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Offener Brief an Lisa Paus: Die 24-Stunden-Kita hat nichts mit Rabeneltern zu tun

03/07/2015 18:03 CEST | Aktualisiert 03/07/2016 11:12 CEST
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Liebe Lisa Paus,

ich habe deinen Beitrag „Keiner will die 24-Stunden-Kita" gelesen und möchte deine Ausführungen nicht unbeantwortet lassen. Insbesondere möchte ich Einiges richtig stellen, das mir missverstanden erscheint und deutlich machen wo ich Befremden über deine Aussagen empfinde.

Aber fangen wir zunächst mit den Gemeinsamkeiten an: Wir sind uns einig, dass berufstätige Alleinerziehende und Familien angemessene Betreuungszeiten für ihre Kinder benötigen. Wir gehen auch d' accord, dass wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern müssen.

Das vorhandene Kita-Personal muss der Verantwortung und Belastung entsprechend besser bezahlt werden. Und es gibt einen erheblichen Bedarf an zusätzlichen Erzieherinnen und Erziehern, die eine bessere individuelle Förderung der Kleinsten sicherstellen sollen.

Unsere frühkindlichen Bildungseinrichtungen dürfen zu keiner Zeit unsere Kinder nur aufbewahren. Auch benötigen wir mehr Personal und kleinere Gruppen, damit jedes Kind individuell gefördert werden kann. Wir wollen, dass Eltern ihre Kinder mit einem guten Gefühl in die Kita schicken.

Und für die Eltern wollen wir das Angebot in Art und Umfang, unter anderem durch den zusätzlichen Ausbau und flexible Betreuungszeiten lebenspraktischer machen. Wir sind uns in vielen Punkten also durchaus einig.

Betreuungsangebote müssen an die Arbeitswelt angepasst werden

Die Berliner CDU hat sich intensiv mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandergesetzt. Die heutigen Erfordernisse der Arbeitswelt sind anders als vor 20 Jahren. Aber nicht nur die Arbeitszeiten sondern auch die Lebensplanung vieler junger Mütter und Väter hat sich in den letzten Jahren verändert.

Darauf muss die Politik reagieren und familienfreundliche Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört auch, dass die Betreuungsangebote angepasst und gerade für Alleinerziehende und Vollberufstätige lebenspraktischer gestaltet werden.

Dabei stellt die Kinderbetreuung über die üblichen Kernarbeitszeiten hinaus eine besondere Herausforderung dar. Auch Berufstätige im Schichtbetrieb oder in bestimmten Branchen wie Gastronomie, Krankenpflege oder Verkauf brauchen flexible Betreuungsangebote für ihre Kinder. Deshalb spricht sich die Berliner CDU für eine Erweiterung des Betreuungsangebots in den Morgen- und Abendstunden, sowie bedarfsgerecht auch nachts aus.

Es geht um die Betreuung zu anderen Uhrzeiten

Die zuständige Senatsverwaltung soll prüfen, wie die bessere Vereinbarkeit von Kind und Beruf durch die Einrichtung einer 24-Stunden-Kita erreicht werden kann. Nach Möglichkeit soll in jedem Berliner Bezirk eine solche Kita eingerichtet werden, in der die qualitative Betreuung auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten angeboten wird.

Bei der 24-Stunden-Kita geht es nicht um eine Ganztagsbetreuung für die Kinder, sondern um eine Betreuung zu anderen Zeiten. Dafür habe ich sehr viel Zuspruch sowohl von Eltern und Elterninitiativen erhalten. Ebenso haben sich viele Interessenten gemeldet, die gerne eine solche 24-Stunden-Kita gründen wollen.

Ich finde es daher befremdlich, dass du das Modell ‚24-Stunden-Kita' negierst und den Bedarf dafür absprichst. Es handelt sich nicht um ein Randphänomen, sondern um Randzeitenproblem. Das Modellprojekt in Schwerin, das sich ausschließlich an im Schichtdienst arbeitende Eltern richtet, ist seit Gründung vollkommen ausgebucht.

Das hat nichts mit Rabeneltern zu tun

Die vermeintliche Hemmschwelle von der du sprichst, das eigene Kind zur Schlafenzeit abzugeben, scheint also nicht fast unüberwindlich. Es spricht für die Eltern offenbar Vieles dafür, die eigenen Kinder pädagogisch und qualitativ gut betreut zu wissen.

Ich finde es äußerst unglücklich, dass du gerade hier einen Zusammenhang zwischen Schichtdienstarbeitenden und Rabeneltern herstellst. Das macht es arbeitenden den Vätern - aber leider häufiger noch den Müttern ungleich schwerer, aus dem gesellschaftlichen Rechtfertigungsdruck herauszukommen.

Ich würde mir wünschen, dass wir endlich von der Diskussion zur besseren Vereinbarkeit hin zu einer Selbstverständlichkeit von Familie und Beruf gelangen.

Hier gibt es noch viel Luft nach oben. Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.


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