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Jahrelang meckerte eine Frau über ihren Mann. Dann passierte das

13/11/2015 14:16 CET | Aktualisiert 13/11/2016 11:12 CET
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Leslie rief mich voller Panik an. Sie fürchtete, dass ihre 12-jährige Ehe nicht mehr zu retten sei. Sie liebte ihren Mann David, aber ihre langjährigen Probleme drohten die beiden auseinanderzureißen.

Leslie machte sich ständig Sorgen und David behielt zwar einen kühlen Kopf, war aber nicht gerade der gesprächige Typ. Leslie fühlte sich vom Muttersein, ihrer Arbeit und den Verantwortlichkeiten im Haushalt überfordert.

Ihre Ängstlichkeit wuchs und sie wandte sich verzweifelt an David, der nie in der Lage war, ihr die Bestätigung und Besänftigung entgegenzubringen, die sie von ihm erwartete. (Sie wollte, dass er ihr die richtigen Dinge sagte.)

All das ließ ein Muster von Konflikten entstehen, das sich durch ihre gesamte Beziehung zog und dazu führte, dass sie schon früh zur Eheberatung gingen. Ihr Berater kam schnell zu dem Ergebnis, dass David seine Kommunikationsfähigkeiten verbessern müsse. Eine häufige Einschätzung von Therapeuten. Auf diesen wesentlichen Aspekten beruht sie:

1. Leslie und David haben Probleme.

2. Sie müssen in der Lage sein, über diese Probleme zu sprechen, um ihre Situation zu verbessern.

3. Leslie will darüber sprechen, David weniger.

4. Also lösen wir das Problem, indem wir David helfen, effektiver zu kommunizieren.

Das ist ein ziemlich typischer Eheberater-Zugang, der auf den Glauben basiert, dass mehr Gespräche über Beziehungsprobleme letztendlich das gegenseitige Verständnis fördern und ein Paar näher zusammenbringen. Manchmal hilft das.

In diesem Fall hat es die Frustration zwischen Leslie und David nur noch gesteigert. Leslie war fest davon überzeugt, dass David den Schlüssel zu ihren größten Problem in Händen hielt. Wenn er es doch nur richtig anpacken würde!

David versuchte es, doch je mehr er versuchte, mit Leslies verbaler Geschwindigkeit und Gewandtheit mitzuhalten, desto nervöser wurde und versagte er. Egal, was er sagte, Leslie verschärfte den Ton und blieb ihm ständig einen Schritt voraus.

Ihr wohlmeinender Therapeut hatte, ohne es zu wissen, seinen Prüfstempel auf ihr gestörtes Verhaltensmuster gesetzt. Sie gingen nicht mehr zu der Beratung und ihre Probleme blieben ein Auslöser für Schmerz und Konflikt in ihrer Beziehung.

Viel später, als das Leben und der Beziehungsstress unerträglich geworden waren, hörte Leslie von meiner Arbeit. Sie forderte ein Informationspaket an und vereinbarte ein Telefongespräch zwischen uns dreien.

Sie machte sehr deutlich, dass sie von David erwartete, daran teilzunehmen, und sie schlug vor, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, Davids Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.

Während unserer Sitzung hörte ich neugierig zu und suchte nach Hinweisen... Was trieb die Beziehung an? Gab es ungeprüfte Annahmen? Weil es Leslie offensichtlich leichter fiel zu sprechen, unterhielten wir zwei uns. David hörte zu.

Das passte zu allem, was Leslie mir über die Dynamik ihrer Beziehung erzählt hatte, aber ich betrachtete ihre Differenzen nicht als Problem und sagte ihr das auch, während ich die Sitzung leitete.

Leslie erklärte ihre Probleme detailliert und ich hörte zu und spielte zurück, was ich heraushörte:

"Es klingt, als wärst du sehr besorgt."

Ja, sie stimmte ausdrücklich zu.

