BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Julia Bauer Headshot

Julia in Action - Wandern in Norwegen. Oder: hoch zu Ro├č und hoch hinauf

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Zugegeben: Im Juni war ich zwar beruflich viel in Action - sportlich aber au├čer ein paar Joggingrunden wenig aktiv - und vor allem wenig kreativ. Zeit also, mal abzuschalten und dabei das schmerzlich vermisste Sportprogramm nachzuholen. Mein pers├Ânliches ÔÇ×wanted" lautet demnach: geistige Ent- bei k├Ârperlicher Beschleunigung.

2016-07-11-1468235472-8945569-1.JPG

Die Recherche nach dem richtigen Sport f├╝r dieses Ziel gestaltet sich recht einfach: Unter Retro-Trendsettern liegt derzeit n├Ąmlich das Wandern wieder hoch im Kurs: laut Fachmagazinen gehen mittlerweile 40 Millionen Deutsche hin und wieder mit Rucksack und Sandwich auf Tour. Ich schlie├če mich also an - und zwar in einem Land, in dem es Schokolade mit Wanderrouten auf der Verpackung und mit Tourenkarten bedrucktes Sandwichpapier gibt: Norwegen.

2016-07-11-1468241123-6643465-julia2end.jpg

Standesgem├Ą├č besorge ich mir eine trendige und regenfeste Outdoor-Ausr├╝stung von der norwegischen High-Ende-marke Norr├Şna und ziehe los. Die ersten Tage gehe ich in m├Ą├čigem Tempo und mit machbaren Zielen: Mal ist es eine sieben Kilometer lange Rundtour ├╝ber den Berg Trollh├Şe bei Lemonsj├Ş, mal eine halbt├Ągige Wanderung zur Steinbr├╝cke in Billingen. Ohne Zeitdruck ziehe ich durch die vielseitige Landschaft, lasse die frische Luft durch meine Lungen str├Âmen und bleibe hier und da stehen, um fremdartige Farne und Flechten zu bewundern. In einem Land, in dem auf der Fl├Ąche Deutschlands in etwa die gleiche Anzahl Menschen lebt wie in Berlin, treffe ich auf meinen Touren nur selten andere Menschen.

2016-07-11-1468241270-5800866-julia3end.jpg

Umso mehr bleiben die wenigen Begegnungen in Erinnerung: Ein Hotelbesitzer aus Billingen l├Ąsst mich eine Runde auf dem Pferd seiner Tochter reiten und eine quirlige Barista empfiehlt mir ein Hand-Peeling aus Kaffeesatz. Aktivit├Ąten, die schon im Kindesalter Spa├č gemacht haben, lassen mich auch heute den Alltag schnell vergessen und das Abschalten ist trotz stetig gutem Mobilfunknetz recht schnell geschafft.

2016-07-11-1468235567-2409651-4.jpg

Nun gilt es also, auch den K├Ârper aufs n├Ąchste Level zu bringen. Die deutsche Norwegenexpertin Ulrike Peters empfiehlt mir daf├╝r die Tour auf den mit etwa 2.300 Metern h├Âchsten Gipfel au├čerhalb von Jotunheimen: Sn├Şhetta. Schon bei meiner Anfahrt im Bus kann ich sehen, wie die Landschaft zunehmend karger wird. Mittendrin steht ein Moschus-Ochse mit zotteligem Fell: das einzige Lebewesen, an dem ich bei meiner Anreise vorbeikomme.

In meiner Unterkunft soll sich das jedoch ├Ąndern: Die Sn├Şheim Turisthytte zieht als einzige H├╝tte am Fu├č des Sn├Şhetta Gipfelst├╝rmer aus aller Welt an. Neben Norwegern und Schweden treffe ich auch eine Gruppe Fl├╝chtlinge, die gemeinsam mit dem roten Kreuz ihre neue Heimat erkundet. Insbesondere die Jugendlichen aus Afghanistan sind wahre Wander-Wunder: Wie Bergziegen (eine Bezeichnung, die in Norwegen ├╝brigens als gro├čes Outdoor-Kompliment gilt) springen sie leichtf├╝├čig von Stein zu Stein. Ich staune, beschlie├če aber erstmal zu ruhen bevor ich am n├Ąchsten Morgen das gro├če Ziel in Angriff nehme. Die Stockbetten sind zum Gl├╝ck bequem, meine Mitbewohnerin schnarcht nicht und die dicken Vorh├Ąnge sch├╝tzen mich vor dem ewig hellen skandinavischen Sommerhimmel.

2016-07-11-1468241361-1446856-julia5end.jpg

Beste Voraussetzungen, um am n├Ąchsten Morgen um 8:30 Uhr aufzubrechen. Der karge Berg liegt noch in den Wolken als ich nach etwa einer Stunde Gehen in der Ebene zu seinem Fu├č gelange. Von da ab hei├čt es: Stetig aufw├Ąrts mit dem Blick nach unten. Denn nach oben f├╝hrt kein Pfad oder Weg, sondern ich kann meine eigene Route durch die Steinbrocken planen. Gutes Schuhwerk und mindestens ein Liter Wasser im Gep├Ąck sind unentbehrlich. Konzentriert und schwitzend vergesse ich die Zeit und bin erstaunt, als ich gegen Mittag auf einmal die Schneegrenze erreiche. Meine Beine sp├╝ren die Anstrengung, aber die Kondition ist erfreulicherweise auch nach dem faulen Juni noch da.

2016-07-11-1468241489-1854997-julia6end.jpg

W├Ąhrend ich mich an dieser Erkenntnis erfreue, zieht auch der Himmel auf und ich sehe endlich mein Ziel: Noch 20 Minuten Winter-Feeling und der Gipfel ist erklommen. Gl├╝cklich ziehe ich mir im Wind ein trockenes T-Shirt an, packe mich schnell wieder warm ein und esse meine Brote. Die Sommerportsaison ist endlich eingel├Ąutet. Bei minus drei Grad im norwegischen Schnee.

2016-07-11-1468241563-9183389-julia7end.jpg

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-09-1468043190-9784650-2016060214648668675342179HUFFPOST3.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: