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Ja, ich bin Mama und ja, ich bin trotzdem cool

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MUTTER TOCHTER
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Letztens fragte mich meine sechs(!)jährige Nachbarstochter, ob ich manchmal eigentlich auch etwas anderes als Turnschuhe trage. Wenn ich "zum Beispiel auf Parties gehe." Sie selbst führte mir gerade ihre neuen, weißen Schuhe vor; ihre ersten mit Absatz. Ich musste ja ein bisschen müde lächeln. Parties....doch, ja, ich glaube, ab und an gehe ich noch auf Parties. Die gestalten sich bei mir nur mittlerweile etwas anders als noch vor fünf Jahren. Oder zehn.

Oh Gott. Vor zehn Jahren. Da war ich zwanzig. Zwanzig! Kennt ihr das? Dieses Gefühl, wenn man glaubt das Jahr 2006 war gerade erst? Die erste Jugendliebe, das erste romantische Prickeln, laue, durchtanzte Sommernächte. Und plötzlich - Boom! Bist du sesshaft, hast ein oder zwei Kinder (oder mehr!) und lebst genau das Spießerleben, dass du in jungen Jahren niiiiienienie führen wolltest. Und das krasse: Du GENIEßT dieses Spießerleben!

Ich habe festgestellt, dass sich im Laufe der Jahre, im Laufe des Prozesses des Erwachsenwerdens die Vorstellungen davon, wie das eigene Leben aussehen soll, stark verschoben haben. Mit 15, 16 wollte ich Journalistin werden, herumreisen, die Welt entdecken.

Niemals heiraten und in wilder Ehe mit meinem Mann und meiner Tochter (damals habe ich mir, wenn überhaupt, nur ein Kind vorstellen können und das musste ein Mädchen sein - bescheuert, oder?) im VW-Bus als Freelancer durch Europa und Australien ziehen. Ziemlich exotisch, nicht wahr?

NatĂĽrlich haben sich die Dinge ganz anders entwickelt. Und das ist gut so. Ich habe geheiratet, mit meinem Mann zwei wundervolle Leben geschaffen, die unsere wiederum bereichern und bevorzuge heute auch eher die Sicherheit einer festen Arbeitsstelle. Dennoch habe ich mir ein klein wenig Exotik bewahrt.

Man muss auch mal aus dem Alltag ausbrechen können

Wobei..."ausbrechen" ist hier vielleicht das falsche Wort...ich glaube, richtiger ist "spontan sein". Nicht immer sagen "Nein, weil....die Kinder.....der Job....das Haus...." Ich halte es für unglaublich wichtig, innerhalb der herrschenden Alltagsroutine, so schön sie auch ist, immer auch kleine Auszeiten einzuschieben und vor allem - nicht am Leben vorbeizuleben.

Ja, wir haben zwei Kinder. Aber ja, wir gehen trotzdem raus, auch mal ohne die Kids. Ich gehe mindestens einmal die Woche laufen. Mein Mann trifft sich wenigstens einmal die Woche mit seinen Kumpels. Letztens war mein Mann mit Wakeboarden, die Kids und ich am Strand (nächstes Mal wird getauscht!!). Im Sommer steht ein Boots-Urlaub auf dem Programm und auch sonst achten wir darauf, unsere Freizeit mit den Kindern nicht nur auf dem Spielplatz zu verbringen, sondern unsere Kids für Dinge zu begeistern, die auch uns - als Erwachsenen - Spaß machen.

Keep calm and be cool

FrĂĽher hatte ich ein ziemlich genaues Bild davon im Kopf, wie eine Mutter sein sollte:

1. Sie redet in Babysprache. Im besten Falle nur mit ihrem Kind.
2. Ihre gesamte Welt dreht sich einzig und allein um das Kind.
3. Die Partytage sind gezählt. Statt Lippenstift und Handtasche heißt es nun vollgespuckte Bluse und Tragetuch.
4. Soziale Kontakte? Fehlanzeige! Und wenn, beschränken die sich auf Krabbelgruppe, Babysitter und andere Mütter - oder die eigene.
5. MĂĽtter sind vieles - aber ganz sicher nicht cool.

Was fĂĽr ein Quatsch!

Tatsächlich ist es so, um das Ganze mal für diejenigen, die Ähnliches glauben, wie ich einst, richtig zu stellen:

1. Ich selber rede nicht einmal mit unseren Kindern in Babysprache. Die Worte "Dutzi Dutzi" haben noch nie meinem Mund verlassen und Sätze wie "Na, muss mein kleiner Wutzi-Schatzi mal kakakaka?" kämen niemals über meine Lippen.

