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Warum es Frauen manchmal so schwer fällt, sich gegenseitig zu unterstützen

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WOMEN ANGRY
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Eigentlich sollte es doch ganz selbstverständlich sein, dass Frauen in der heutigen Zeit den Lebensentwurf verfolgen, welchen sie für sich als richtig erachten. Doch immer wieder sehen Frauen sich gezwungen, sich für ihr gewähltes Lebenskonzept rechtfertigen zu müssen - häufig auch vor anderen Frauen. Häufig sogar vor den eigenen Freundinnen.

Karrierefrauen müssen sich für ihre Karriere rechtfertigen, Frauen ohne Kinder dafür, dass sie keine Kinder haben, Mütter für ihre Mutterrolle und so weiter. Dazu kommen dann noch Frauen, die uns Frauen in Zeitschriften, Büchern etc. erklären wollen, wie wir denn nun zu sein haben.

Was fehlt, ist die Akzeptanz für den jeweiligen Lebensentwurf der Anderen. Es erscheint, als könne man seine eigene Lebenssituation nur bekräftigen, in dem man den der Anderen madig macht.

Aber warum ist das so? Warum fällt es uns selbst bei der besten Freundin so schwer, einfach mal zuzugeben, dass wir auch ab und an mal auf sie neidisch sind? Weshalb hinterfragen wir uns ständig und vergleichen uns mit anderen, anstatt uns auf uns und unser Können zu verlassen?

Schon zu Schulzeiten beginnen wir, übereinander zu lästern und gegenseitig Intrigen, gegen die vermeintliche Konkurrentin zu spinnen. Dieses Verhalten prägt dann später auch unser privates und berufliches Leben.

Häufig ist es doch so, wenn wir uns mit einer Freundin treffen, die vielleicht gerade ein paar Kilos verloren hat oder ein super Jobangebot bekommen hat, freuen wir uns mit ihr. Aber sofort macht sich ein anderes Gefühl breit, was dem, der Freude für unsere Freundin weicht und eine innere Stimme, die zu uns spricht: „Sollte ich nicht auch lieber, ein paar Kilos abnehmen? Warum bekommt sie so einen tollen Job und ich nur Absagen?"

Sofort beginnen wir uns selbst zu hinterfragen, und uns mit der Freundin zu vergleichen. Plötzlich kann es passieren, dass wir vom Gefühl des Neides geleitet, vielleicht einen unterschwellig bissigen Kommentar abgeben und die Stimmung ist dahin. Und nur, weil wir von Freundinnen bedingungslosen Rückhalt, ständiges Verständnis und Bestätigung erwarten. Dies mag auch ein Grund sein, warum wir häufig Freundinnen in ähnlichen Lebenssituationen wählen. Sie entsprechen ja auch viel besser dieser „Geht mir genauso, kann ich verstehen"- Floskel.

Deshalb erlebt auch jede Frauenfreundschaft diesen kritischen Punkt, wenn sich die Lebenssituationen von Freundinnen ändern. Plötzlich funktioniert dieses „Geht mir genauso"-Ding nicht mehr, weil man eben nicht mehr nachvollziehen kann, wie es der Freundin gerade so ergeht, weil man sich an einem ganz anderen Lebensabschnitt befindet.

Aber anstatt dies ehrlich zuzugeben, versuchen wir uns plötzlich mit der Freundin zu messen. Es kann passieren, dass die Freundin plötzlich zur Konkurrentin wird, der wir unbedingt beweisen wollen, dass wir genauso toll, hübsch oder erfolgreich sein können wie sie, obwohl es doch in Freundschaften nicht darum geht, miteinander in Konkurrenz zu stehen.

Doch diese Vergleiche ziehen wir nicht nur mit unseren Freundinnen. Wir vergleichen uns ständig mit irgendwem, mal dem Model auf dem Zeitschriftencover oder der Kollegin am Arbeitsplatz. Immer wieder schleichen sich Gedanken in unseren Kopf wie „Was hat sie, was ich nicht habe?" oder „Werde ich es auch eines Tages schaffen, so aussehen zu können?"

Doch stecken in diesem ganzen Konkurrenzdenken und den ständigen Vergleichen, nicht viel mehr die eigenen Unsicherheiten und die Angst davor, zugeben zu müssen, dass wir eben nicht alles perfekt hinkriegen?

Obwohl es vollkommen in Ordnung ist, zu zugeben, dass eben nicht immer alles perfekt laufen kann. Trotzdem wird uns überall suggeriert, dass die „Frau von Heute" schon alles irgendwie hinbekommen wird. Ob Kind, Beziehung, Karriere oder Figur, für uns Frauen kein Problem. Das dies einen immensen Druck hervorruft, wird weitestgehend ignoriert.

Doch dieser Druck betrifft nicht nur erwachsene Frauen, denn leider wird auch heute noch jungen Mädchen eingeredet, dass es wichtiger ist, als schön und schlank angesehen zu werden, anstatt ihnen klarzumachen, dass sie als Person wertvoll sind, unabhängig von ihrer Kleidergröße.

Denn wie viel schöner wären unsere Leben doch, wenn wir aufhören würden, uns ständig miteinander zu vergleichen und anfangen würden uns bedingungslos zu unterstützen. Anfangen würden jedem Mädchen und junger Frau, die Wertschätzung zuteil werden zu lassen, die sie verdienen und ihren gewählten Lebensentwürfen Respekt zu zollen.

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