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Warum es für Kinder wichtiger ist, glücklich zu sein, als schon im Grundschulalter zwei Sprachen zu sprechen

25/05/2017 10:46 CEST | Aktualisiert 25/05/2017 11:02 CEST
SolStock via Getty Images

Manchmal frage ich mich, ob meine Freunde und ich eine glücklichere Kindheit hatten, als die Kinder von heute? Ich gehöre nämlich noch zu der Generation, die vor Facebook, Twitter, Whatsapp und co. aufgewachsen ist und auch nicht unter dem enormen Leistungsdruck stand, wie viele Kinder in der heutigen Zeit.

Ich glaube, dass wir Kinder der 90er so ziemlich die letzte Generation waren, die frei von durchorganisierten Freizeitaktivitäten aufwachsen konnten. Erinnert ihr euch noch, wie es war, als ihr klein gewesen seid?

Ich erinnere mich jedenfalls noch ziemlich gut daran, dass es bei uns fast immer folgendermaßen ablief: Nach der Schule schnell Hausaufgaben machen, dann nichts wie raus, und die Freunde treffen. Für uns war jeder Tag ein großes Abenteuer.

Natürlich haben wir auch ziemlich viel Blödsinn gemacht, sei es, dass wir den Nachbarn im Sommer mit dem Wasserschlauch nass gespritzt haben oder zur Musik, der No Angels im Garten lautstark gesungen und getanzt haben.

Wir wuchsen ziemlich frei auf. Es wurde uns Raum und Zeit gegeben, sodass wir uns frei entfalten konnten. Etwas was vielen Kinder heute abhandengekommen ist: Die Freiheit, sich selbst entfalten zu können.

Heute haben selbst Grundschulkinder schon einen straffen Zeitplan

Viele Kinder haben jeden Tag eine oder mehrere Freizeitaktivitäten, neben der Schule. Das kann dann folgendermaßen aussehen: Erst Schule, dann Hausaufgaben, später noch Ballett und abends dann noch in die Musikschule.

Und solch einen Ablauf jeden Tag in der Woche. Wann bleibt den Kindern, dann noch Zeit einfach Kinder zu sein? Sich mit Freunden zu treffen und einfach nur zu spielen?

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Ich meine natürlich waren meine Freunde und ich auch im Sportverein oder haben gelernt, ein Instrument zu spielen. Jedoch kann ich mich nicht erinnern, dass unsere Woche komplett von diesen Aktivitäten bestimmt war.

Auch musste keiner von uns, schon in der Grundschule eine Fremdsprache beherrschen. Viel mehr ging es darum, einfach Spaß an den Freizeitbeschäftigungen zu haben und wenn es keinen Spaß mehr machte, dann haben wir damit eben aufgehört.

Aufhören wird mit Aufgeben gleichgesetzt

Etwas, was heute ziemlich verpönt ist. Denn Aufhören wird mit Aufgeben gleichgesetzt und das ist natürlich etwas, was in unserer heutigen Leistungsgesellschaft nicht gerne gesehen wird.

Doch ich glaube, dass man in seinem späteren Erwachsenenleben schon so viele Dinge tun muss, die einem keinen Spaß machen, sodass man wenigstens in seiner Kindheit nur die Dinge in seiner Freizeit tun sollte, die einem wirklich Freude machen. Denn besonders in der Schule sind die Kinder heute einem noch größeren Leistungsdruck ausgesetzt, als früher.

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Dieser beginnt doch schon in der vierten Klasse, wenn der Schulwechsel ansteht und nimmt ab da, immer mehr zu. Kindern wird suggeriert, dass sie es unbedingt auf das Gymnasium schaffen müssen, damit sie später studieren können und einen guten Beruf bekommen, um einmal etwas zu erreichen im Leben.

Wie muss sich eine Kinderseele da fühlen?

Und wenn es die Kleinen dann doch nicht aufs Gymnasium schaffen, wie muss sich da die Kinderseele fühlen? Wahrscheinlich wird sich das Kind wie ein Versager fühlen, der es nicht geschafft hat und nun Eltern sowie Lehrer enttäuscht hat.

Doch, dass es beim Schulwechsel nicht ums Schaffen oder ums Versagen geht, sondern einfach nur darum, das Kind bestmöglich schulisch zu fördern, wird kaum noch thematisiert.

Stattdessen streiten Lehrer und Eltern darüber, wer das Kind denn nun am Besten einschätzen kann. Viele schimpfen dann immer gerne über diese Helikopter-Eltern, die ihren Kindern zu viel Druck machen und sich zu viel einmischen.

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Ich finde das ziemlich unfair und irgendwie macht man es sich damit etwas leicht oder nicht? Denn ich bin der festen Überzeugung, dass alle Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen.

Vielleicht möchten sie sogar, dass es ihrem Kind einmal besser geht als ihnen. Aber bestimmt soll es ihnen einmal nicht schlechter gehen. Deshalb sind auch sie einem großen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt. Sie fragen sich vielleicht, wenn ich meinem Kind dieses oder jenes nicht ermögliche, wo wird es dann einmal stehen in der Gesellschaft?

Alles entwickelt sich so rasend schnell weiter, da will man doch nicht, dass sein eigenes Kind hinterherhinkt. So entsteht dann dieser Teufelskreis, aus dem ein Entkommen fast aussichtslos erscheint.

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