2. Das stimmt zum Teil. Meine Kinder stehen in jeder Entscheidung, die ich bzw die wir treffen, an erster Stelle.

3. "Party" bedeutet für mich nicht mehr, durchzechte Nächte in irgendwelchen Clubs zu verbringen. Eher sind daraus gemütliche Abende mit Freunden geworden, mit einem alkoholfreien Sektglas in der einen und dem Babyfon in der anderen Hand.

4. Auch das stimmt zum Teil. Die sozialen Kontakte ändern sich. Und zwar ganz einfach - wer mich mit Kind nicht akzeptiert, fliegt aus meiner Kontaktliste :) Im Gegenzug kommen tatsächlich neue Menschen - nicht nur, aber auch: Mütter - hinzu. Doch dass das soziale Leben vollends auf der Strecke bleibt, ist Blödsinn.

5. So. Und nun zur "Kernfrage": Wie "cool" ist man als Mutter noch? Ich denke, das liegt bei jedem selber. Ich persönlich sehe mich nicht als Hausmütterchen, dass den ganzen Tag nur mit Herzchenaugen ihre Kinder betrachtet und alles und jeden anderen um sich herum ausblendet. Man kann auch trotz Kind - oder gerade mit - up to date bleiben.

Am Weltgeschehen teilhaben und sich weiterhin für Musik, Mode, Politik undundund... interessieren. Sich mit Freunden treffen, Spaß haben, lachen, quatschen, abends ausgehen. Nur mit dem Unterschied, dass, wenn man abends nach hause kommt, da ein kleiner Mensch auf einen wartet. Oder währenddessen nebenan im Kinderwagen oder in der Babytrage mit von der Partie war. Uncool? Nö. Sogar ziemlich cool.

Kinder machen uns erwachsen - und wieder zu Kindern

Spätestens, sobald man Kinder hat, ändert sich die Sicht auf viele Dinge. Vieles, was früher als unwichtig erachtet wurde, gewinnt plötzlich an Priorität - und andersherum. Früher habe ich größtenteils im Hier und Jetzt gelebt. Dinge vorausschauend zu planen, war keine meiner Spezialitäten. Nicht, weil ich es nicht konnte, sondern weil ich es nicht wollte. Das sieht heute natürlich ganz anders aus.

Ich versorge die Kinder morgens alleine, bringe den Großen in die Kita, gehe mit der Kleinen spazieren und erledige die Einkäufe, kümmere mich um meinen Blog, neue Designs und Produkte, plane und schmiede Pläne für die Zeit nach der Elternzeit, kümmere mich um Baby, Haushalt, Garten, hole den Großen wieder aus der Kita ab und verbringe den Nachmittag mit den zwei kleinen Wieseln.

Früher war mir wichtig, dass meine Frisur auch wirklich täglich eine Frisur ist. Heute sind Mombun und Pferdeschwanz meine täglichen Begleiter. Contouring? Kann ich, gehört aber nicht zu Punkt 1 auf der Tagesordnung. Und um zum Anfang des Beitrags zurückzukommen. Hohe Schuhe. Besitze ich. Trage ich so gut wie nie.

Bin a) sowieso eher der sportlich-lässige Typ und b) der Gedanke in Pumps den Kinderwagen zu schieben und dem Großen hinterherzurufen: "Halt, fahr nicht so schnell! Nein, lass das liegen, das ist Müll! Nein, da nicht rein, das ist ein fremdes Grundstück" erscheint mir eher lächerlich - und zudem hächst unpraktisch. In Nikes kann ich einfach schneller reagieren :)

Ich habe mich verändert. Ich bin erwachsen geworden. Ich übernehme Verantwortung für mein Leben und das meiner Kinder sowie für unsere gemeinsame Zukunft als Familie. Dennoch habe ich mich nicht verloren. Soll ich ehlich sein? Ich habe sogar mich als Kind wiedergefunden. Dazu angetrieben werde ich von diesen zwei kleinen Menschen.

Ich male wieder. Ich mache Seifenblasen. Ich spiele Fußball. Ich tobe und krabble auf allen Vieren durchs Wohnzimmer. Ich singe. Ich lese Bücher (vor). Ich lache darüber, wenn mein Großer nach dem Essen rülpst. Oder ins Wasser blubbert. Ich mache mit dem Mund für meine Tochter Pupsgeräusche und sie amüsiert sich köstlich darüber. Ich schaue wieder das Sandmännchen. Im Grunde bin ich wieder ein Kind - oder besser - eine Erwachsene mit der Lebensfreude und der teilweisen Unbeschwertheit eines Kindes.

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