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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Führungsposition als Nebenjob

22/02/2016 14:53 CET | Aktualisiert 22/02/2017 11:12 CET
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Der Fall Christian Heidel zeigt: Die Verträge der Manager müssen überdacht werden.

Fußball gespielt wurde am Sonntag auf Schalke auch. 1:1 gegen den VfB Stuttgart. Das war aber nur Nebensache. Im Mittelpunkt stand und steht in Gelsenkirchen die Verpflichtung des künftigen Managers Christian Heidel von Mainz 05. Ab Sommer, betonen beide Seiten. Das klingt überzeugend. Ich glaube trotzdem: Der Wechsel wird früher stattfinden. Alles andere wäre mindestens bedenklich. So lange jedenfalls wie sich an den Verträgen der Manager nichts ändert.

So ist das halt auf Schalke. Die Königsblauen suchen nicht nur einen neuen Sportchef, sie finden sogar einen. Aber plötzlich gibt es Verwirrung um dessen Kompetenzen und es wird ein Treffen mit dem Aufsichtsrat arrangiert, eine Art zweiseitiges Bewerbungsgespräch. Und weil das an Kuriosität noch nicht reicht, findet dieses Treffen wenige Stunden vor dem wichtigen Schalker Bundesligaspiel gegen Stuttgart statt. Ablenkung ist garantiert.

Fakt ist: Schalke hat Unentschieden gespielt, dafür hat Christian Heidel gewonnen. Ohne Gegenstimme ist seine Verpflichtung vom Aufsichtsrat durchgewunken worden. Ein Sieg auch für den Klubchef, Clemens Tönnies, der Heidel unbedingt haben wollte. Im Sommer herrschen wieder geregelte Verhältnisse in Gelsenkirchen. Anders als im Moment, wo sich mit Horst Heldt ein Sportvorstand um die Personalplanung kümmern muss, mit deren Wirksamkeit er nach Ende seines Vertrages gar nichts mehr zu tun hat.

„Lame duck" habe ich aus dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gelernt, werden Politiker genannt, die am Ende ihrer Amtszeit faktisch nichts mehr bewirken können. Ob der Begriff „lahme Ente" auch auf den Sport und im speziellen Fall auf Horst Heldt zutrifft, sei mal dahingestellt. Insgesamt ist die Situation für alle Beteiligten mindestens bedenklich.

Ich habe keine Zweifel an der Seriosität und Professionalit der handelnden Personen. Ich stelle mir das Tagesgeschäft dennoch sehr kurios vor. Horst Heldt ruft Christian Heidel an, um ihn zu fragen, ob er mit einer Personalie einverstanden ist. Oder ob er Verträge mit Schalker Spielern zu bestimmten Konditionen vorzeitig verlängern kann. Oder macht das schon Christian Heidel?

Darf Heidel das Telefonsystem auf der Mainzer Geschäftsstelle für Schalker Angelegenheiten benutzen? Oder muss er das vor der Tür in einer windigen Ecke von seinem privaten Mobiltelefon regeln? Und das ist ja noch der eher lustige Part in dieser Konstellation. Spannend wird es, wenn es zu Interessenskonflikten zwischen Mainz und Schalke kommt.

Es kann alles funktionieren. Zu dieser Nagelprobe wird es aber gar nicht erst kommen. Behaupte ich! Wenn Mainz - und darauf deutet vieles hin - den Heidel-Nachfolger präsentieren kann, geht alles ganz schnell. Der noch Sportdirektor von Werder Bremen, Rouven Schröder, hat vor Wochen bereits um seine Freigabe für Mainz gebeten. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Werder dieser Bitte nicht nachkommt.

Und dann arbeitet Schröder bis Saisonende in Bremen, Heidel in Mainz und Heldt auf Schalke? Nein, natürlich nicht. Alle Seiten sind gut beraten, auf Zeit zu spielen, bis alle Verträge gemacht sind. Bis dahin dürfen sie der Öffentlichkeit erzählen, dass alles bis zum Saisonende wie gehabt weiterläuft. Ein Interesse daran, das wirklich so umzusetzen, kann allerdings keiner haben.

Die Situation ist kurios, aber natürlich nicht neu in der Bundesliga. Bei Trainern und Spielern schon mal gar nicht. Da spielt man dann schon mal gegen den künftigen Arbeitgeber. Aber gerade auf dem Posten des Managers halte ich sie dennoch für besonders brisant. Es geht eben nicht nur um ein oder zwei Spiele, sondern um die gleichzeitige Planung bei zwei Konkurrenten über Wochen und Monate.

Ich überlege, ob eine Modifizierung der Verträge helfen kann. Im Extremfall wie aktuell zwischen Schalke, Mainz und Bremen hat sich als unpraktisch herausgestellt, die Arbeitsverhältnisse an das Saisonende zu binden. Oder, wie in Hannover, bis ans Ende des Transferfensters im Sommer. Dirk Dufner sollte sich um eine Mannschaft kümmern, für die er ab September keine Verantwortung mehr hatte. Ich will nicht behaupten, dass das der Schlüssel für den 96 Absturz ist. Ein Teil davon allerdings schon.

Ich kann nicht glauben, dass sich ein Manager gar nicht um die Belange seines künftigen Arbeitgebers kümmert, so lange er noch woanders unter Vertrag steht. Und zweimal 100 Prozent Einsatz geht auch nicht. Allein aus Vereinssicht muss man jedoch schon mal aktiv darüber nachdenken, wie gefährlich die Zeit ist mit „lame duck", Machtvakuum und Managern in Doppelfunktion.

Schon um die wichtige Zeit zum Ende der Rückrunde nicht zu verschenken, sind Vertragslaufzeiten bis Oktober, November oder von mir aus März einen großen Gedanken Wert. Das verhindert die Übergänge nicht, verschiebt sie auch nur. Aber sie würden so aus der ganz heißen Phase der Saisonplanung herausgenommen. Im Idealfall läuft es so, wie ich es zwischen Schalke, Mainz und Bremen erwarte. Trotz der laufenden Verträge geht alles fast geräuschlos und vor allem sofort. Aber das ist nur ein Glücksfall.

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