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Wochenbettdepression: Mutter von 4 Monate altem Baby nimmt sich das Leben - es hätte nicht passieren dürfen

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Allison war in meinem Leben ein wunderschöner Sonnenstrahl.

Das Leben einer Frau, deren Mann in der Armee ist, kann manchmal einsam sein. Die vielen Umzüge, die Suche nach neuen Freunden und ein fremdes Haus in einer fremden Stadt zu einem neuen Heim zu machen - Allison kannte all das. Allisons Mann ist selbst bei der Armee und so kam sie direkt auf meinen Mann zu, kurz nachdem wir in ihre Nachbarschaft in Montgomery, Alabama, gezogen waren.

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Allison war klug und warmherzig - und erwartete wie ich ihr erstes Kind

Sie lud uns zu sich nach Hause ein, damit wir auch ihren Mann Justin kennenlernen konnten. Ich wusste schon sehr bald, dass wir hier den Freunde-und-Nachbarn-Jackpot gewonnen hatten. Es war leicht, Allison ins Herz zu schließen. Sie war klug und hatte die Fähigkeit, dass sich jeder in ihrer Nähe sofort willkommen, geliebt und aufgenommen fühlte. Ich wusste, dass wir Freunde fürs Leben gefunden hatten.

Wir beide erwarteten unser erstes Kind. Allisons Termin lag ein paar Monate vor meinem und in dem Jahr in Montgomery machten wir in vielerlei Hinsicht das gleiche durch. Wir waren gemeinsam schwanger, aßen gemeinsam Cupcakes, watschelten gemeinsam durch die Nachbarschaft und wechselten uns als Fahrer ab, so dass unsere Ehemänner an Wochenenden für zwei trinken konnten.

Ich wollte so sein wie Allison

Allisons Leidenschaft für ihren Beruf als Erzieherin und die Art und Weise, wie sie ihre Nichte und ihren Neffen vergötterte, spiegelten ihre Erfahrung und ihre Liebe zu kleinen Kindern perfekt wider. Ich vertraute ihrem Gespür für Babys und ahmte sie in allem nach.

Ich ging in denselben Geburtsvorbereitungskurs, kaufte den gleichen Kindersitz fürs Auto und den gleichen Kinderwagen. Ich besorgte mir sogar die gleichen Stillhütchen! Ich wollte so sein wie sie.

Sie war wunderbar, stand mitten im Leben, war lustig, loyal und klug und man konnte sich auf sie verlassen. Immer, wenn sie mich mit meinem riesigen Bauch sah, begrüßte sie mich mit den Worten: "Oh, du siehst wunderschön aus!".

Sie kämpfte mit Wochenbettdepressionen - und ich wusste von nichts

Natürlich sah ich das selbst bei einem Blick in den Spiegel ganz anders, aber sie schaffte es, dass ich mich großartig fühlte. Allison war eine fantastische Freundin.

Sie ging mit der Schwangerschaft und der Mutterschaft so gut um... nach außen hin.

Innendrin kämpfte Allison nur ein paar Meter von mir entfernt mit Wochenbettdepressionen. Ich hatte KEINE Ahnung.

Ich erkundigte mich nach ihren Hormonen, kurz nachdem Ainslee auf die Welt gekommen war. Freiheraus fragte ich, ob sie sich komisch fühle und viel weinte. Ich wollte wissen, was mit der Geburt unseres Kindes auf mich zukommen würde und wollte darauf vorbereitet sein.

Sie erzählte mir, dass sie schon ab und zu weine, aber dass es Freudentränen seien, weil Ainslee zugenommen habe und man schon kleine süße Baby-Speckrollen sehen könne. Sie bedeute ihr so viel und Justin sei so ein toller Vater. Weshalb ich nicht weiter nachbohrte? Ich bereue es jeden Tag, dass ich ihre Antworten einfach akzeptierte.

Wir vermissen sie jeden Tag

Meine schöne, scheinbare Freundin fürs Leben verlor ihren stillen Kampf mit den Wochenbettdepressionen am 28. Juni 2016. Sie hinterließ einen liebenden Ehemann, eine wunderbare viereinhalb Monate alte Tochter und unzählige Verwandte und Freunde, die sie vergötterten.

Ich vermisse sie jeden Tag und ich bin nicht einmal ein Familienmitglied. Den Schmerz, den sie verspüren müssen... ich mag es mir gar nicht vorstellen.

Meine Hoffnung ist die gleiche, wie die ihrer Familie: Nämlich, dass Wochenbettdepressionen endlich von ihrem Stigma befreit werden und dass andere Mütter, die an den Depressionen leiden, Allisons Geschichte lesen und sich Hilfe suchen.

Es kann unendlich hart sein, die Wahrheit auszusprechen - besonders wenn die Wahrheit schändlich zu sein scheint. Aber niemand muss sich für Wochenbettdepressionen schämen. Sich an das neue Leben als Mutter zu gewöhnen, gepaart mit den tobenden Hormonen, kann eine riesige Last sein. Eine Last, die niemals alleine getragen werden sollte.

Betroffene leiden unter Schuldgefühlen

Nicht jede Mutter durchlebt eine fröhliche und wunderbare Zeit. Manchmal ist diese Zeit auch dunkel, beängstigend, schlimm und unsicher. Und die Schuld! Die Schuld, die wir und die Gesellschaft uns auferlegen, ist gewaltig. Wenn unser Weg zur Mutterschaft nicht voller Blumen und Schmetterlinge ist, dann fühlen wir uns schuldig und beschämt.

Aber am Ende jeder Wochenbettdepression, mit der viele Mütter zu kämpfen haben, wartet ein Regenbogen. Es gibt Hilfe in vielfältiger Art und Weise, wir müssen sie nur zulassen: gute Freunde, unterstützende Ehemänner, Therapeuten, Selbsthilfegruppen oder Medikamente.

An alle Mütter, die etwas Ähnliches durchmachen und diese Gefühle kennen: Ihr seid nicht alleine und ihr seid keine schlechten Mütter! Die Wochenbettdepression belügt euch.

Sie verdreht eure Erinnerungen, eure Gefühle und Gedanken und sie betrügt euch. Niemand wird euch dafür verurteilen, wenn ihr euch Hilfe sucht, im Gegenteil, man wird euch dafür nur noch mehr lieben.

Bitte benutzt kein Reglan!

An die stillenden Mütter, die Reglan (Metoclopramid) nehmen, um den Milchfluss zu erhöhen: Tut das nicht und informiert euch. Reglan hat Nebenwirkungen, die eine Depression hervorrufen oder noch verschlimmern und zu akuter Selbstmordgefährdung führen können. Benutzt einen Muttermilchersatz falls nötig.

Euer Baby wird auch ohne Stillen zu einem tollen, gesunden Kind heranwachsen. Ein größerer Milchfluss ist es nicht wert, dass ihr eure geistige Gesundheit aufs Spiel setzt und möglicherweise euer Leben riskiert.

Bitte teilt Allisons Nachricht mit allen, die ihr kennt und geht auf junge Mütter zu. Helft ihnen bei ihren Problemen und zeigt ihnen eure Liebe. Betet für sie. Teilt eure eigenen Erfahrungen, so dass sie wissen, dass sie nicht alleine mit diesen Problemen sind.

Fragt immer wieder nach, auch wenn es schwer fällt. Ich wünschte, ich hätte es getan.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite "Her View From Home" und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(lm)