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Labile Geschäftsmodelle: Wie sicher sind FinTechs?

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BUSINESS PEOPLE
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FinTechs gelten als innovativ, schnell und unkonventionell. Doch zugleich scheitern die jungen Unternehmen immer wieder überraschend und werden ihrem Qualitätsanspruch nicht gerecht. Werbebotschaften suggerieren zwar Transparenz und Stabilität - doch finanziell nachhaltig sind die Geschäftsmodelle nicht unbedingt.

Die Liste deutscher FinTechs, die offline sind, wird immer länger. Erst kürzlich musste das gehypte FinTech Cashboard, ein digitaler Anlagevermittler, Insolvenz anmelden. Mehrere Millionen Euro haben Investoren bei dem bereits im Jahr 2010 gegründeten Spezialisten versenkt. Gibt es ein Muster bei solchen Schieflagen?

Welche Hausaufgaben haben die Finanz-Start-ups nicht gemacht?

Schon im vergangenen Jahr war Paymill, ein Dienstleister für Kreditkartenzahlungen in die „strategische Insolvenz" gegangen. Eine Übernahme war geplatzt, zudem wartete man zulange auf eine Bankgenehmigung.

Am Ende hat der Online-Zahlungsdienstleister, der im Jahr 2012 das Licht der Welt erblickte, den Besitzer gewechselt und sich nun zumindest offiziell zurückgemeldet. Final erwischt hatte es dagegen vor einigen Monaten das Berliner Banking-Start-up Avuba - nachdem es zwischendurch schon einmal offline gewesen war. Andere Finanzfirmen, darunter aus dem Rocket-Internet-Umfeld, mussten ebenfalls umstrukturieren.

Wenn selbst Firmen ihren Dienst einstellen, die bereits eine Weile am Markt sind, Alleinstellungsmerkmale besitzen und solide Partner haben, werden Marktteilnehmer hellhörig - und vor allem vorsichtig in puncto weiterer Finanzierungsrunden oder etwa Übernahmen.

Und auch Kunden schätzen es nicht, wenn sie auf ein möglicherweise schwaches Pferd setzen, bei dem man nicht weiß, ob die Kraft überhaupt bis zum Ziel reicht. Nun könnte eine Pleitewelle bevorstehen, unken viele Marktbeobachter.

Hinzu kommt: In Zeiten scheinbar allmächtiger Digitalisierung gibt es eine gewisse Phase der Rückbesinnung oder gar Entschleunigung. Es muss nicht mehr alles online sein, vermeintlich ausgestorbene Dienstleistungen aus dem Analogzeitalter feiern offenbar fröhliche Urständ.

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Ein Beispiel: Durch lange Wartezeiten bei Video-Ident-Dienstleistern wird plötzlich das traditionelle Post-Ident-Verfahren wieder attraktiver. Das setzt wiederum Anbieter unter Druck, die noch nicht so gefestigt am Markt agieren: Der Münchner Identifikations-Dienstleister IDnow erhält daher von der Agentur Creditreform nur noch die „Bilanzbonitätsklasse V". Das bedeutet "hohes Risiko" und spricht nicht gerade für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn altbackene Finanzdienstleister wie Creditreform so harsch über FinTechs wie IDnow urteilen.

Doch so hipp sich die jungen Start-ups geben - auch sie können ökonomische Grundgesetze nicht aushebeln: Die Kasse muss stimmen, die Verluste dürfen nicht höher als der Umsatz sein und vor allem benötigt man Kunden - die wiederum auch Vertrauen haben müssen. Der ehemalige AWD-Geschäftsführer Carsten Maschmeyer, der selbst Anteile am Fintech barzahlen.de hält, blickt denn auch ganz unsentimental auf die Zukunft der FinTech-Branche und geht davon aus, dass nur etwa jedes zehnte Unternehmen langfristig überleben wird. Diese Marktbereinigung kann dazu führen, dass je Geschäftssegment nur ein, zwei Dienstleister übrig bleiben.

Am Ende kann der Algorithmus, mit dem FinTechs die Finanzwelt revolutionieren wollten, noch so ausgeklügelt sein - auch er kann keine schwarzen Zahlen herbeizaubern. Obwohldas Geld der Investoren aktuell noch locker sitzt - irgendwann wollen sie ihr Geld zurück, und zwar gut verzinst. Sonst verschwinden FinTech schneller als die Wettbewerber alter Schule, die sie eigentlich ersetzen wollten.

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