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Jutta Kranz Headshot

Ich habe eine Woche nie Nein gesagt - und damit meine Gesundheit ruiniert

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HIPSTER STRESS WOMAN
Rasstock via Getty Images
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Es soll ja Frauen geben, die nicht Nein sagen können. Nicht zu Überstunden, nicht zu Männern, nicht zum 3. Stück Kuchen. Bis auf den Kuchen habe ich das eigentlich ganz gut im Griff. Ich mache selten Dinge, die ich nicht will.

Was passiert also, wenn ich eine Woche lang niemandem eine Bitte abschlagen darf? Der Projektor meines Kopfkinos rattert schon vor dem Start des Experiments laut. Wird mich jemand zum Diebstahl anstiften? Muss ich nackt zur Arbeit kommen, weil ein Kollege meine Situation ausnutzt? Was erzähle ich meinen Eltern, wenn ich am Ende der Woche Mitglied der NPD bin?

Was mir tatsächlich passiert ist? Lest selbst:

Tag 1: Bisher ist das ganze Experiment weniger schlimm als befĂĽrchtet, weder Kollegen noch Freunde haben mitbekommen, dass ich meinen Selbstversuch gestartet habe. Ich fliege unter dem Radar.

Tag 2: Mir fällt auf, dass ich ein wichtiges Detail bei meiner Vorbereitung auf die Woche vergessen habe: Die diversen Dating Apps, die auf meinem Handy installiert sind. Bis ich also Tinder, OkCupid und Co. von meinem Smartphone gelöscht habe, trudeln weiter die Nachrichten meiner potentiellen Lebensabschnittsgefährten ein.

Mein Wochenende ist jetzt also vollgestopft mit Dates auf die ich sonst niemals gehen wĂĽrde. Das erste Mal bereue ich meinen Plan.

Inzwischen hat sich auch im Newsroom herumgesprochen, was ich mir eingebrockt habe und mein Selbstversuch wird beim HuffPost-Stammtisch schamlos ausgenutzt. „Noch ein Bier?" „Ja, gerne." - „Jutta, möchtest du den Schnaps mit Sardelle probieren?" „Aber natürlich". Ich bin nur froh, dass das Stierhodenragout auf der Karte schon aus ist und mir wenigstens diese Spezialität erspart bleibt.

schnaps

Am Ende des Abends habe ich den Überblick verloren, wie viel ich getrunken habe, philosophiere aber mit den Werkstudenten über das Charisma von Donald Trump und halte eine flammende Rede darüber, warum Frauenboxen der Männervariante in nichts nachsteht.

Tag 3: Ich habe nur 4 Stunden geschlafen und sitze mit dem Kater meines Lebens in der Redaktion - dabei verfluche ich meine Kollegen - und mein Experiment. Der Tag scheint endlos zu sein und ich freue mich auf mein Bett.

Doch mein wohlverdienter Schlaf muss warten, da ich nicht Nein sagen darf und deswegen völlig übermüdet noch zu einem Kochabend mit Freunden fahre. Mir ist den ganzen Tag fürchterlich schlecht und ich habe Magenschmerzen. Ich schiebe es auf den Alkohol.

Tag 4: Mein Magen gibt keine Ruhe. Der Tag im Büro ist die Hölle, weil die Schmerzen immer schlimmer werden. Hilft wohl nichts, ich muss zum Arzt.

Der stellt fest, dass meine Magenschleimhaut mit dem Exzess von Mittwoch nicht einverstanden war und verschreibt mir Tabletten. Außerdem soll ich Alkohol, Kaffee, fettiges Essen und alles meiden was sonst noch Spaß macht. Dieser Selbstversuch fängt wirklich an zu nerven, besonders weil das Wochenende vor der Tür steht.

medikamente

Tag 5: Der Tag der Dates. Mittags treffe ich mich mit einem Kollegen, der seine Chance auf eine Verabredung witterte, im Grünwalder Stadion. Gibt es etwas Schöneres als ein zweitklassiges Regionalliga-Spiel bei 30 Grad im Schatten? Mir fallen da ein paar Dinge ein.

Trotz Fangesang und dem langweiligsten FuĂźballspiel, das ich je gesehen habe, ist der Nachmittag erstaunlich nett. Liegt vielleicht auch an den vier Bier, die mein geschundener Magen verkraften muss.

fuĂźball

Anschließend geht es zum nächsten Date und zum nächsten Bier an die Isar. Bei Currywurst und Pommes (das mit der Schonkost funktioniert) höre ich mir endlose Geschichten zum Thema Hundeerziehung an. Meine Traumvorstellung einer Verabredung sieht etwas anders aus.

Mein Körper rebelliert inzwischen komplett, trotzdem bleibt mir nichts anderes übrig als mit meiner nächsten Verabredung noch ein Glas Wein auf seinem Balkon zu trinken.

Ich habe die warnende Stimme meiner Mutter im Hinterkopf, als ich die Wohnung eines praktisch Fremden betrete. Überraschenderweise werde ich jedoch weder an einen Menschenhändlerring verkauft, noch vergewaltigt. Der Tag endet dennoch spät und definitiv zu alkoholisch.

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Tag 6: Es ist Sonntag und die Sonne scheint, trotzdem habe ich große Lust die Rollläden nicht hochzuziehen und einfach den Tag auf meiner Couch zu verschlafen. Ich schummle das erste Mal bei meinem Versuch, indem ich mein Handy einfach ausschalte: Wenn mich keiner fragen kann, ob ich das Haus verlassen will, dann muss ich es auch nicht tun. Ich fühle mich ziemlich clever.

Abends packt mich dann doch das schlechte Gewissen und ich gehe zur nächsten Verabredung. Als Date #4 von meinem Experiment hört und ernsthaft überlegt mir einen Antrag zu machen, sehne ich das Ende dieser Woche herbei.

Tag 7: Ich bin glücklicherweise nicht verlobt, aber auch das scheint meinen Magen nicht zu beruhigen. Ich verbringe den Feiertag zusammengekrümmt in meinem Bett und beschließe das Experiment vorzeitig abzubrechen. Ich sage alle Verabredungen und Einladungen ab und bin froh endlich wieder meine eigenen Entscheidungen treffen zu können.

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