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Wie du dein Buch in einem Verlag veröffentlichst

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Die Frage „Wie kann ich mein Buch veröffentlichen?" ist eine Frage, die ich mir jahrelang gestellt habe. Seit einigen Jahren bekomme ich sie selbst meist ziemlich schnell gestellt, wenn jemand herausgefunden hat, dass ich schreibe und veröffentliche. Und immerhin kenne ich jetzt Antworten. Wobei eine davon ist, dass es viele Wege gibt, ein Buch zu veröffentlichen.

In diesem Artikel geht es um die Veröffentlichung im Verlag, ganz klassisch. Und zwar in einem Verlag, der die Autoren bezahlt und nicht umgekehrt. Es kostet nichts, ein Buch über einen Verlag zu veröffentlichen. Wenn ein Verlag Geld von dir möchte, bist du bei einem Druckkostenzuschussverlag gelandet, von dem du dich fernhalten solltest. Das heißt allerdings nicht, dass bestimmte Service kein Geld kosten können. Ein Wunder übrigens, dass es immer noch Druckkostenzuschussverlage gibt, so einfach (und kostenlos) wie Selfpublishing geworden ist.

Wie finde ich einen Verlag?

Wie findest du also einen Verlag, der dein Buch veröffentlicht? Du musst den Verlag davon überzeugen, dass dein Buch perfekt in das Verlagsprogramm passt.
Das kannst du machen, indem du dein Buch per E-Mail (von den meisten Verlagen bevorzugt) oder auf Papier anbietest. Oder du suchst dir eine Literaturagentur, die das für dich macht. In den letzten Jahren wurde diese Arbeit nämlich zunehmend von Agenturen übernommen. Es gibt Verlage, die arbeiten nur mit Agenturen zusammen, gerade die großen, sogenannten Publikumsverlage, die sich mit dem Programm an eine breite Öffentlichkeit wenden. Ich erkläre dir weiter unten, wann du eine Agentur nutzen solltest.

Am Merkwürdigsten scheint doch das Missverhältnis zu sein zwischen den Autoren, welche Verlage suchen und den Verlagen, die immer wieder erklären, dass die Neu-Autoren suchen. Und es stimmt! Verrückt! Die Verlage suchen nämlich nach bestimmten Genre und die Autoren bieten häufig die Bücher nicht genau für die gesuchten Genre und die gesuchten Kategorien an.

Eine kleine Bemerkung vorab: Veröffentlichen ist überbewertet

Waaaaas? Du hast gut reden, du BIST ja veröffentlicht! Werden einige sagen. Und der Satz ist auch nicht von mir. Sondern von Annie Lamott, die ihn in ihrem wundervollen Buch Bird by Bird - Wort für Wort. Anleitungen zum Schreiben und Leben als Schriftsteller erwähnt. Sie meint damit: Veröffentlichen löst nicht alle Probleme. Manchmal ist der Fokus so sehr aufs Veröffentlichen gerichtet, dass das Schreiben zu kurz kommt.

Bevor du den ersten halbwegs fertigen Entwurf rausschickst, schicke ihn erst zu deiner Schreibgruppe. Oder nutze z.B. Wattpad und andere tolle Online-Plattformen, um dich auszutauschen. Aber jetzt geht's weiter.

Der Weg zur Veröffentlichung sieht ungefähr so aus:

1. Schreibe ein gutes Buch
2. Beschreibe deine Buchidee in einem Satz
3. Genre bestimmen beziehungsweise bei Sachbüchern die Marktplatzierung und Kategorie
4. Verlage oder Agenturen recherchieren
5. Anschreiben, Exposé und Leseprobe vorbereiten
6. Beides entsprechend der Anforderungen von Agentur oder Verlag abschicken
7. Warten
8. Zusage ODER Absage bekommen. Mach weiter oder beginne neu bei 1

Aber gehen wir noch mal auf die einzelnen Punkte ein.

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1. Schreibe ein gutes Buch

Du willst veröffentlichen? Du möchtest ein Buch schreiben? Schreib ein gutes Buch. Ha! Was war das denn bitte für ein Tipp? Ich meine es ernst. Schreibe so gut, wie du kannst. Beschäftigte dich mit dem Schreiben. Lies Ratgeber darüber. Lies Bücher aus dem Genre, in dem du schreiben willst. Suche dir eine Schreibgruppe. Melde dich für meine kostenlose Videoserie mit drei Lektionen über das Schreiben an. Schreiben ist ein Handwerk mit Techniken, die du zu großen Teilen lernen kannst.

