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"Klug, humorvoll und ein bisschen Macho" - wie junge Männer am Perfektionsdruck kaputt gehen

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MAN IN THE MIRROR
martin-dm via Getty Images
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Immer wieder beschäftigen wir uns damit, welchen Einfluss die Medien und vermeintliche gesellschaftliche Idealvorstellungen auf Frauen und junge Mädchen haben.

Oft ist dann die Rede von dem großen gesellschaftlichen Druck, unter dem wir Frauen häufig stehen, und vielleicht sogar zu zerbrechen drohen. Es erscheint, als hätten wir uns die Monopolstellung gesichert, wenn es darum geht, mit sich selbst zu hadern, an sich zu zweifeln und von dem Streben nach Perfektion besessen zu sein.

Vielleicht denken sich einige dann sogar, als Mann hätte ich es einfacher. Denn Männer unterliegen ja keinem so großen gesellschaftlichen Druck, wie wir Frauen. Doch ich glaube, dass dies ein Trugschluss ist.

Denn auch Männer haben damit zu kämpfen, vermeintlich gesellschaftlichen Idealvorstellung zu entsprechen. Schon als kleine Kinder werden sie mit ihrem späteren Rollenbild konfrontiert.

Vielfach wird heute immer noch erwartet, dass sich Jungs schon von klein auf, für Fußball, Autos oder Motorräder interessieren. Scheinbare Mädchensachen wie Puppen, Kinderküchen oder rosa Kuscheltiere sollen sie möglichst blöd finden.

"Ein echter Kerl beißt die Zähne zusammen"

Häufig werden ihnen dann noch gut gemeinte Ratschläge mit auf den Weg gegeben wie "ein Indianer kennt keinen Schmerz" oder "ein echter Kerl beißt die Zähne zusammen". So wird ihnen dann schon von klein auf eingetrichtert, dass es für einen Jungen falsch ist, Schwäche zu zeigen oder gar zu weinen.

Selbst in unser heute noch so aufgeklärten Gesellschaft wird von Männern häufig immer noch erwartet, dass sie dem klischeéhaften Rollenbild des starken Mannes entsprechen. Und wir Frauen machen es häufig auch nicht viel besser, da wir dem modernen Mann von heute auch einiges abverlangen.

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In den meisten Fällen ist es doch so, wenn man eine Frau nach den Eigenschaften eines potenziellen Partners befragt, kommen fast immer die selben Antworten: Klug soll er sein, gut zuhören soll er können, humorvoll, einfühlsam, ein bisschen Macho soll er sein ... natürlich soll er auch die starke Schulter zum Anlehnen bieten können, und wenn er dann noch gut aussieht, ist die Frauenwelt zufrieden.

Doch, dass genau dieses "Alles-zu-jeder-Zeit-sein-zu-müssen", auch Männer unter Druck setzt, findet in der Öffentlichkeit wenig Beachtung. In den Zeiten der Pubertät und jungen Erwachsenenalters hadern auch sie mit ihrem von der Gesellschaft auferlegten Rollenbild.

Klischeéhaftes Rollendenken belastet auch junge Männer

Besonders für die sensibleren und einfühlsameren Jungen, ist es als Jugendliche nicht gerade einfach, da sie häufig in der Friendszone enden und es erscheint ihnen, als würden die machomäßigen, durchtrainierten scheinbar cooleren Typen, ein Mädel nach der anderen abkriegen.

Dazu kommt dann noch, dass auch sie heute dank Instagram und co. ständig mit durchtrainierten (wahrscheinlich sogar gephotoshopten) Sunnyboys konfrontiert werden, die aussehen, als seien sie einer Werbung für Unterwäschemodels entsprungen. Gesicht und Body alles erscheint perfekt und so kann es dann passieren, dass auch der Junge von Nebenan versucht, diesem Ideal zu entsprechen.

Mehr zum Thema: Gut reicht vollkommen: Wenn Perfektion zur Falle wird

Ebenso beginnt auch er, seinen Körper im Fitnessstudio zu stählen und beginnt mit der Nutzung von Beautyprodukten, vielleicht weniger, für sich selbst, sondern um Anerkennung zu erfahren und vielleicht hofft er sogar, dadurch endlich die Aufmerksamkeit des schönen Mädchens zu bekommen, welches bisher mehr Interesse an den gestählten Sunnyboys gezeigt hat, als an ihm.

Dieses Verhalten klingt doch auch so ein bisschen nach uns Frauen, wenn wir mal wieder versuchen mit wahnwitzigen Diäten oder Sportprogrammen vermeintlichen Idealbildern hinterherjagen zu müssen, nur um Akzeptanz oder Anerkennung zu erfahren.

Idealvorstellungen über den Haufen werfen


Deshalb glaube ich, dass es falsch ist, so zu tun, als wären nur wir Frauen die Leidtragenden, wenn es um gesellschaftliche Idealvorstellungen geht.

Mehr zum Thema: "Die ständige Angst, einen Fehler zu machen" - Wie der Perfektionismus mein Leben zerstört

Denn im Grunde wollen wir, Frauen wie Männer, doch nur eins: Wir wollen so akzeptiert werden, wie wir sind. Deshalb müssen wir uns alle freimachen, von klischeehaften Rollenvorstellung und nicht realisierbaren Idealvorstellungen.


     
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