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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Punktsieg für Zorniger

30/11/2015 18:33 CET | Aktualisiert 30/11/2016 11:12 CET
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Warum es beim VfB Stuttgart auch nach dem Trainerwechsel nicht laufen kann

Stuttgart ohne Trainer Alexander Zorniger ist wie Stuttgart mit Trainer Alexander Zorniger. Der „Sofort-Effekt" des Trainerwechsels ist verpufft. Die nächste Niederlage. Schon wieder vier Gegentore. Vor allem aber die bittere Erkenntnis: Das Problem war nicht der ehemalige Chefcoach und auch nicht dessen „alternativloses" Anrennen. Das Problem beim VfB ist schlicht die mangelhafte Abwehrarbeit.

Am Dienstag vor einer Woche haben sich die Schwaben von Trainer Alexander Zorniger getrennt. Nach vielen Niederlagen mit deutlich zu vielen Gegentoren hat die VfB-Führung intern eine Abkehr vom gnadenlosen Offensivfußball angeregt. Zorniger lehnte dies ab, was zwangsläufig zur Beurlaubung führen musste.

Der Trainer hielt (und hält) seinen Spielstil für „alternativlos". Das ist nicht nur seine Überzeugung, sondern auch sein gutes Recht. Wenn der Verein allerdings das Vertrauen verliert, dann sind die handelnden Personen gezwungen, ihren leitenden Angestellten entweder zum Umdenken zu überreden, oder, wie in Stuttgart geschehen, sich zu trennen.

Kein Zorniger, kein Mut!

Knallhart betrachtet ist Alexander Zorniger der Sieger im ersten VfB-Spiel, bei dem er gar nicht mehr auf der Bank gesessen hat. Realistisch gesehen hätte er in Dortmund auch verloren. Sehr wahrscheinlich ebenfalls mit vier (oder mehr) Gegentoren. Aber SEIN Team wäre mutig gewesen. So hat Stuttgart wieder verloren. Diesmal chancenlos.

Selbstverständlich ist es logisch und richtig, dass die VfB-Verantwortlichen die Partie nicht in erster Linie als eigene Niederlage werten, sondern als Sieg des starken Zweitplazierten der Bundesliga. Inklusive des Verweises auf die individuelle Klasse im Kader des BVB. Wenn man sich jedoch den Verlauf noch einmal vor Augen führt, dann bleibt eine erschreckende Erkenntnis.

Stuttgart hat zur Pause mit einem Tor zurückgelegen. Nach dem Seitenwechsel ging nach vorne gar nichts mehr. Und nach hinten, trotz einer kompakten, defensiven Ausrichtung, auch nicht. Vielleicht mache ich es mir zu einfach. Ich jedenfalls hänge das nicht an Interimstrainer Jürgen Kramny auf. Der hatte einfach keine Chance.

Kein Zorniger? Doch!

In den Köpfen der Spieler steckt noch die Philosophie seines Vorgängers. Diese hatte er den Akteuren nicht beigebracht, er hat sie ihnen eingebläut! So etwas ändert man nicht in einer Woche. Nicht mal in einem Monat. Und bei der Vermeidung der unerklärlichen Fehler in der Defensive habe ich mir tatsächlich mal den Spaß gemacht und überlegt, ob daran nicht selbst der „Trainergott" Pep Guardiola scheitern würde? Bisher ohne Ergebnis...

Wenn ich Abwehrarbeit oder Defensive sage, dann meine ich damit alle elf auf dem Feld. Von ganz vorne bis nach ganz hinten, wo die Torhüter genauso gut oder schlecht spielen wie ihre Vorderleute. Selten konstant und nie fehlerlos.

Einstellung? Qualität? Beides?

Mindestens zwei Mann machen einfach nicht mit in der Abwehrarbeit. In Dortmund waren das vor allem die offensiven Mittelfeldspieler. Dazu kommen schwere Aussetzer in Einzelsituationen und mittlerweile vier Eigentore. Ja, da stellt sich mir unweigerlich die Frage nach der personellen Qualität im Kader.

Kling hart? Ist hart? Die harte Zeit für den VfB kommt jetzt erst. Das Heimspiel gegen Bremen und das Spiel in Mainz. Duelle auf „Augenhöhe" ohne eindeutige Favoritenrolle, schon klar. Aber die Alibis sind weg. Die Begegnung beim übermächtigen Top-Klub in Dortmund ist Geschichte, genau wie der ehemalige Trainer Alexander Zorniger.

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