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Ghettoisierung: Wir dürfen keine Pariser Verhältnisse in unseren Städten zulassen

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GHETTOS GERMANY
ullstein bild via Getty Images
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Deutschlands Städte sind mehr als eine Aneinanderreihung von Häusern, Straßen und Plätzen. Sie sind Sehnsuchtsorte für viele Menschen und faszinieren durch ihre wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten. 

Bereits jetzt leben drei von vier Menschen in Deutschland in einer Stadt, und es werden täglich mehr.

Ghettos in Deutschland

Doch dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, konzentrieren sich auch die Probleme wie unter einem Brennglas. In vielen deutschen Städten gibt es Gegenden mit sozialem Sprengstoff. 

Diese benachteiligten Stadtviertel haben häufig ein heruntergekommenes Erscheinungsbild, unter den Bewohnern gibt es viele Menschen in prekären Verhältnissen, es gibt kulturell-religiöse Konflikte, die Kriminalitätsrate ist hoch.

Wer es sich leisten kann, zieht weg. Da die Mieten niedrig sind, rücken weitere sozial Schwache nach und die Probleme verschärfen sich.
 
Wir müssen darauf reagieren, dass es teilweise Stadtteile gibt, die sich in einer Abwärtsspirale befinden, die zu kippen drohen oder gar schon gekippt sind. Wir dürfen es nicht dazu kommen lassen, dass in Deutschland regelrechte No-Go-Areas wie in Paris oder Brüssel entstehen.

Es mangelt an staatlicher Fürsorge, Hilfe und Unterstützung

Deshalb muss die Politik massiv gegensteuern, um ein soziales Auseinanderbrechen in den Städten zu verhindern. Wir müssen der Ghettobildung den Kampf ansagen. Abgeschottete Teilgesellschaften sind kein Ausdruck von Offenheit und Toleranz, sondern von Ignoranz.
 
Die Politik ist in der Pflicht, Fürsorge, Hilfe und Unterstützung bereitzustellen. Deshalb müssen wir die Fördergelder für benachteiligte Stadtviertel und soziale Brennpunkte deutlich aufstocken und Unterstützungsprogramme ausweiten.

Wir benötigen mehr Sozialarbeiter, die Menschen in prekären Lebensphasen wieder auf den richtigen Weg bringen und Unterstützung in schwierigen Situationen bieten. 

Wir müssen junge Menschen von der Straße holen

Das Ziel muss dabei immer Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wir dürfen keine Generation von Betreuten heranziehen, die ein Leben lang auf Unterstützung angewiesen ist.

Vielmehr sollten wir die Betroffenen zielgerichtet in die Lage versetzen, ihr Leben wieder selbstbestimmt und verantwortlich leben zu können.
 
Gerade auch die jungen Menschen müssen wir erreichen. Jugendliche brauchen sozialintegrative Angebote, damit sie in Schule und Ausbildung erfolgreich sind, damit sie ihre Zeit sinnvoll nutzen und neue Perspektiven entwickeln. 

Mehr zum Thema: Prügelnde Kinder, respektlose Väter, Deutsch spricht kaum einer: Der Hilfeschrei einer Erzieherin

Junge Menschen sollen etwas Sinnvolles mit ihrer freien Zeit machen. Wir müssen sie im wahrsten Sinne des Wortes von den Straßen holen. Sie sollen Sport treiben statt aus Langeweile auf dumme Gedanken zu kommen.
 
Auch bauliche Maßnahmen helfen, Problemkieze aufzuwerten. Fassadenbegrünungen, das Aufstellen von Parkbänken, liebevoll gestaltete Spielplätze, bessere Beleuchtung und das Anlegen von Sichtachsen: Durch solche und weitere Wohnumfeldverbesserungen werden Orte mit Aufenthaltsqualität geschaffen, die zum Verweilen einladen und Begegnungen ermöglichen.

Wenn die soziale Interaktion zwischen den Menschen gestärkt wird, können Werte wie Gemeinschaftsgefühl wieder erlernt und ausgeübt werden, die viel zumZusammenhalt und zu einem guten Miteinander in den Vierteln beitragen. Licht und Sauberkeit steigern zudem das Sicherheitsgefühl der Menschen.

Sicherheit, Sauberkeit und Rechtstreue

Die Bewohner in benachteiligten Quartieren brauchen Begegnungsorte. Sie benötigen in ihrer Umgebung aber auch Arbeitsplätze, gute Einkaufsmöglichkeiten für die Dinge des täglichen Bedarfs, kulturelle Angebote und eine gute Verkehrsanbindung. 

Wir brauchen eine Nutzungsmischung aus Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Freizeit direkt in den Quartieren. Das belebt die Kieze und erhöht die Lebensqualität. 

