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Coffee to go again - ein prinzipieller Mehrwert

09/03/2016 12:00 CET | Aktualisiert 10/03/2017 11:12 CET
AleksandarNakic via Getty Images

Der Kaffee am Morgen auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit gehört für viele von uns ganz selbstverständlich zum gängigen Lifestyle. Am besten noch zusammen mit dem Smartphone in der anderen Hand. Auch in der Mittagspause ist es ein beliebter Anlass, sich bis zum nächsten Coffeeshop die Beine zu vertreten und mit dem Pappbecher in der Hand einen Plausch mit Kolleg*innen zu halten.

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Wissen wir eigentlich, was wir uns damit antun?

Ist diese Lebensweise nicht für uns Menschen mehr Stress als Genuss? Würden wir nicht mehr Entspannung tanken, wenn wir an der Theke bei einer Tasse Espresso mit dem Barista mal über etwas anderes reden als den Job? Oder wir in einem Café in Ruhe den Kaffee genießen?

Diese Lebensweise schadet in jedem Fall der Umwelt, unserem Planeten: Denn was ich mir als Einzelner an Luxus leiste, gönnen sich viele andere eben auch. Und so landen jede Stunde 320.000 Einwegbecher im Müll. Und das allein in Deutschland. Laut Deutscher Umwelthilfe bedeutet das pro Jahr in Zahlen: 43.000 Bäume, 1,5 Milliarden Liter Wasser, 22.000 Tonnen Rohöl, 320 Millionen kWh Energie und damit 111.111 Tonnen CO2-Emissionen.

Damit nicht genug

Hinzu kommt: Der scheinbar harmlose Pappbecher ist, weil innen mit Kunststoff beschichtet, nicht recyclingfähig. Der Verzicht auf Plastikdeckel und -rührstäbchen mag ein kleiner Schritt sein, der Pappbecher aber bleibt als Problem bestehen. Und nach 15 Minuten landet er im Müll. Im öffentlichen Müll.

Allein in der Stadt München werden die Mehrkosten auf 3.000 € jährlich geschätzt

Die voluminösen Teile füllen die Abfallbehälter schneller, diese müssen häufiger geleert werden. Das kostet viel Geld. Und nein, der sogenannte „Bio Becher" aus z. B. Maisstärke ist keine Alternative.

Denn für die Herstellung wird die gleiche Menge an Ressourcen (Wasser, Energie und damit CO2) benötigt, er landet ebenfalls im öffentlichen Müll und wird also genauso verbrannt wie der konventionelle Pappbecher und eben nicht verkompostiert.

Was tun?

Zugegeben: Auch ich gehe nicht immer lieb mit mir um und trinke gern meinen Kaffee unterwegs. Oder die Sonne lockt und ich genieße ihn bei einem Spaziergang. Seit einem Jahr aber nur noch in meinem eigenen Becher, der schon zum Inventar meiner Handtasche geworden ist.

Vor einem Jahr habe ich dann auch den Beschluss gefasst, noch mehr Menschen auf die Umweltsünde Pappbecher aufmerksam zu machen und das Projekt „Coffee to go again" ins Leben gerufen.

Simple Idee: Bäckereien, Cafés & Co. werben mit dem Logo von „Coffee to go again" aktiv für den Ausschank im Mehrwegbecher. Wer will, gewährt einen Rabatt oder bietet sogar vor Ort Mehrwegbecher zum Kauf an. Langfristig habe ich die Vision eines Pfandsystems. Deutschlandweit. Europaweit. Weltweit.

Ist das erlaubt?

Und wie ist es mit der Hygiene? Kein gesetzliches Verbot, aber die Betreiber*innen tragen das Haftungsrisiko. Insofern ist es also von jedem Mitglied von „Coffee to go again" ein mutiges Statement Richtung Lebensmittelüberwachungsämter, mit dem Logo zu werben.

Mittlerweile tun das schon bald 80 Betriebe in Deutschland. Auf der Facebook-Seite gibt's die Infos, wer mit dabei ist und auch die Möglichkeit, die Sticker mit dem Logo zu bestellen.

Ausblick

Ich freue mich, dass meine private Initiative inzwischen mit zahlreichen Beiträgen im Radio, in Print- und Online-Medien und auch im Fernsehen eine breite Öffentlichkeit erreicht hat. Darüber hinaus freue ich mich, dass in München und in Regensburg das Projekt sogar vom Stadtrat aufgegriffen wird.

Mein ursprüngliches Ziel, meine Mitbürger*innen zu sensibilisieren, habe ich also in einem hohen Maße erreicht. Um dieses Ziel zu erreichen, musste ich jedoch viele Stunden und auch Geld aus eigener Tasche investieren. Weit mehr als 500 Stunden und mehr als 400 Euro habe ich in das Projekt gesteckt. Zuletzt waren es etwa 20 Stunden pro Woche. Zusätzlich zu Studium und Job. Und wisst Ihr was? Ich habe das gerne gemacht, es war mir jeden Cent wert.

Die Politik muss sich dieses Themas annehmen

Aber: Nur ein Mehr vom Selben, mit meinen eigenen begrenzten Möglichkeiten an Zeit und Geld, wird meine Idee - Coffee to go again - nicht zum notwendigen umfassenden Durchbruch verhelfen. Der Schwerpunkt meiner weiteren Aktionen heißt daher: Die Politik muss sich dieses Themas annehmen. Bis es soweit ist, freue ich mich natürlich weiterhin über zahlreiche Bestellungen des Stickers - und über Erstattung der Portokosten.

Die Politik muss handeln

Und damit meine ich nicht nur Stadträte, die im kommunalen Bereich nur sehr beschränkt aktiv werden können. Ich rede von Landesregierungen, Bundesregierung und EU-Parlament. Wir haben keine Zeit mehr, Ressourcen in dieser Größenordnung für unseren Lifestyle zu verschwenden.

Mikroplastik landet in unseren Weltmeeren, Fische und Vögel verenden daran. Die Abholzung der Wälder verringert den Kohlenstoffspeicher und zerstört den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten und bedeutet so eine Katastrophe für manches Ökosystem. CO2-Emissionen heizen unsere Erde auf, lassen die Polkappen schmelzen. Ihr kennt die Szenarien.

Ist eine Besteuerung von Einwegbechern die Lösung?

Die Berliner Landesregierung erwägt bereits eine Strafzahlung von 20 Cent pro Becher. Das kann ein sinnvoller Zwischenschritt sein und politisch klarstellen, dass diese Becher schädlich sind. Ich erkenne allerdings nicht, dass durch diese Maßnahme tatsächlich Müll vermieden wird. Wer sich den Cappuccino to go für 3 Euro leisten will, tut dies auch für 3,20 Euro.

Bis die Politik also nachhaltig aktiv wird und für eine praktikable, flächendeckende Lösung sorgt, bitte ich Euch, Euch selbst und der Umwelt etwas Gutes zu tun: Habt den eigenen Becher mit dabei, oder vielleicht noch besser, gönnt Euch eine Kaffeepause im Sitzen. Wir haben keinen Planeten B!

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