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Immobilienboom: Warum das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist

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MUNICH
bkindler via Getty Images
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Aufgrund der hochschnellenden Mieten und Preise fragen sich viele, wie weit diese Entwicklung noch reichen kann. Droht Deutschland die nächste Immobilienkrise?

Blickt man auf die Preiseentwicklung wird vielen schwindelig. Die Nachfrage nach Miet- und Eigentumswohnungen steigt durch den wachsenden Zuzug nach München, Köln, Hamburg und Berlin immer weiter. Gemäß Aussagen des Immobilienverbands IVD sind 2016 die Preise für Bestandsimmobilien mit moderatem Wohnwert in den 14 größten Städten um mehr als 9,4 Prozent gestiegen.

Das ruft Skeptiker auf den Plan. Grund für diese Entwicklung ist vielerorts der Wohnungsmangel: Die Angebotsmieten in Berlin 2016 sind im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent angestiegen. Zugleich ist zu konstatieren, dass in der Hauptstadt 2015 lediglich 10.000 Wohnungen gebaut wurden, während der Bedarf bei ca. 23.000 Wohnungen lag.

Diese Differenz regt zum Nachdenken darüber an, ob es sich bei dem Boom tatsächlich nicht nur um eine Übertreibung, sondern viel mehr um den Eindruck eines akuten Mangels handelt.

Die Rahmenbedingungen geben Trend Auftrieb

Besonderen Schub gewinnt die aktuelle Entwicklung dabei durch die politischen Rahmenbedingungen: Die lockere Notenbankpolitik der EZB sorgt für eine günstige Finanzierung der Immobilienprojekte und eine hohe Attraktivität bei Investoren. Gleichzeitig sind bei den derzeitigen Niedrigzinsen keine renditeträchtigen Alternativen vorhanden. Neben dem konstanten Zuzug in die Großstädte ist dies ein wesentlicher Grund für den Immobilienboom.

Roland Franke, Abteilungsleiter für Finanzmarktregulierung beim Zentralen Immobilienausschuss, einem Mitgliedsverband der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland äußert sich daher optimistisch:

"Wir haben eine sehr gute wirtschaftliche Situation in Deutschland. Die Beschäftigung ist auf Rekordhoch. Da haben natürlich viele Leute in der Tat auch eine gute Grundlage, jetzt eine Immobilie zu kaufen. Und wenn dann noch, wie aktuell, dazukommt, dass es eben auch wenig sinnvolle Anlagealternativen gibt, dann ist natürlich klar, dass die Nachfrage steigt."

Zugleich sorgt auch der bevorstehende Brexit für Fantasie am Immobilienmarkt. Durch die Verschließung des Zugangs zum europäischen Binnenmarkt wird es erwartungsgemäß zu Standortverlagerungen von aktuell noch in Großbritannien ansässigen Unternehmen kommen. Großstädte wie Berlin, Frankfurt und München dürften als attraktive Metropolen in einem hohen Maße von dieser Entwicklung profitieren.

Immobilie als Kapitalanlage wird interessant

Neben den politischen Anstrengungen weiteren Wohnraum zu schaffen, erstrecken sich daraus auch Chancen. Nachhaltige Sanierungen und Modernisierungen sind ein Lösungsvorschlag den akuten Wohnraummangel in den urbanen Gebieten Herr zu werden. Immobilien in urbanen Top-Lagen können als wichtiger Baustein für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge gesehen werden.

Nach Ansicht des Gebäude- und Wohnungsmarktexperten Sascha Klupp, ist eine durch den geringen Wohn- und Gewerberaum nachhaltige Sanierungen unumgänglich: „Noch immer gibt es zahlreiche modernisierungsbedürftige Flächen in den zentralen Lagen der Städte. Gerade in dem jetzigen Wachstumsregionen gilt es, in den Großstädten neuen Wohnraum zu schaffen, und das möglichst schnell. In den zentralen Lagen wird das Tempo der Preisentwicklung in den kommenden 3 Jahren sogar noch weiter zunehmen."

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Die überwiegend jungen und vielfach gut ausgebildeten Neubewohner schätzen die hohe Lebensqualität in Berlin und sorgen für einen ebenso kräftigen wie nachhaltigen Preisauftrieb am Wohnungsmarkt. Die Push-Faktoren in den „A-Städten" sind dabei nachhaltiger Natur und werden auch in der kommenden Dekade für Auftrieb sorgen.

Von einer Überhitzung des Immobilienmarktes kann daher summa summarum noch keine Rede sein. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2009 werden keine verbrieften Hypothekenkredite vergeben, bei denen vorhandene Risiken nicht mehr erkennbar waren, obwohl sie dennoch hohe Renditen versprachen. Zugleich sprechen die ökonomischen Push-Faktoren für eine nachhaltige Entwicklung am Immobilienmarkt.

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