In der langfristig-strategischen Ausrichtung der Stadtentwicklungspolitik müssen wir deshalb ein noch größeres Augenmerk auf Nutzungsvielfalt und eine Stadt der kurzen Wege legen.
 
Damit Stadtviertel lebenswert sind, brauchen sie ein sicheres Fundament. Sicherheit, Sauberkeit und Rechtstreue lauten die Schlüsselwörter, und diesen Werten muss Geltung verschafft werden. Um in sozialen Brennpunkten wieder zu wohlgeordneten Verhältnissen zu kommen, muss buchstäblich Ordnung einziehen. 
 
Eine verwahrloste Umgebung kann auch zu Verwahrlosungen in den Köpfen führen. Eine heruntergekommene Umgebung verleitet die Bewohner, wesentlich häufiger soziale Normen zu brechen als dies in einer gepflegten Gegend vorkommt.

ind die Hauswände beschmiert und liegt überall Müll herum, sinkt die Hemmschwelle, den eigenen Abfall einfach dazu zu werfen.

Manche trauen sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr raus

Auch Fälle von Kleinkriminalität nehmen in verwahrlosten Nachbarschaften zu. Politischer und religiöser Extremismus findet sich eher in den heruntergekommenen Vierteln unserer Städte.

Wo Müll, Scherben und Schmierereien allgegenwärtig sind, wo die Sitten verrohen, wo Alltagskriminalität offen zu Tage tritt, wo Banden und Clans gern den Ton angeben wollen, trauen sich die Menschen spätestens nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße. 

Manche besonders verwahrloste und kriminalitätsbelastete Orte werden auch tagsüber nur mit einem mulmigen Gefühl aufgesucht und nach Möglichkeit gemieden. 

Wenn sich aber die gesetzestreuen Bürger aus der Öffentlichkeit zurückziehen, sinkt die soziale Kontrolle, und damit sinkt auch die Hemmschwelle, das Gesetz zu übertreten.
 
Wir müssen diesen Teufelskreis durchbrechen und die betroffenen öffentlichen Plätze für die große Mehrheit der ganz normalen Menschen in den benachteiligten Stadtvierteln zurückerobern. 

Dafür benötigen wir einen verstärkten und konsequenten Einsatz der Polizei- und der Ordnungskräfte. Auch die Justiz muss durch schnelle und harte Strafen ihren Beitrag leisten. 

Notwendig ist eine Null-Toleranz-Strategie, bei der auch vermeintlich kleine Ordnungsdelikte konsequent verfolgt werden. Auch Videokameras können dabei helfen, dass das Recht auch tatsächlich durchgesetzt wird.

Der Ansatz von Multikulti ist gescheitert

Die Bürger sollen einen neuen Stolz auf ihre Quartiere entwickeln, sollen sich an sauberen Wegen, gepflegten Fassaden und gepflegten Grünanlagen erfreuen.

Sie sollen aber auch ein Verantwortungsgefühl dafür entwickeln, dass der gute Zustand der Infrastruktur erhalten bleibt. Sie sollen den öffentlichen Raum als einen gemeinsamen Wert begreifen, den es zu hegen und zu pflegen gilt.
 
Wer eine Ghettoisierung in Deutschland ernsthaft verhindern will, muss sich zudem endlich von linken Lebenslügen verabschieden. Der Ansatz von Multikulti ist krachend gescheitert. 

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Wenn jeder seins macht, lebt man bestenfalls nebeneinander, schlimmstenfalls gegeneinander. Wir wollen aber, dass die Menschen miteinander leben. Dafür braucht es eine gemeinsame Basis - unsere Leitkultur die für alle gilt.
 
Dabei kommt der gemeinsamen Sprache eine Schlüsselposition zu. Niemand soll seine Wurzeln verleugnen, aber es ist problematisch, wenn in manchen Stadtvierteln türkisch die Umgangssprache ist oder arabische Schriftzeichen das Straßenbild prägen. 

Auch wer sich durch seine Kleidung, seine Gesinnung und sein Verhalten weithin sichtbar von unserer Mehrheitsgesellschaft abgrenzt, schadet der Integration.

Der Staat muss hier Angebote machen. Wir müssen aber auch Anstrengungen einfordern. Wer diese Angebote nicht annimmt, muss auch Sanktionen spüren.
 
Wir dürfen keine Pariser Verhältnisse in unseren Städten zulassen. Es ist alle Anstrengungen wert, der Ghettoisierung mancher Quartiere den Kampf anzusagen, denn auch in den Kiezen entscheidet sich die Zukunft Deutschlands.

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