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Der Tag, an dem ich anfing, meinen Körper mit anderen zu vergleichen

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SAD TEENAGER
Mixmike via Getty Images
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Bis ich etwa zwölf Jahre alt war, habe ich alles geliebt, was mit Wasser zu tun hatte. Schwimmen, tauchen oder einfach nur planschen. Wasser war wirklich mein Element.

Dann passierte allerdings etwas, das ich bis dato nie für möglich gehalten hatte, ich verlor jegliche Freude am Schwimmen. Und der Grund dafür war: Schulschwimmen.

Bevor wir jeden Donnerstag durch unsere schuleigene Schwimmhalle hüpfen mussten, sind meine Freundinnen und ich regelmäßig schwimmen gegangen.

Es war uns egal, wie wir in unseren Badeanzügen aussahen

Wir kümmerten uns nicht darum, wie wir in unseren Badeanzügen wirkten oder ob wir ein paar Kilos, zu viel beziehungsweise zu wenig, auf den Rippen hatten, sondern, hatten einfach nur Spaß. Doch plötzlich änderte sich alles.

Mit dem Schulschwimmen kamen die Komplexe und Unsicherheiten, was den eigenen Körper betraf. Wir begannen, uns gegenseitig zu vergleichen.

Ist die dünner als ich? Bin ich zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein? Und schon bald wurde unser Schwimmunterricht zu einem Spießrutenlauf.

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Es wurde gelästert, gelitten und sich geschämt. Während dieser Zeit habe ich das erste Mal angefangen, bewusst mit mir und meinem Körper zu hadern. Ich merkte ab diesem Zeitpunkt erstmals, was es bedeutet, dem gesellschaftlichen Idealbild entsprechen zu wollen. Doch nicht nur mir geht es so.

Dieser Druck, einem vermeintlichen Idealbild hinterherjagen zu müssen, ist etwas, was das Leben vieler Frauen bestimmt. Ob auf Facebook, Instagram oder in Magazinen, ständig werden wir ja auch mit vermeintlich perfekten Frauenkörpern konfrontiert.

Dass bei diesen Bildern oftmals Bildbearbeitungsprogramme im Spiel waren, blenden wir einfach aus oder machen uns über diese gephotoshopten Bilder lustig und hoffen im Stillen, dass es uns doch gelingt, einmal so auszusehen, wie die perfekte Frau auf dem Bild.

Über unsere Unsicherheiten reden wir so gut wie nie

Wie oft spreche ich mit Freundinnen über die neusten Ernährungstrends oder Diäten. Dann reden wir über LowCarb Food oder Pralinen ohne Zucker und träumen insgeheim von Schoko-Muffins. Doch so richtig offen reden wir eigentlich nie über unsere Unsicherheiten und Makel.

Lieber halten wir uns gegenseitig vor, wie sportlich wir in den letzten Tagen waren oder wie super es uns doch geht, seit dieser fettfreien-zuckerfreien-kohlehydratarmen-spaßfreien Ernährungsumstellung. Ich habe nur ein paar Freundinnen, mit denen ich ganz offen über Figurprobleme oder Cellulitis sprechen kann.

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Es ist schon erstaunlich, dass wir über jede Kleinigkeit stundenlange Gespärche führen können, aber beim Thema Figur recht wortkarg werden. Es ist ja auch nicht unbedingt so angenehm, seine eigenen Unsicherheiten und scheinbare Makel vor anderen preiszugeben.

Doch wirklich jede von uns hat diese Makel. Eine Frau kann noch so schön, noch so dünn oder noch so selbstbewusst sein, sie wird immer irgendetwas an sich selbst finden, was scheinbar nicht perfekt ist und noch optimiert werden müsste. Immer wieder beschäftigen wir uns damit, wie wir auf andere wirken.

Haben vielleicht sogar Angst, dass da etwas sein könnte, was andere als abstoßend empfinden könnten.

Ich will das nicht mehr

Doch anstatt, dass wir uns immer wieder damit beschäftigen, wie wir auf andere wirken, oder ob wir irgendwelchen surrealen Gesellschaftsnormen entsprechen, sollten wir uns viel eher damit beschäftigen, wie wir es schaffen, uns selbst anzunehmen und nur dann Selbstoptimierungen vorzunehmen, wenn wir es wirklich wollen und nicht weil es vielleicht andere von uns erwarten könnten.

Ab einem gewissen Punkt wurde mir klar: Ich will das nicht mehr.

Ich will nicht weiter einem falschen Perfektionismus folgen, versuchen so auszusehen, wie irgendwelche Models auf Zeitschriftencovern oder Instagram-Photoshop-Queeens. Das ist nicht real.

Ich will nicht länger auf ein Stück Pizza verzichten, nur weil es gerade nicht zu meinem healthy Lifestyle passt. Oder mich wie eine Wahnsinnige auf dem Crosstrainer quälen, nur um vermeintlichen Dellen an meinen Oberschenkeln den Kampf anzusagen.

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Letztens habe ich irgendwo den Spruch gelesen „Nobody ist perfect, don´t let social media fool you". Und ich glaube, dieser Spruch bringt es so ziemlich auf den Punkt. Niemand ist perfekt.

Es sollte nicht darum gehen, Ansprüchen oder Idealbildern zu entsprechen, die Andere für uns bestimmt haben.

Ich glaube vielmehr, wir müssen anfangen, mit uns selbst ins Reine zu kommen und uns so zu akzeptieren, wie wir sind. Denn letztendlich geht es doch im Leben um viel mehr, als einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen.

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