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Warum es falsch ist, die Generation Z als einen Haufen socialmedia-süchtiger Poser abzutun

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Ich gehöre zu einer Generation, deren Zugehörige heute wie selbstverständlich als digital natives bezeichnet werden. Dabei hat sich der Großteil meiner Kindheit und Jugend eher real, als digital abgespielt. Das Internet und alles, was damit zusammenhängt, nahm erst in unserer späteren Jugend eine größere Rolle ein.

Deshalb glaube ich auch, dass Zugehörige der Generation z, die wahren digital natives sind. Denn sie wurden mit Smartphones, Internet und sozialen Medien sozialisiert, besser gesagt sie wurden in diese ganze digitale Welt hineingeboren.

Die Generation Z wurde in die digitale Welt hineingeboren

Und natürlich hat die Digitalisierung dazu beigetragen, dass die Welt der Jugendlichen heute eine andere ist, als vielleicht noch vor zehn Jahren. Soziale Medien und wie man sich in ihnen präsentiert, hat für die Jugendlichen heute einen viel höheren Stellenwert als früher.

Natürlich verstehen besonders ältere Generationen nicht, warum beispielsweise Likes für Jugendliche so wichtig sind. Oftmals werden die Jugendlichen dann als oberflächlich bezeichnet, die sich nicht mehr in die „richtige Welt" einfinden können.

Vielleicht werden sie sogar als ein Haufen socialmedia-süchtiger Poser abgetan, was unfair ist und dieser ganzen Generation überhaupt nicht gerecht wird. Ich glaube, dass sich die Jugendlichen in ihrem Streben nach Anerkennung gar nicht groß von den Generationen vor ihnen unterscheiden.

Denn wollten wir als Jugendliche, nicht auch das Gefühl haben, irgendwo dazuzugehören? Wollten wir nicht auch Teil von bestimmten Gruppen sein und das Gefühl von Anerkennung erfahren? Und genau dieses Gefühl wird den Jugendlichen heute durch die sozialen Medien vermittelt. Viele nutzen diese Medien um dazuzugehören, sich mit ihren Freunden auszutauschen und so werden sie Teil dieser interaktiven Welt.

Ist man nicht Teil des Socialmedia-Zirkus wird man schnell zum Außenseiter

Die Likes und Shares tragen wiederum dazu bei, dass sie sich angenommen fühlen und Wertschätzung erfahren. Würde man bei diesem ganzen Socialmedia-Zirkus nicht mitmachen, wäre man ganz schnell ein Außenseiter und das ist natürlich etwas, was man besonders nicht in Zeiten der Pubertät sein will.

Ganz ähnlich verhielt sich dieses Streben nach Anerkennung auch in meiner Generation nur, dass es da noch über Klamotten lief. Hatte man Klamotten, von der einen bestimmten Marke an, war man plötzlich cool und gehörte dazu.

Natürlich ist es mit dem Wissen von heute nicht erstrebenswert, Anerkennung von Leuten haben zu wollen, die einen nur mögen, weil man die richtige Hose an hat, aber als 14- oder 15- jährige*r ist es manchmal schwer, dem sozialen Druck standzuhalten.

Dieser gesellschaftliche Druck ist heute auf einem ganz anderen Level, als noch vor zehn Jahren. In sämtlichen sozialen Medien sind sie konfrontiert, mit perfekt-gephotoshopten Bildern, für die, die Abgelichteten auch noch eine Menge Likes und Kommentare bekommen.

Man will in dieser schönen Scheinwelt strahlen

Solche Wertschätzung wollen die meisten Jugendlichen natürlich auch erfahren, so kann es passieren, dass ein Wettkampf entsteht, da alle in dieser schönen Scheinwelt strahlen wollen. Likes, Shares und positive Kommentare sind Dinge, die einen großen Stellenwert im Leben der Jugendlichen einnehmen.

Doch was ist, wenn sich diese schöne strahlende Scheinwelt plötzlich in etwas Dunkels verwandelt? Viele Jugendliche werden heute Opfer von Cybermobbing.

Etwas, was es vor zehn Jahren nicht gegeben hat, beziehungsweise nicht in diesem Ausmaß. Früher war es doch so, wenn wir einen richtig miesen Schultag hatten, evtl. gemobbt wurden, wussten wir, dass wir zu Hause Ruhe und Frieden erfahren würden.

Doch heute ist das nicht mehr so einfach, dadurch, dass sich ein Großteil des Soziallebens ebenso im Netz abspielt, werden Jugendliche häufig auch über soziale Medien gemobbt, leider immer häufiger mit fatalem Ausgang.

Denn heute ist es für Mobber auch viel einfacher, wenn sie früher der Person noch ins Gesicht schauen mussten, können sie heute ihren Müll einfach ins Internet setzen, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen, wie es der Person ergeht, die sie beleidigen.

Doch auch virtuelle Schläge in die Magengrube hinterlassen ihre Spuren und hinterlassen tiefe Narben auf jungen Seelen.

Die heutigen Jugendlichen sind einem ganz anderen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, als meine Freunde und ich es damals noch waren.

Socialmedia als Prozess der Selbstfindung

Als wäre es als Teenager nicht schon schwer genug, erst mal mit sich selbst klarzukommen, nehmen die sozialen Medien und wie du dich in Ihnen darstellst einen ebenso wichtigen Teil, beim Prozess der Selbstfindung ein.

Deshalb ist es falsch der Generation Z Oberflächlichkeit vorzuwerfen, denn auch in dieser Generation von Jugendlichen, geht es in Wahrheit um nichts anderes, als um das Gefühl angenommen zu sein und um das Herausfinden, wer man eigentlich ist, nur, dass die virtuelle Welt dabei eine genauso große Rolle spielt, wie die reale Welt.

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