschien zuerst auf medium.com und wurde aus dem Englischen von Agatha Kremplewski übersetzt.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.