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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Und was jetzt?

01/09/2015 16:39 CEST | Aktualisiert 01/09/2016 11:12 CEST

Das Leben außerhalb des Transferfensters könnte schön sein. Ich weiß aber nicht wie!

Transferliste geschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen keine Transfers mehr möglich. Alles, was jetzt kommt, ist wirklich nur noch Spekulation. Das ist ein Problem. Ein wirklich großes. Was machen die Vereine? Was die Spieler und die Berater? Vor allem aber: Was mache ich? Ich sehne den Winter herbei.

Irgendein Klub aus England will garantiert noch einen Spieler aus der Bundesliga verpflichten. Ganz sicher. Aber selbst die Familie Neureich von der Insel, die mit den schier unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten, ist plötzlich an Marktgesetze gebunden.

Millionen und Milliarden aus der Fernsehvermarktung machen reich und glücklich. Leider nur in der Transferperiode. Selbst in England. Vielleicht sollten sie sich mit dem Geld ein eigenes Transferfenster kaufen. Die Kohle liegt ja sonst nur rum. Nichtmal Angeben macht dann so richtig Spaß.

Die Probleme haben wir hier nicht. Die großen Summen können ohnehin nur die anderen bezahlen. Und jetzt ist sowieso Schluss. Ist das eigentlich schade? Oder gut so? Mir kann das ja im Grunde egal sein. Ich kaufe und verkaufe nicht - verdiene daran leider auch nicht. Als Kommentator reicht es sogar, wenn ich einfach warte, bis ein Transfer fix ist. Zumal ich persönlich eher ein Gegner von Gerüchten und Spekulationen bin. Dazu weiß ich einfach zu genau, wie viel Taktik hinter diesen Geschäften steckt.

Man spricht Transfer

Ein neuer Interessent? Übersetzt bedeutet das: Wir liegen weit auseinander. Von einem Interesse noch nichts gehört? Dann ist man auf einem guten Weg. Es fehlen noch Kleinigkeiten? Summe glatt nach oben korrigieren, fertig. Ich kritisiere das nicht, so ist der Deal, aber wer wie ich den Luxus hat, sich nur um den Vollzug kümmern zu müssen, der will sich auch nur mit Tatsachen beschäftigen.

In dieser Saison kommt eine neue Qualität dazu. Jedenfalls in dieser Heftigkeit. Das Transferfenster sei zu lange offen. Sagen selbst Trainer und Manager aus der Bundesliga. Also jene, die auf den allerletzten Drücker noch Spieler kaufen oder verkaufen. Der allerletzte Drücker soll jetzt also früher sein. Neuerungen finde ich immer super. Das ist so modern und progressiv. Toll. Nur was ändert eigentlich die Änderung?

Früher? Später? Besser?

Gut, die Manager und Berater könnten im Sonnenmonat August noch einmal in den Urlaub fahren. Ging ja bisher nicht. Okay, ist ein Argument. Und im Ernst? Es verschiebt sich alles nach vorne. Oder wird am Ende auf einen Monat begrenzt. Und dann sind alle Probleme weg. Ich wäre wirklich gerne so naiv, daran zu glauben. Schaffe ich aber nicht.

Es ist ja auch eine rein pragmatische Geschichte. Ende August steht fest, wer in welchem europäischen Wettbewerb mitspielen darf. Dann ist klar, ob es mehr Geld gibt. Dann spielt man in der Champions League. Falls nicht, ist nicht mehr Geld da. Man könnte es aber trotzdem dringend gebrauchen. Entweder gibt es Bedarf an neuen Spielern, oder schlimmstenfalls im eigenen Kader ein paar Spieler zu viel. Und die müssen noch weggelobt werden.

Also bleibt ja im Grunde nur der August als Periode, wenn's denn ein bisschen übersichtlicher werden soll. Dann fällt allerdings die Möglichkeit weg, schon beim Trainingsstart nach der Sommerpause ein Mannschaftsgerüst zusammenzustellen. Auch blöd. Und nur der Juni und Juli?

Das wird nach hinten heraus eng, falls etwas im Team nicht so recht funktioniert. So richtig echte Gewinner sehe ich da nicht. Weder mich, der recht gut ohne die todsicheren Falschmeldungen noch besser durchs Fußballleben kommen würde. Und schon gar nicht das journalistische Sommerloch.

Keine Verhandlungen außerhalb des Transferfensters? Wie niedlich. Wer glaubt das denn? Ich nicht. Man darf sich halt nicht erwischen lassen. Die heile, aufrechte Fußballwelt ist doch gar nicht aufrechtzuerhalten. Wenn ich nicht zumindest an den Rand des Erlaubten gehe, macht es ein anderer.

Wer zu spät kommt, den bestraft Manchester City. Oder irgendein anderer Engländer. Dann ist der Spieler weg! Spätestens die Abseitslinie im TV und die Einführung der Torlinientechnik sind die eindeutigen und letzten Zeichen, dass Romantik und Streitkultur im Fußball nur eine Frage der Technik sind.

Und wer meckert da eigentlich gerade über die ausufernde Transferperiode? Sind das nicht sogar ausgerechnet die, die von Gerüchten und Unsicherheiten am Ende am meisten profitiert haben? Ich halte das alles für einen Witz. Egal was passiert, alle Beteiligten werden sich blitzschnell auf die neuen Begebenheiten einstellen und am Ende ist alles wie vorher. Vielleicht etwas kürzer oder früher oder so. Und dann kommt einer und meckert, dass es ja so nicht geht ...

Ich zähle die Tage bis zum Winter. Die Jahreszeit ist mir viel zu kalt und zu dunkel. Aber es gibt ein Transferfenster. Wann und wie lang ist mir egal. Hauptsache, die Engländer sind noch da. Mit ihrem Geld. Und kaufen. Dann unternehme ich einen nächsten Versuch, den Transfermarkt zu verstehen! I promise!

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