"Und es klingt, als würdest du dich an David wenden, damit er deine Sorgen geringer werden lässt."

Ja, auch hier volle Zustimmung.

"Und wenn er es nicht schafft, dir deine Sorgen zu nehmen, findest du das unerträglich."

Ja.

"Und die einzige Abhilfe, die du dir schaffen kannst, ist, der Beziehung wieder und wieder den Saft abzudrehen, was du auch tust."

An dieser Stelle machte Leslie eine Pause, ließ die Worte auf sich wirken und schätze die Folgen, die sie haben könnten, ab. "Genau das tue ich", bestätigte sie schließlich.

Während unserer wöchentlichen Sitzungen stelle Leslie erschrocken fest, dass keine einzige Sache, die David sagen könnte, sie zufriedenstellen würde.

Jahrelang hatte sie geglaubt, dass David nur die richtigen Dinge sagen müsste, damit sie sich entspannen könnte. Diese Ansicht wurde von Freunden, Familie, Beratern und Fachautoren bestätigt.

Diese Überzeugung war so allgegenwärtig, dass niemand sie je in Frage stellte, obwohl sie nie zu einer glücklicheren Ehe geführt hatte. Doch in unseren Sitzungen fand Leslie heraus, dass diese Ansicht einfach nicht mit der Realität übereinstimmte.

Von diesem Punkt an eröffneten sich neue Möglichkeiten. Glücklicherweise gab es immer noch eine Anziehung, Liebe und Respekt zwischen Leslie und David.

Leslies Fähigkeit und Wille, ihre eigenen Erfahrungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen zu beobachten, waren ein Gewinn. Außerdem verzichteten beide darauf, sich gegenseitig die Schuld zu geben. Tatsächlich waren sie beide froh, endlich einen Ausweg aus ihrem Stillstand zu sehen.

Unsere Sitzungen konzentrierten sich noch mehr darauf, Leslie dabei zu helfen, die Ängstlichkeit in ihrem Körper wahrzunehmen und ihr Nervensystem direkt zu mäßigen. Das war eine völlig neue Erfahrung für sie.

Mit meiner Hilfe und ein wenig Übung lernte sie, sich durch Achtsamkeit auf ihre innere Gefühlswelt zu konzentrieren, anstatt ihre Ängstlichkeit und Sorgen reflexartig auf David zu übertragen.

Diese Veränderung erschuf ein erfrischendes Gefühl der Geräumigkeit zwischen den beiden. Sobald er nicht mehr mit dem Versuch beschäftigt war, mit Leslies Panik und ihren Forderungen mitzuhalten, war David endlich in der Lage, ihr zu helfen.

Sie ließ zu, dass David sie zur Besänftigung vorsichtig berührte, worin er gut war. (Solange sie von David erwartet hatte, "das Richtige zu sagen", hatte sie sich dem Gedanken vollkommen verschlossen, dass eine Berührung ihr helfen könnte, ihre Ängstlichkeit zu überwinden.)

Ich begann, kleine Experimente zwischen den beiden einzusetzen, damit sie herausfinden konnten, welche Art von Berührung jeder von ihnen in welchem Moment am meisten schätzt. Und sie entdecken weiterhin neue Wege, wie sie sich und einander beruhigen können.

Paradoxerweise konnte Leslie erst wirklich genießen, was David mit in die Beziehung einbrachte, nachdem sie sich von der Erwartung gelöst hatte, dass David sie auf eine bestimmte Art verstehen und bestätigen sollte.

Erst als sie einen Blick in sich hinein warf und die Verantwortung für ihre eigene Angst übernahm, konnte sie Befriedigung in Davids Verhalten finden. Nach 12 Jahren sind sie endlich losgelöst und der Prozess setzt sich fort, während eine Schicht nach der anderen endlich aufgedeckt wird.

Dieser Blog erschien zuerst auf justiceschanfarber.com und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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