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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Das Wunder von Berlin

23/11/2015 17:16 CET | Aktualisiert 23/11/2016 11:12 CET
City-Press via Getty Images

Erfolgreich und bescheiden - diese Konstellation galt bisher bei Hertha als unmöglich

Der Hauptstadtklub Hertha BSC steht auf Platz vier der Bundesligatabelle. Das ist eine starke Leistung und eine große Überraschung. Was fehlt, ist die verdiente öffentliche Anerkennung. Dafür gibt es viele Ursachen, vor allem aber einen Grund: Der Erfolg der Berliner ist gar nicht so einfach zu entschlüsseln.

Die Konstellation ist schon sehr verwunderlich. Es handelt sich tatsächlich um die Hertha aus Berlin und um die Tabelle der Fußball-Bundesliga. Sonst hätte man ja einen kleinen Witz machen können. Ja, es ist die Hertha, aber nicht Fußball sondern irgendeine andere Sportart. Oder eben andersherum: Fußball schon und Berlin auch, aber nicht die Hertha und schon gar nicht die höchste deutsche Spielklasse.

Aktuell hat die Hertha 23 Punkte gesammelt. Das ist Rang vier und genau die Mitte zwischen den Großen wie Bayern, Dortmund, Wolfsburg davor und Gladbach, Leverkusen, Schalke dahinter. Nach 13 Spieltagen kann das kein Zufall mehr sein. Selbst für eine Glückssträhne ist dieser Zeitraum mittlerweile einfach zu lang.

Der reflexartige Hype bleibt bisher aus

Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte viel weniger ausgereicht, um die Hertha vorschnell in die Champions League oder an den Rand eines Titelgewinns zu Jubeln. Es grenzt also nahezu an ein Wunder, dass in Berlin noch keine grenzenlose Euphorie ausgebrochen ist. Diesen Anflug von Realismus rund um die Hauptstadt darf man nicht ungenutzt lassen, um mal zu schauen, was da eigentlich gerade passiert.

Natürlich profitieren die Berliner davon, dass Schalke und Leverkusen hinter den eigenen Erwartungen herlaufen und dass Gladbach immer noch dabei ist, den punktlosen Saisonstart aufzuholen. Aber das ist die Sache der anderen. Bis auf Bayern und Bayer haben die Berliner alle Top-Klubs schon gespielt. Diese Partien haben sie alle verloren. Bleibt unter dem Strich: Hertha ist schlechter als die Großen, aber besser als der Rest.

„So einen Fußball will ich hier nicht mehr sehen!", sagt Pal Dardai

Wobei „besser" nur bedingt korrekt ist. „Erfolgreicher" trifft es ganz genau. Trainer Pal Dardai hat nach dem anstrengenden und schmucklosen Klassenerhalt der vergangenen Saison die Richtung klar vorgegeben. Der Ungar will zwar schöner und attraktiver spielen, allerdings nicht um jeden Preis. Die fußballerische Qualität darf sich langsam entwickeln, aber sie muss sich entwickeln. Rückschläge sind einkalkuliert.

Dafür setzt Dardai im zentralen Mittelfeld auf einen ganz eigenen Typ von Spielern. Profis, die über eine ausgewogene Balance zwischen Zweikampfstärke UND spielerischen Fähigkeiten verfügen - und für Berlin zu haben sind. Denn solche Akteure sucht natürlich die halbe Liga.

Hertha hat Vladimir Darida, der für den Absteiger Freiburg zu gut war. Per Skjelbred, sowie Tolga Cigerci, die sich nicht nur aufgrund von Verletzungen bei ihren ehemaligen Klubs nicht durchsetzen konnten. In Berlin haben sie auf dem Platz ihre Heimat.

Champions-League-Sieger Kalou

Dahinter verteidigt eine zuverlässige Abwehr, davor stürmt Salomon Kalou. Bei ihm hat Hertha einfach verpasst, seine Rolle öffentlich ausreichend zu erklären. Oder sie wollen es gar nicht. Am ehemaligen Chelsea-Stürmer klebt immer noch der Makel, ein alternder Star zu sein, der sich mit schwindender Kraft und Einstellung in Berlin die Rente üppig aufbessert.

Viele erwarten vom Ivorer, dass er Berlin alleine zum Sieg schießt. Bei der Hertha erwarten sie, dass er sich mit seinen Offensivqualitäten ins Mannschaftsgefüge einbringt. Das funktioniert sehr gut. Sollen die „draußen" denken, was sie wollen.

Hertha wirkt im Moment nicht nur bescheiden und realistisch, sondern eher verschlossen und vorsichtig. Damit muss man nach all den vollmundigen Versprechen der Vergangenheit auch erst einmal klarkommen. Selbst die Konkurrenz lässt die Berliner noch in Ruhe. Hertha wird als Gegner ernst, aber nicht als Tabellenvierter wahrgenommen. In der Stadt selbst ist man auch vorsichtiger geworden, nach Abstiegen und vielen unerfüllten Prophezeiungen.

Es ist schwierig, den Verein exakt zu bewerten und zu beschreiben. Das kann ein großer Vorteil sein. Denn im Hauptstadtklub haben sie zwar Potential, einen Plan und Ruhe. Aber erreicht haben sie natürlich bisher noch so gut wie nichts.

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