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Schach mit Kühlschränken erobert Deutschland

07/02/2016 18:43 CET | Aktualisiert 07/02/2017 11:12 CET
Maureen Sullivan via Getty Images

Der Preis für eine Sitzplatzkarte beträgt zwischen 4.000 und 19.000 Euro. Alleine in den USA schalten 120 Millionen Zuschauer ihren Fernseher ein. Das weltweit größte Einzelsportereignis ist begehrt. Da ist es kaum verwunderlich, dass ein 30 Sekunden Werbespot 4,5 Millionen Euro kostet.

Es ist ein Event der Superlative, das am Sonntag-Abend sein 50. Jubiläum feiert: der Super Bowl - das Finale um die Meisterschaft im American Football.

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Boom in Deutschland

Für die Einen ist diese Sportart noch immer unerklärlich, wenn 150kg Kolosse aufeinander rasseln. Für eine steigende Anzahl ist es jedoch Faszination pur! American Football erfreut sich auch in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit.

Egal ob im Fritz-Walter-Stadion des 1.FC Kaiserslautern, der Münchner TonHalle oder im Deutsch-Amerikanischen-Institut in Tübingen: der Super Bowl wird bei zahlreichen (Groß-)Veranstaltungen gemeinsam zelebriert. Jedes Jahr werden mehr Partys organisiert. Die Besucherzahlen steigen rasant.

Neben diesem Event des Jahres ist die Relevanz der Alltagsarbeit der in Deutschland beheimateten Fanclubs nicht außer Acht zu lassen. Alleine die German Sea Hawkers, welche dem Super Bowl Teilnehmer des vergangenen und Gewinner des vorletzten Jahres aus Seattle die Daumen drücken, haben mehr als 270 Mitglieder in ihren Reihen.

Da verwundert es kaum, dass die reguläre Saison in der Bundesrepublik immer mehr Beachtung findet. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass ProSiebenSat.1 Media es gewagt hat, erstmals die komplette Spielzeit zu übertragen. Unter dem Motto #JedenVerdammtenSonntag werden zwei Spiele live gezeigt - zunächst auf dem Spartensender ProSieben Maxx, seit den Play-Offs hat sich Sat.1 hinzugeschalten.

Erfolgsrezept von ran Football

Man mische leidenschaftliche Kommentatoren mit Fachexperten, die fähig sind das komplexe Regelwerk verständlich zu erklären, und binde die Fangemeinde in den sozialen Medien aktiv mit ein, und schon ist das Erfolgsrezept von ran Football erklärt.

Die Belohnung für den Sender: Rekordeinschaltquoten. Exemplarisch seien hierbei die bis zu 1,19 Millionen Zuschauer beim Spiel der New England Patriots bei den Denver Broncos genannt. Zum Vergleich wird ein Topspiel der Bundesliga des Handball-Europameisters im Durchschnitt von „nur" bis zu 550.000 Fans geschaut.

Gekrönt wird der Erfolg der etwas anderen Sportsendung durch den zuschauernahen Einsatz der Deutschen in der NFL. Beispielsweise schreibt Markus Kuhn von den New York Giants eine wöchentliche Kolumne auf ran.de oder Kasim Edebali von den New Orleans Saints wird in der Countdown-Show zum Super Bowl zu sehen sein.

Sogar der europäische Fußball kann von American Football lernen

Doch im Vordergrund steht immer noch die Sportart. Und diese setzt sich von herkömmlichen deutschen Sportarten deutlich ab. In keinem anderen Sport wird „Kombination aus Technik, Taktik und Bewegung" so vereint wie im American Football, wie es Maximilian Länge von den German Sea Hawkers formuliert. Nicht umsonst wird American Football auch als Schach mit Kühlschränken bezeichnet.

Das amerikanische Fernsehen hat es mit einer stetigen technischen Weiterentwicklung geschafft immer spektakulärere Bilder in das heimische Wohnzimmer zu liefern. Doch neben dem genussvollen Aspekt haben sich hierdurch in den vergangenen Jahren auch strittige Schiedsrichter-Entscheidungen minimiert.

Alleine jeder Touchdown wird von Offiziellen nochmals begutachtet. Des Weiteren hat jede Mannschaft die zweimalige Möglichkeit eine strittige Entscheidung nochmals per Video betrachten zu lassen. Vor dem Hintergrund des Millionengeschäfts American Football eine sehr wertvolle Entwicklung, an der sich auch die Fußball-Bundesliga etwas abschauen könnte. Der FC Ingolstadt kann nach seinem Gastauftritt bei Borussia Dortmund ein Lied davon singen.

Spannung pur

Ein weiterer Aspekt ist die Unberechenbarkeit des American Football. Alleine in den vergangenen zehn Jahren gab es acht verschiedene Super Bowl Sieger! Die gleichmäßigere Verteilung der Fernsehgelder in der NFL im Vergleich zur Fußball-Bundesliga könnte ein Grund hierfür sein.

Und wer weiß, vielleicht kommt diese Spannung in Form zumindest eines Spiels bald nach Deutschland. Neben den jährlich drei Ligaspielen in London denkt die NFL über ein Gastspiel in der Bundesrepublik nach.

Wer American Football dennoch nichts abgewinnen kann, sei immerhin noch die Halbzeit-Show beim Super Bowl empfohlen. Keine geringeren als Coldplay und Beyoncé werden für musikalische Unterhaltung sorgen.

Das Spiel mit dem Ei ist eine große Show. Auf wie neben dem Platz. Zurücklehnen. Entspannen. Genießen. Mitfiebern. An jedem verdammten Sonntag!

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