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Venezuela ist gar nicht so weit von Deutschland entfernt!

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Caracas und Berlin trennen Welten. Genauer gesagt liegen zwischen der venezolanischen und der deutschen Hauptstadt 8.340 Kilometer. Oder 14 Flugstunden. Doch nicht nur im geographischen Sinne, sondern auch in den relevanten Maßstäben der Politik, Gesellschaft und Ökonomie sind Venezuela und Deutschland Welten voneinander entfernt.

Obwohl eines der größten Erdölproduzenten überhaupt entwickelte sich Venezuela zum Problemkind Südamerikas. Armut, Hunger und medizinische Versorgungslücken bestimmen den Alltag des 30 Millionen Einwohner starken Landes. Nach 18 Jahren der bolivarischen Revolution ist Venezuela in der Armut angekommen.

Venezuelas negative Entwicklung

Zustände, die einen Großteil der Bevölkerung auf die Straße bringen. So auch am Nationalfeiertag diesen April, als sich unter dem Motto „Mutter aller Demonstrationen" mehrere hunderttausend Venezolaner versammelten um ein Zeichen gegen das sozialistische Regime zu setzen.

Es gab Tote, viele Verletzte. Das Leid ist groß. Der von Hugo Chávez initiierte „Sozialismus des 21. Jahrhunderts" hat, wie so viele totalitäre Regime zuvor, das Paradies auf Erden versprochen und doch der Bevölkerung jegliche Freiheiten und allen Wohlstand genommen. Und dennoch ist das Land und mit ihr die Opposition gespalten.

Chávez' Nachfolger Maduro will die Revolution weiterführen. Sich und seine Kumpanen weiterhin selbst bereichern. Doch ohne den Charme eines Chávez ist es Maduro nicht gewollt die Bande der Revolution fortzuführen. Da hilft es auch nicht, dass der weltweite Ölpreisverfall die ökonomische Situation zudem verschärfte.

Das Volk begehrt auf

Den Armen und Ureinwohnern eine Stimme zu geben war eine von Chávez gute, eine notwendige Idee. Die totalitäre Ausführung führte jedoch frei nach dem österreichischen Ökonom Friedrich August von Hayek auf den Weg in die Knechtschaft.

Das Volk versucht sich nun von den Fesseln des sozialistischen Weges zu befreien. Es geht auf die Barrikaden wie einst die Polen, Ungarn oder Tschechen im vergangenen Jahrhundert. Die venezolanische Opposition appellierte zudem an Papst Franziskus sich für ihre Anliegen einzusetzen wie es einst dessen heiliggesprochener Vorgänger aus Wadowice für die Volksaufstände hinter dem Eisernen Vorhang getan hatte.

Entwicklung wie in Mittel- und Osteuropa?

Es sind schon nahezu epochale Herausforderungen, die Venezuela zu meistern hat. Bei einer immer intensiveren Verdichtung von Zeit und Raum sind es Aufgaben, die selbst in weit entfernten Ländern und unbekanntesten Winkeln des Planeten von Relevanz sein können. Es sei hierbei nur an den Kurs des Erdölpreises erinnert.

Ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann einen Tornado in Texas auslösen. Ein Gebet in einer Leipziger Kirche kann zum Umsturz einer 40 Jahre bestehenden Diktatur führen.

Den friedlichen Demonstranten in Venezuela ist gleiches in ihrem Anliegen auf freie, faire und geheime Wahlen zu wünschen. Caracas scheint doch nicht so weit entfernt von Berlin. Denn das sozialistische Experiment ist in Venezuela ebenso gescheitert wie einst in Mittel- und Osteuropa.