Du kannst dir nicht vorstellen, wie schlecht einige Manuskripte sind, die Verlage zugesandt bekommen. Sie sind nicht nur voller Rechtschreibfehler. Die Verfasser haben sich zum Teil nicht mit den Grundregeln von wörtlicher Rede, Dialogaufbau oder Erzählperspektive auseinandergesetzt. Aber um dies zu beherrschen, muss man kein Genie sein. Solche Dinge kann man einfach lernen. Auch ein Maler muss die Aquarelltechnik erst einmal lernen. Und ja, es gibt auch einen Handlungsaufbau, den man lernen kann.

Das bedeutet nicht, dass du später einen schematischen Hollywoodfilm schreiben musst. Du kannst wirklich machen, was du willst. Du kannst deine eigenen Regeln entwickeln. Aber wenn du nicht weißt, in welcher Erzähltradition du dich bewegst und was die Erwartungshaltung deines Lesers ist, dann wirst du ein schlechteres Buch schreiben.

Gleichzeitig: Lass dich nicht entmutigen. Hast du schon mal gedacht: Wie konnte dieses Buch einen Verlag finden? Es ist soooo schlecht! Nimm das als Ermutigung. Auf dem Buchmarkt ist Platz für viele Geschmäcker und für viele Bücher. Schreibe so gut, wie du kannst.

Normalerweise muss man das erste Buch, insbesondere einen Roman, fertig geschrieben haben, bevor man einen Verlag suchen kann. Kein Verlag riskiert, dass du als Erstlingsautor, deinen angefangenen Roman gar nicht fertig bekommst. Etwas anders ist es beim Sachbuch. Hier können, gerade wenn du in deinem Fach sehr kompetent bist, eine Outline und ein überzeugendes Probekapitel reichen, um einen Verlag oder eine Agentur zu finden.

2. Beschreibe deine Buchidee in einem Satz

Lerne deine Buchidee in einem Satz oder wenigen Sätzen darzulegen. Das wirst du immer wieder tun müssen, wenn du es jemandem vorstellt. Das brauchst du in jedem Gespräch und im Anschreiben. Wenn du nicht beschreiben kannst, worum es in deinem Buch geht, dann liegt wahrscheinlich etwas im Argen. Und nur, wenn du selbst diesen Kern deines Buches begreifst, kannst du es meiner Meinung nach auch vernünftig schreiben. Dann verstehst du, das zugrundeliegende Thema, kannst vielleicht mit Variationen spielen undsoweiter. Es wird dir selbst einfach enorm weiterhelfen.

3. Genre für Roman bestimmen, Marktplatzierung und Kategorie des Sachbuchs bestimmen

Roman

Was vielen anfangs nicht klar ist, dass das Genre absolut entscheidend bei der Marktplatzierung ist. Es gibt Frauenromane, Krimis, Thriller, Romantische Fantasy, Jugendromane und und und. Du solltest dein Buch irgendwo einordnen können. Und nein, es ist kein Vorteil und kein Zeichen deiner Genialität, wenn man es nirgends einordnen kann. Sieh es anders herum: Es ist ein Zeichen deiner Genialität, wenn du dein - eigentlich völlig aus dem Rahmen fallendes geniales Werk - überzeugend in eine Kategorie einordnen kannst. Denn dann kannst du auch einen Agenten oder einen Verlag überzeugen. Alles klar? Verrate niemandem, dass dein Werk außerhalb jeder Kategorie steht!

Sachbuch

Du musst für ein Sachbuch ein Exposé schreiben, das etwas anders geartet ist. Es ist viel mehr auf den Markt ausgerichtet, beinhaltet zum Beispiel eine Art Marketingstrategie, Businessplan, wie auch immer du es nennen willst.

Du musst das Marktumfeld zeigen und überzeugend darstellen, warum dein Buch in diesem Umfeld erfolgreich sein könnte. Du kannst zum Beispiel auf ähnliche Titel verweisen und auf Trends und wiederum darstellen, warum dein Buch anders ist als die anderen Titel. Typische Produktkategorien sind Ratgeber, Kochbücher oder Gesundheit. Eine große Kategorie bildet das erzählende Sachbuch, etwa erzählende Reisebeschreibungen, ein sehr schönes Genre. Schau dir wiederum die vielen Kategorien im Buchladen und in den Online-Shops an.

