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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Ist das wirklich alles?

21/09/2015 14:26 CEST | Aktualisiert 21/09/2016 11:12 CEST
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Der Rückzug von Lucien Favre war hoffentlich nur eine egoistische Fehlentscheidung

Lucien Favre hat die Brocken hingeworfen in Mönchengladbach. Der Trainer verlässt die Borussia auf eigenen Wunsch. Die Verantwortlichen wollten ihn umstimmen. Ein totaler Vertrauensbeweis - ohne Erfolg. Auch wenn ich Lucien Favre Unrecht tue: Ich glaube nicht, dass dieser Schritt nur sportliche Gründe hat.

Es ist keine Neuheit in der Fußball-Bundesliga, dass ein Trainer freiwillig geht. Zuletzt hat vor gut einem Jahr Armin Veh in Stuttgart diese Variante gewählt. Trotzdem ist es nach wie vor ungewöhnlich. Speziell in Mönchengladbach.

Speziell deshalb, weil ich Manager Max Eberl aktuell als Einzigem abnehme, dass er trotz der sportlichen Krise total zu seinem Trainer steht. Selbst mit der Erkenntnis, dass sein Trainer Favre in dieser Saison keinen Plan B anwenden wollte. Oder gar keinen hatte. Der hat einfach weiter gefavret, unbeirrt - fast trotzig.

Kein Sieg, null Punkte, Platz 18

Wenn Favres System funktioniert, ist es kaum aufzuhalten. Wenn nur ein paar Faktoren nicht passen, fällt es auseinander. In dieser Saison ging bisher alles schief. Keine Form, Spieler auf den falschen Positionen, Verletzungen, darauf muss man halt nach einer gewissen Übergangszeit reagieren. Eben weil Gladbach noch vor Kurzem so überzeugend durch die Liga marschiert ist.

Favre hat dies verweigert. Es ist einfach, vielleicht sogar angebracht und ganz vielleicht sogar richtig, ihn dafür zu kritisieren. Und für die Art seines Abgangs. Ich persönlich - und jetzt komme ich auf die Einleitung zurück - muss mir eine Erklärung durch die Hintertür offen halten. Eine große Hintertür.

Es sehr sensibles Thema

Ich will auf gar keinen Fall irgendwelche Gerüchte streuen. Ich will schon gar keine Schlagzeilen generieren. Aber ich muss zumindest darüber nachdenken, ob es eventuell andere Gründe gibt, die aus diesem mutlosen Rückzug eine verständliche Handlung machen. Gesundheitliche Gründe zum Beispiel. Dinge, die Favre trotz des gegenseitigen Vertrauens für sich behalten haben kann.

Ich weiß es nicht und ich will auch nicht spekulieren. Trotzdem muss ich meine Kritik, mein Unverständnis an diesem Schritt sehr vorsichtig formulieren. Das tue ich tatsächlich auch in der Hoffnung, dass der Abgang am Ende nur eine rein egoistische und (von Favre) falsche Entscheidung gewesen ist.

Eine völlig unbekannte Situation

Für Lucien Favre war es die erste „Krise" in Mönchengladbach. Als er im Februar 2011 verpflichtet wurde, hatte zwar die Borussia eine, aber nicht er. Favre sollte beim „sicheren Absteiger" - Gladbach war abgeschlagen Letzter - den Boden für einen sofortigen Wiederaufstieg bereiten. Am Ende hielt er die Klasse und führte sein Team über die Europa League aktuell sogar erstmals in der Vereinsgeschichte in die Champions League.

In diesen viereinhalb Jahren hat sich der Verein komplett seinem Trainer verschrieben, praktisch unterworfen. Die Entwicklung, die Spielweise und die Erfolge haben daran nie Zweifel aufkommen lassen. Aber die gesamte Qualität zeigt sich schonungslos erst dann, wenn es mal nicht mehr läuft.

Der Trainer war gefordert

Wenn Favre es gekonnte hätte (aus welchen Gründen auch immer er es nicht konnte), jetzt war er gefordert, die Situation zu ändern. Aktiv als Trainer. Und wenn es wirklich nur aus rein sportlichen Gründen nicht mehr geht, dann wenigstens eine flammende Rede à la Armin Veh („bringe dem Verein kein Glück", „mache den Weg frei"). Oder eine emotionale Reaktion nach so einer höchst intensiven Zeit.

Es gab nichts davon. Deshalb bin ich nach wie vor verwirrt, ob nicht viel mehr dahinter steckt. Oder ist alles doch ganz einfach? Der Verein hat das Rücktrittsangebot abgelehnt. Mehr Vertrauen nach all den sportlichen Fehlern und Fehleinschätzungen geht nicht! Aber Favre hat auch die letzte Entscheidung als Trainer in Mönchengladbach selbst getroffen. Allein.

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