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Kai Noon - Die Bundesliga-Kolumne: Erfolgreich gescheitert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PEP GUARDIOLA
Anadolu Agency via Getty Images
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Pep Guardiola ist noch da. Seine Mission als Trainer des FC Bayern München ist beendet.

Wer sich traut, darf sich seit dem vergangenen Samstag an eine Bewertung der drei gemeinsamen Jahre von Pep Guardiola und dem FC Bayern heranwagen. Das ist ein Risiko. Jede Einschätzung - egal in welche Richtung - erzeugt eine genauso große Gegenreaktion.

Es gibt wohl nur die beiden Extreme. Pep Guardiola hat gewonnen. Oder Pep Guardiola ist gescheitert. Wer, wie er, alle drei möglichen Meisterschaften holt, dazu mindestens einen Titel im DFB Pokal (Nummer zwei ist noch möglich) und dreimal im Halbfinale der Champions League steht, der kann nicht gescheitert sein.

Wer, wie er, mit dieser Mannschaft des FC Bayern nicht wenigstens einmal das Finale der Champions League erreicht, der kann aber auch kein Gewinner sein.

Pep Guardiola ist 2013 nach München gekommen. Nach einer unglaublich erfolgreichen Ära in Barcelona. Nach seiner einjährigen Auszeit und nach dem Triple der Bayern. Mehr Synergie geht ja eigentlich nicht.

Guardiola hat den Fußball revolutioniert

Der beste Trainer übernimmt die beste Mannschaft. Und dann spricht der überzeugte Katalane auch noch auf Deutsch! Die Bundesliga hat er jeweils im Schnelldurchlauf genommen. In jedem anderen Wettbewerb stand er mindestens im Halbfinale.

Guardiola hat den Fußball hierzulande revolutioniert. Pure Ergebnisse, Dusel und Mittelmaß sind ihm ein Graus. Dominanz, Kontrolle und Flexibilität sind seins. Aber auch die Unnahbarkeit. Er hatte nie ein Interesse daran, dass sich die Anhänger für ihn freuen und schon gar nicht mit ihm leiden.

Das war ihm offensichtlich egal. Es hätte schon lange vor dem, über die Bayern Homepage verkündeten, Abschied klar sein können, dass Guardiola während seines Vertrages alles gibt, aber nach Vertragsende auch alles - außer den Titeln - wieder mitnimmt. Seinen Platz im Herzen der Fans wird sich Guardiola nur über Titel holen.

Die Versuche, irgendwie einen Mittelweg zu finden, sind bisher alle gescheitert. Das liegt zum einen am Selbstverständnis der Bayern. Das liegt aber vor allem an Pep Guardiola selbst. Er würde im Leben nicht vorab irgendwelche Erfolge versprechen.

Er richtet sein Trainerleben jedoch komplett darauf aus, genau diese Titel zu gewinnen. Und er hat noch eine Eigenschaft, die alles momentan so kompliziert werden lässt: Pep Guardiola wird nie Dinge tun, die andere in seinem Bereich für zwangsläufig erachten.

Er war erfolgreich und ist gescheitert

Pep Guardiola wird nie Sätze sagen, die andere bereits vor ihm formuliert haben. Pep Guardiola will immer die Kontrolle haben. Nicht nur auf dem Platz.

Seit der Ankündigung seines Abschieds zum Saisonende waren die Schleusen geöffnet. Über Pep Guardiola durfte spekuliert und gerichtet werden. Undenkbar in den zweieinhalb Jahren zuvor.

Schon vor dem Beginn der k.-o.-Phase der Champions League wurde die Frage beantwortet, ob der Trainer ohne diesen Titel gescheitert ist oder nicht. Damit war klar: Guardiola selbst wird diese Frage nie beantworten.

Bei allen Sätzen die er zurzeit dazu sagt, ist deutlich herauszuhören, dass er (wie so oft) inhaltlich nichts sagt und sich (ohne es zu sagen) vielmehr über jene ärgert, die vorab die Frage bereits beantwortet haben.

Schade, dass er nicht als erster seine eigene Bilanz in München beurteilen durfte. Wahrscheinlich ist er der einzige, der seine - wie er sagen würde - top, top Bilanz ohne Titel in der Champions League, passend hätte beschreiben können.

So geht er, ohne eine einheitliche Zeugnisnote. Er war erfolgreich und ist gescheitert. Nicht allgemeingültig zu bewerten und vor allem: Nicht zu entschlüsseln. So, wie er es wohl am liebsten hat!

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