Alles, was aus dem Rahmen fällt, ist eher schwerer an eine Agentur oder einen großen Verlag zu verkaufen. Dazu gehören zum Beispiel Gedichte, superdicke oder superdünne Romane, Sachbücher von Laien, Memoiren, die zu gewöhnliche Lebenswege nachvollziehen (ich persönlich mag solche Memoiren!), Aufsatzsammlungen, Kurzgeschichten oder supernischige spirituelle Literatur. (Bitte suche das Wort "supernischig" jetzt nicht im Duden.)

Viele Geschichten sind einfach nicht kommerziell genug, um bei den sogenannten großen Publikumsverlagen unterzukommen! Dafür gibt es ja unzählige weitere Verlage! Schaut euch auf der Messe um, wie bunt es ist. Die oben beschriebenen Bücher haben auch eine Chance, aber dann wahrscheinlich eher bei kleineren Verlagen und nicht bei einer Literaturagentur.

Brauche ich eine Agentur oder gehe ich direkt zum Verlag?

Noch vor einigen Jahren gingen viele Bücher direkt vom Autor an den Verlag. Das hat sich in den letzten Jahren, als sich auch die Lektorate vieler Verlage verkleinert haben, sehr verändert. Die Arbeit der Manuskriptsuche wird eher outgesourct an die Agenturen, die dann den Verlagen schon ein vorselektiertes Programm liefern. Außerdem werden in Deutschland ja auch sehr viele Lizenzen von amerikanischen Autoren gekauft. Denn die Agenturen wissen, was die Verlage wollen und so sparen sich die Lektorate viel Zeit. Häufig arbeiten Agenturen eng und freundschaftlich mit den Verlagen zusammen. Gut, manchmal natürlich auch nicht, es wird schließlich auch verhandelt...

Wann benötige ich also eine Agentur?

Insgesamt hilft eine Agentur bei der Verlagssuche, aber auch beim Verhandeln der Verträge. Eine gute Agentur hilft dir beim Aufbau deiner Verlagskarriere.

Aber auch die Agenturen sind wählerisch. Natürlich möchten sie ihre Zeit nicht verschwenden mit Manuskripten, für die sie keinen Verlag kennen und Chancen sehen. Schließlich werden sie auf Provisionsbasis bezahlt, meist um die 15%. Auch hier gilt: Lyrik, Aufsätze, Reiseberichte und andere nicht lukrativ verkäufliche Genre werden von Agenturen gewöhnlich nicht vertreten. Von 15% von sehr wenig können sie auch nicht leben.

Klingt hart, oder? Literatur - das ist doch voller Idealismus und Überzeugung und cooler "Vibes"! Geht es denn allen wirklich nur ums Geld? Nun ja, wenn du zu einem großen Publikumsverlag möchtest und selbst Geld bekommen möchtest, dann ganz gewiss. Und doch würden die Mitarbeiter des Verlags bei McKinsey wohl mehr verdienen. Sie sind meiner Erfahrung nach mit super viel Herzblut dabei - aber das schließt eine Marktorientierung ja nicht aus!

Wenn du über die Buchmessen schlenderst, siehst du zudem viele Kleinverlage, die aus Überzeugung und Idealismus handeln und eher am Existenzminimum operieren. Und du selbst kannst dein Buch schließlich auch einfach kostenlos veröffentlichen, wenn du magst. Das ist heute alles möglich! Wobei es nicht ausreicht, ein kostenloses Buch anzubieten, um sicherzustellen, dass es viele Leser findet. Falls du Geld verdienen willst, musst du das Ganze auch als Business sehen. Bücher werden für den Markt gemacht.

Es ist insgesamt ähnlich schwer, eine Agentur zu finden wie einen Verlag. Am meisten Sinn macht es für dich, wenn du in einem „populären" Genre unterwegs bist, also im Bereich Unterhaltungsromane, Krimis, Thriller, Jugendromane, Liebesroman, aber auch im literarischen Bereich. Hier suchen Agenturen Bücher, denn hier werden auch die größten Vorschüsse bezahlt.

Wenn du eher in einer kleineren Nische schreibst, dann brauchst du keinen Agenten, sondern würdest dich direkt an die Verlage wenden.

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Welche Agentur ist die richtige für mich?

Es geht hier nicht darum, eine berühmte Agentur zu haben, sondern eine, die einen mag, dein Schreiben schätzt und mit Leidenschaft vertritt. Eine Literaturagentur garantiert noch nicht, dass dein Buch auch verkauft wird.

