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"Stille Helden": Ohne diese Menschen würde unsere Gesellschaft restlos auseinanderbrechen

11/06/2017 12:54 CEST | Aktualisiert 11/06/2017 12:54 CEST
Kai Pfaffenbach / Reuters

Wer oft mit Menschen spricht, die sich ehrenamtlich engagieren oder Freiwilligenarbeit leisten, der kann immer wieder hören: "Ich mache doch gar nichts Besonderes" oder "ich tue doch nichts Großartiges" oder "das ist doch selbstverständlich". Und er wird merken, dass die ehrenamtlich Tätigen es nicht für so wichtig halten, über ihr Tun zu reden - sie handeln lieber.

Ehrenamtliche, wie die Lebensretter bei der DLRG, geben dem bürgerschaftlichem Engagement ein Gesicht. Sie zeigen ganz konkret, was Einzelnen möglich ist und wie viel Einzelne erreichen können.

Handeln, nicht reden

Sie stehen stellvertretend für viele Millionen Menschen in Deutschland, die in aller Stille wirken, unspektakulär, mit großer Selbstverständlichkeit und ohne laut darüber zu reden.

Sie handeln einfach, sie bringen sich ein - ihre Zeit, ihre Kraft, ihr Wissen, ihre Erfahrungen, ihre Talente. Das ist nicht nur mit viel Arbeit verbunden, sondern auch mit Verzicht auf Freizeit und Privatleben.

Die Geschichten von Bürgerinnen und Bürgern aus unserer Mitte, von Menschen wie du und ich, können ein Ansporn sein für andere, auch aktiv zu werden.

Denn freiwillig Tätige werden stets gebraucht. Auch deshalb ist es mir wichtig, in diesem Artikel die Tätigkeit von Menschen ins Scheinwerferlicht zu rücken, die von ihrem Wirken nicht viel Aufheben machen.

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Wir sollten viel öfter den Blick auf Bürgerinnen und Bürger lenken, die einfach etwas tun, ohne, wie heute vielfach üblich oder nötig, dafür die Werbetrommel zu rühren und ohne irgendwelche Vorteile daraus zu ziehen.

Und wenn wir uns einmal kurz vorstellen, wie unsere Gesellschaft ohne ehrenamtlich Tätige im sozialen und politischen Bereich sowie im Vereinswesen aussähe, dann wird sogleich klar, wie wichtig diese Freiwilligenarbeit ist.

Hierzu lade ich Sie zu folgendem Gedankenexperiment ein: Stellen Sie sich bitte einmal vor, wie ungemütlich unsere Gesellschaft ohne das Ehrenamt aussähe. Denn nahezu jeder Bereich ist von freiwilligem Tun geprägt. Ehrenamtliches Engagement ist unglaublich vielfältig.

Jeder hilft auf seine Weise

Ob Nachbarschaft, Vereine, Rettungswesen oder Jugendarbeit und soziale Dienste, ob Kirchengemeinden, Politik, Sport, Kultur oder Umwelt - unser Gemeinwesen lebt von den Bürgerinnen und Bürgern, die sich einbringen, die mitmachen, die zupacken, lebt von den Bürgerinnen und Bürgern, die zur Gestaltung des Gemeinwohls ihren persönlichen Beitrag leisten, jeder auf seine Weise, gemäß seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Sei es Kranke zu besuchen oder Migrantenkindern Nachhilfe zu geben, sei es die Jugendmannschaft zu trainieren oder mit der Freiwilligen Feuerwehr als Erste am Brand- beziehungsweise Unfallort zu sein.

Wenn wir uns also die ganze Palette der Freiwilligenarbeit vor Augen führen, wird deutlich, dass die Bedeutung des Ehrenamts gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

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Unsere ganze Gesellschaft kann nur so funktionieren, wie sie funktioniert, weil es ehrenamtlich Tätige in großer Zahl gibt. Ganz gleich, wo sie sich engagieren - die ehrenamtlich Tätigen beweisen Solidarität und Gemeinsinn und führen damit ein Stück gelebte Demokratie vor Augen.

Bürgerschaftliches Engagement fordert den Aktiven oftmals einiges ab, an Zeit oder auch an Kraft. Aber es gibt auch viel - das sagen mir alle, die aktiv geworden sind. Es ist ein schönes Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben oder zu spüren, dass man gebraucht wird.

Es ist bereichernd, neue Erfahrungen zu sammeln und Menschen kennen zu lernen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte. Es macht Spaß, Erfolg zu haben und etwas für und mit anderen zu erreichen. Bürgerschaftliches Engagement ist, einfach gesagt, für alle ein Gewinn, und engagieren kann sich eigentlich jeder.

Mehr als nur schöne Worte

Angesichts der großen Bedeutung, die dem Ehrenamt zukommt, haben freiwillig Tätige selbstverständlich ein Recht auf Unterstützung ihres Tuns, auf eine Unterstützung, die über schöne Worte hinausreicht.

Deshalb habe ich mich im Bundestag sehr dafür eingesetzt, das Ehrenamt zu stärken und engagierte Bürger in ihrem Einsatz zu unterstützen. So ist es uns bereits vor einigen Jahren gelungen, über eine Anhebung der Übungsleiter‑ und der Ehrenamtspauschale viele Ehrenamtliche steuerlich zu entlasten.

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Deutschland verdankt dem Ehrenamt viel. Deshalb ist die Suche nach weiteren Wegen der Besserstellung auch eine Daueraufgabe für die politisch Verantwortlichen.

Wir müssen Freiwilligenarbeit weiter aufwerten, denn sie stellt nicht nur einen wichtigen Bestandteil der individuellen Lebensplanung dar, sondern ist schlicht konstitutiv für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Ein Gemeinwesen lebt davon, dass sich seine Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohl engagieren. Eine Gesellschaft braucht das Miteinander; Menschen, die sich für andere oder das Gemeinwohl einsetzen, machen sie heller und freundlicher.

Bürgerinnen und Bürger, die anderen zur Seite stehen und über ihren Tellerrand hinausblicken, geben unserem Land sein menschliches Antlitz. Mein Dank gilt den Millionen stillen Helden in unserem Land.

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