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KMU-Forschungsdefizit gezielt angehen

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INDUSTRY 40
Andreas Brandt via Getty Images
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Deutschland ist als rohstoffarmes Land mit einem relativ hohen Lohnniveau in besonderer Weise auf das Wissen und die Kreativität seiner Bevölkerung und seiner Unternehmen angewiesen.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns hierzulande deutlich ambitioniertere Ziele bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung setzten. Nur so können wir uns Spitzenreitern wie Schweden und Korea annähern und unseren Wohlstand dauerhaft sichern.

Achillesferse Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU)

Unser Ziel muss es sein, 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu investieren. Dazu müssen alle staatlichen Ebenen und natürlich an erster Stelle die Unternehmen beitragen.

Eine Achillesferse für das Erreichen dieses Zieles sind ausgerechnet die Kleinen und Mittleren Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden. Ihre Forschungsinvestitionen sind bezogen auf ihren Umsatz sogar erheblich gesunken.

Industrie 4.0 nicht verschlafen

Besonders die KMU tun sich mit den immer kürzeren Innovationszyklen schwer. Ein Beispiel sind die gewaltigen Umwälzungen durch die Digitalisierung. Gerade hier liegen die Wachstumsmöglichkeiten der Zukunft, die Deutschland nicht verschlafen darf:

Bis zum Jahr 2025 sollen durch „Industrie 4.0" laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation Produktivitätssteigerungen bis zu 78 Milliarden Euro in sechs volkswirtschaftlich wichtigen Branchen entstehen. Dies kann und wird ohne innovative KMU nicht erreicht werden.

Projektförderung allein reicht nicht

Die bisherige projektorientierte Forschungsförderung in Deutschland geht an den allermeisten KMU vorbei. Über 60 Prozent der kontinuierlich forschenden kleinen und mittleren Unternehmen werden nach Zahlen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) derzeit von der öffentlichen Förderung nicht erreicht.

Auch die Konzentration der Projektförderung auf bestimmte Technologiefelder schließt viele KMU von vornherein aus. Der hohe bürokratische Aufwand wirkt abschreckend, Information und Beratung kommen oft nicht an. Hier liegen wichtige Innovationspotentiale, die wir heben müssen!

Mehr Wettbewerbsfähigkeit durch Forschungsbonus

Deutschland ist neben Estland das letzte EU-Land ohne steuerliche Forschungsförderung. Eine effektive Möglichkeit zur Stärkung der KMU-Forschungsleistung wäre die Einführung eines Forschungsbonus, wie ich ihn mit der grünen Bundestagsfraktion in einem Gesetzentwurf vorgeschlagen habe.

Er setzt Anreize, neue Produkte und Verfahren zu entwickeln und Zukunftsbereiche zu erschließen. Nur wenn dies in der Breite unserer Wirtschaft gelingt, kann Deutschlands Innovationsdynamik zur internationalen Spitzengruppe aufschließen.

Neue Ideen unbürokratisch fördern

Anders als bei mehrstufigen Projekt-Antragsverfahren werden mit dem grünen Forschungsbonus neue Ideen einfach und unbürokratisch gefördert. Der Bonus soll 15 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben beantragen.

Er wird als Steuerermäßigung gewährt und senkt entweder die zu zahlende Unternehmenssteuer oder wird ausgezahlt, wenn er diese übersteigt. Das ist ein wichtiger Anreiz für innovative Startups, die anfangs noch keine Gewinne machen und deshalb keine Steuern zahlen. Grundsätzlich bekommen alle eigenständigen KMU bis 250 Mitarbeiter den F&E-Bonus.

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Der Forschungsbonus kommt zur bestehenden staatlichen Innovationsförderung hinzu und beseitigt Wettbewerbsnachteile. Wir haben dazu als erste und einzige Fraktion eine parlamentarische Initiative eingebracht. Bei einer öffentlichen Anhörung im Bundestag wurde sie von den Sachverständigen fast ausnahmslos unterstützt.

Große Koalition blockiert sich

Jetzt ist die Große Koalition gefordert, ihren Lippenbekenntnissen für mehr Forschungsförderung Taten folgen zu lassen und unsere Ideen aufzugreifen.

Die SPD hat sich für ihre Öffentlichkeitsarbeit den Namen „Forschungsbonus" aus unserem Gesetzentwurf „geliehen", allerdings ohne Einigung mit der Union auf einen gemeinsamen Vorschlag. Wenn es gelingen würde, diesen Stillstand spätestens nach der Bundestagswahl zu beenden wäre für die Innovationsfähigkeit Deutschlands einiges getan!

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