Aber einige große Verlage nehmen auch in Deutschland überhaupt keine Manuskripte mehr ohne Agentur an. Kleine allerdings schon, da kann eine Agentur sogar ein Hemmnis sein.

4. Verlage oder Agenturen recherchieren und geeignete von beiden oder einer Sorte herausfinden

Du solltest dir also möglichst auf der Webseite der Agenturen anschauen, auf welches Genre die Agentur spezialisiert sind. Du musst sowohl bei den Verlagen, als auch bei den Agenturen genau recherchieren. Es bringt nichts, ein Manuskript zu versenden, das vom Genre her ausdrücklich nicht vertreten wird!

Deshalb, ich kann es nur nochmal wiederholen: Du solltest dein Buch nicht anbieten, indem du darstellst, warum es anders ist als alles je Dagewesene. Es ist natürlich anders, jedes Buch ist individuell. Aber beim Anbieten ist es günstiger, die Gemeinsamkeiten mit anderen, möglichst beliebten Genre darzustellen. Natürlich gibt es ernsthafte Literatur, im Verlagsjargon spricht man manchmal von Hochliteratur. Da sind die Regeln etwas anders und ich möchte sagen, zum Glück. Aber die meisten Bücher der Hochliteratur werden durch Literaturpreise finanziert, die Auflagen sind häufig eher klein - umso großartiger, wenn Autoren wie z.B. Jonathan Franzen oder John Irving früher diese ganze Einteilung in verschiedene "Wertigkeiten" der Literatur aushebeln. Sie sind literarisch und populär. Großartig.

Und denke daran, dass es heutzutage sehr viele Wege gibt, um ein Buch zu veröffentlichen. Schau dir auch die Möglichkeiten an, ein Buch über Selfpublishing zu veröffentlichen.

5. Anschreiben, Exposé und Probekapitel vorbereiten

Ich habe einen Artikel über das Schreiben von einem Exposé für einen Roman auf meiner Seite. Zum Sachbuch-Exposé kannst du dir auch den Artikel hier anschauen, den ich hilfreich fand. Das Anschreiben ist eine freundliche, aber auch persönliche Mail oder ein Brief, in dem du kurz beschreibst, was für ein Buch du anbieten möchtest. Hier ein paar Punkte, auf die du achten solltest.

Anschreiben in Stichpunkten

• Nicht länger als eine Seite. Das gilt auch für die Länge einer entsprechenden E-Mail. Komme direkt zum Punkt, nenne Titel und Genre und Anliegen gern schon im ersten Absatz. Schreib einen Betreff mit dem Arbeitstitel (so nennen die Verlage die vorläufigen Titel eines Projekts, also deinen Titel) und „Manuskriptangebot" oder ähnliches
• Ton: Schreibe das Anschreiben deinem Genre oder deinem Thema angepasst. Falls du ein Sachbuch über die Taliban schreibst, ist der Ton natürlich anders, als wenn du eine romantische Komödie anbietest.
• Versuche natürlich zu bleiben und mach dich nicht zu steif und überformell. Authentizität und Natürlichkeit gepaart mit Höflichkeit ist, denke ich, die beste Formel.
• Das Anschreiben erfüllt den Zweck, der Agentur oder dem Verlag, dein Buch und dich selbst vorzustellen. Zügig und möglichst spannend. Behalte diesen Zweck im Auge! Weniger ist mehr, so schwer es auch fällt.
• Auf Rechtschreibfehler und korrekt geschriebene Namen (Ansprechpartner!) achten. Ein auffälliger Rechtschreibfehler lässt Schlimmstes für ein Manuskript befürchten.
• Keine auffallenden Formatierungen. Absätze.
• Falls du auf Papier schreibst und nicht per Mail: Füge einen Briefkopf mit deiner Anschrift und Adressaten hinzu und Datum. Die meisten Anschreiben werden heute per E-Mail versendet.
Du solltest ein Probekapitel schicken, meist werden 30 Seiten verlangt und zwar gewöhnlich der Anfang. Bei Sachbüchern kann es auch ein Kapitel aus dem Buch sein (es sollte nicht nur das Vorwort sein).

6. Alles entsprechend der Anforderungen von Agentur oder Verlag abschicken

Die Anforderungen ändern sich leicht. Aber eigentlich stehen diese Anforderungen immer auf der Webseite des Verlags oder der Agentur. Halte dich unbedingt an die Vorlagen. Meist verlangen die Verlage aber immer etwas Ähnliches, so dass du dein „Bewerbungspaket" nur leicht ändern musst. Kein Verlag und auch keine Agentur möchte sofort dein ganzes Manuskript sehen. Das schickt man gewöhnlich nur auf Nachfrage. Aber wie gesagt, falls es dein erster Roman ist, wird normalerweise das vollständige Manuskript verlangt, bevor ein Vertrag abgeschlossen wird.

