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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Champagner durch den Strohhalm

15/03/2016 12:24 CET | Aktualisiert 16/03/2017 10:12 CET
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Frankfurt und Hannover fehlt das gewisse Etwas im Kampf gegen den Abstieg. Im Gegensatz zur direkten Konkurrenz

Es ist kein Witz! Wirklich nicht. Am kommenden Wochenende stehen sich Eintracht Frankfurt und Hannover 96 im „Topspiel der Woche" gegenüber. Das ist so, weil die Partien samstags um 18:30 Uhr - die meisten wissen es zum Glück - diesen Titel von der Deutschen Fußball Liga bekommen haben.

Tabellarisch ist dieses Duell alles andere als ein Topspiel - und da sind die zuletzt gezeigten Leistungen noch gar nicht eingerechnet. Im Moment gibt es mit Hannover wahrscheinlich nur eine Mannschaft, die in noch größeren Schwierigkeiten steckt als die Eintracht. Genau da beginnen die Probleme der Hessen.

Eintracht Frankfurt hat vergangene Woche nachgezogen und genau wie Hannover 96 zwei Monate zuvor den Trainer gewechselt. Hannover hat also einen klaren Vorteil: In der Niedersächsischen Landeshauptstadt hat man längst vergessen, dass der erhoffte Effekt des Trainerwechsels völlig wirkungslos verpufft ist. Keiner gibt sich dort irgendwelchen Illusionen hin. Ein paar Fans haben noch Hoffnung auf den Klassenerhalt, aber die Zahl ist in etwa genauso hoch wie die von denen, die ihren Spielern zuletzt mit blankem Hass begegnet sind.

In Frankfurt besteht noch die Möglichkeit, dieses Szenario zu verhindern. Allerdings war der Beginn des Aufbruchs fast schon vorbei, bevor Niko Kovac das Wort „Aufbruch" überhaupt aussprechen konnte: „Zu unerfahren" sagen die Skeptiker über den neuen Trainer. „Unverbraucht" sagt die Eintracht.

Mit so einem Einstieg ist schon mal sehr viel Energie sinnlos verschwendet. Den Rest verschleuderten Niko Kovac und sein Team beim ersten gemeinsamen Auftritt in Mönchengladbach. 30 Minuten leicht verbesserte Kompaktheit sind zu wenig. Erst recht, wenn es danach keine weitere erkennbare Verbesserung gibt und der erhoffte „Knall" zum Start schlichtweg ausbleibt.

Trotzdem hat die Eintracht noch ein paar Trümpfe in der Hand. Zum einen kann man die Niederlage in Mönchengladbach mit ungewohnten Torwartfehlern und der Stärke der Borussia abhaken. Obwohl letzteres eher eine kleine Notlüge ist. Der Elf vom Niederrhein reichte eine solide Leistung zum klaren 3:0.

Zum anderen bekommt Frankfurt aber gegen Hannover wohl drei Leistungsträger zurück, die am Wochenende verletzt gefehlt hatten. Torjäger Alexander Meier, Abwehrchef Carlos Zambrano und Marc Stendera fürs zentrale Mittelfeld. Klingt nach Aufbruch und es ist nicht hinderlich, dass viele vergessen haben, dass es zuvor auch MIT den dreien nicht gut war.

Hannover 96 hat auch auf diesem Sektor einen Vorsprung. Die Roten mussten längst eingestehen, dass selbst die Rückkehr des lange verletzten, offensiven Heilsbringers Hiroshi Kiyotake nicht im Ansatz den Traum vom erfolgreicheren Fußball erfüllen konnte. Wahrscheinlich verzichten sie auch deshalb darauf, alle Hoffnungen nun auf das mögliche Startelf-Comeback von Stürmer Hugo Almeida zu setzen, der nach seiner „drei-Spiele-Sperre" beim 0:2 gegen Köln zumindest eingewechselt wurde.

Wenn 96 nicht - wie auch immer - in einen Lauf kommt, dann können sie Spiele nur wie gegen Stuttgart gewinnen, wenn der Gegner Chancen im Überfluss vergibt und Hannover gegen eine löchrige Defensive mindestens zwei Tore schießt.

Sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, zehn zum direkten Klassenerhalt, das ist eigentlich genau der richtige Abstand, um aufzugeben und dann mit der daraus möglichen Lockerheit doch noch eine Serie zu starten. Allerdings ist dazu aktuell die Stimmung in Hannover zu gereizt und das Restprogramm zu schwierig. Nach Frankfurt und Hamburg gibt es noch - tabellarisch von der Mitte nach oben - Ingolstadt, Schalke, Gladbach, Hertha und am letzten Spieltag in München. Der einzige Mitkonkurrent ist dann noch Hoffenheim.

Die jedoch haben mit den anderen akut abstiegsgefährdeten Teams irgendetwas, an das sie sich klammern können. In Hoffenheim ist es Trainer Julian Nagelsmann, in Darmstadt die Desperado-Mentalität des angeblichen „Absteigers Nummer 1", in Bremen heißt der Hoffnungsträger Claudio Pizarro, Augsburg Plus ist die Ruhe und Erfahrung im Abstiegskampf.

Hannover hat einen deutlichen Rückstand, rechnerisch aber noch alle Chancen. Bei der Eintracht sind es aktuell sogar nur drei Punkte bis zu Rettung. Bei der Konkurrenz liegt der Champagner für die Klassenerhalts-Party dennoch eher griffbereit.

Im Gegensatz zu Hannover und Frankfurt haben die anderen einen Strohhalm, durch den sie schon mal ein bisschen probieren konnten und auf den Geschmack gekommen sind Die Eintracht legt nun den kompletten Fokus auf das Duell mit 96. Verständlich - und gefährlich.

So erhöht sich der Druck um ein Vielfaches. Die Folgen, sollten die Hessen das Duell nicht gewinnen, sind kaum abzuschätzen. Selbstverständlich kann das direkte Aufeinandertreffen auch ein gutes Fußballspiel werden, es darf allerdings auch niemand überrascht sein, wenn es das nicht schafft. Der Auftrag ist klar: Gewinnen, ohne zu viel Risiko. Oder, ins „Nicht-Abstiegs-Deutsch" übersetzt: Verlieren verboten.

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