7. Warten

Tja, das hat dir niemand gesagt, oder? Autorin sein heißt Warten. Ich bin immer noch überrascht, wie lange die Dinge manchmal dauern. Und wenn ich heute einen Vertrag abschließe für ein gedrucktes Buch, dauert es häufig 1,5 bis zwei Jahre bis das Buch erscheint. Tja. Deswegen sind Ebooks und Selfpublishing für Ungeduldige auch interessant.

Verschicke also keine Anfragen und warte auf eine Antwort. Ich verschicke Anfragen und vergesse sie. Wenn jemand antwortet, freue ich mich enorm! Du musst einfach am Anfang viel Geduld haben, weil nicht viele Projekte klappen. Das Verrückte ist, dass du dann, wenn plötzlich viele Projekte klappen, selbst absagen musst. Das ist auch nicht immer leicht. Aber nein, ich gebe zu: Es fühlt sich besser an. Aber es hat lange gedauert, bis ich an diesen Punkt gekommen bin.

8. Zusage? Absage? Zurück zum Start

Lerne mit Absagen umzugehen. Ich verspreche dir, dass du welche bekommen wirst. Vielleicht sogar sehr viele. Verlage sind „auch nur Menschen" mit unterschiedlichen Geschmäckern und Vorlieben. Ich habe unzählige Absagen im Leben bekommen. Es gibt Menschen, die haben schon Duzende oder Hunderte Absagen bekommen. Versuche von den Absagen zu lernen und so viel Informationen wie möglich darüber zu bekommen, warum das Manuskript abgelehnt wurde. Manchmal gibt es ja auch eine Info dazu und nicht nur einen Formbrief.

Ich habe Formabsagen bekommen und persönliche Absagen. Einige Absagen waren so wundervoll, dass ich sie behalten habe. Lektoren haben wenig Zeit, wenn dir jemand eine persönliche Absage schickt, ist das eine Ehre. Viele Autoren haben nicht ihr allererstes Werk verkauft, aber das nächste oder übernächste. Durchhalten ist ein ganz wichtiger Teil des Autorendaseins!

Was auf jeden Fall hilft

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Schreibgruppen und Netzwerk

Suche dir ein Netzwerk von Autoren, die ebenfalls ein Buch schreiben möchten. Das ist heute wirklich leicht. Falls du Facebook auch sonst nicht magst: Werde den Gruppen zuliebe Mitglied. Es lohnt sich, dort nach Autorengruppen zu suchen. Aus dem gleichen Grund lohnen sich die Buchmessen, die Frankfurter Buchmesse und die Leipziger Buchmesse gleichermaßen, die heute viele Veranstaltungen für Autoren und „angehende" Autoren haben. Lerne andere Schriftsteller kennen! Dann kannst du dich austauschen. Es tut gut und hilft dir weiter, wenn du entscheiden musst, ob du einen Vertrag so unterschreiben kannst oder nicht.

Glaube niemandem

Recherchiere alle möglichen Ratschläge. Es gibt viele Arten ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich weiß noch, wie die Verlagswelt für mich wie ein hermetisches Gebäude war. Wie funktionierte es bloß? Besuche eine Buchmesse und sieh dir die Vielfalt der Verlage an. Dahinter stehen Menschen, einige sind dir sympathisch, andere nicht. Einige ticken völlig anders als du. Es gibt nicht einen Weg. Du musst deinen eigenen und die Menschen und Verlage finden, mit denen du auf eine Wellenlänge liegst.

Warum tust du das alles?

Schreiben ist kein einfacher Weg zum Erfolg und es ist auch nicht leicht, Geld damit zu verdienen. Aber ich könnte mir nicht vorstellen, nicht zu schreiben. Ich sehe keine Alternative. Vielleicht bin ich ein wenig masochistisch, ein wenig Einsiedler. Schreiben ist einsam! Und auch im Café bist du einsam, wenn auch weniger allein. Vielleicht schreibe ich nur für diese Glücksmomente, ein Buch geschrieben zu haben. Irgendwie ein wenig vom Leben festgehalten zu haben. Mich über meine Geschichte mit jemand anderem verbunden zu haben. Für mich ist es das Wert.

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