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Julia in Action - Wandern in Norwegen. Oder: hoch zu RoĂź und hoch hinauf

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Zugegeben: Im Juni war ich zwar beruflich viel in Action - sportlich aber außer ein paar Joggingrunden wenig aktiv - und vor allem wenig kreativ. Zeit also, mal abzuschalten und dabei das schmerzlich vermisste Sportprogramm nachzuholen. Mein persönliches „wanted" lautet demnach: geistige Ent- bei körperlicher Beschleunigung.

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Die Recherche nach dem richtigen Sport für dieses Ziel gestaltet sich recht einfach: Unter Retro-Trendsettern liegt derzeit nämlich das Wandern wieder hoch im Kurs: laut Fachmagazinen gehen mittlerweile 40 Millionen Deutsche hin und wieder mit Rucksack und Sandwich auf Tour. Ich schließe mich also an - und zwar in einem Land, in dem es Schokolade mit Wanderrouten auf der Verpackung und mit Tourenkarten bedrucktes Sandwichpapier gibt: Norwegen.

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Standesgemäß besorge ich mir eine trendige und regenfeste Outdoor-Ausrüstung von der norwegischen High-Ende-marke Norrøna und ziehe los. Die ersten Tage gehe ich in mäßigem Tempo und mit machbaren Zielen: Mal ist es eine sieben Kilometer lange Rundtour über den Berg Trollhøe bei Lemonsjø, mal eine halbtägige Wanderung zur Steinbrücke in Billingen. Ohne Zeitdruck ziehe ich durch die vielseitige Landschaft, lasse die frische Luft durch meine Lungen strömen und bleibe hier und da stehen, um fremdartige Farne und Flechten zu bewundern. In einem Land, in dem auf der Fläche Deutschlands in etwa die gleiche Anzahl Menschen lebt wie in Berlin, treffe ich auf meinen Touren nur selten andere Menschen.

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Umso mehr bleiben die wenigen Begegnungen in Erinnerung: Ein Hotelbesitzer aus Billingen lässt mich eine Runde auf dem Pferd seiner Tochter reiten und eine quirlige Barista empfiehlt mir ein Hand-Peeling aus Kaffeesatz. Aktivitäten, die schon im Kindesalter Spaß gemacht haben, lassen mich auch heute den Alltag schnell vergessen und das Abschalten ist trotz stetig gutem Mobilfunknetz recht schnell geschafft.

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Nun gilt es also, auch den Körper aufs nächste Level zu bringen. Die deutsche Norwegenexpertin Ulrike Peters empfiehlt mir dafür die Tour auf den mit etwa 2.300 Metern höchsten Gipfel außerhalb von Jotunheimen: Snøhetta. Schon bei meiner Anfahrt im Bus kann ich sehen, wie die Landschaft zunehmend karger wird. Mittendrin steht ein Moschus-Ochse mit zotteligem Fell: das einzige Lebewesen, an dem ich bei meiner Anreise vorbeikomme.

In meiner Unterkunft soll sich das jedoch ändern: Die Snøheim Turisthytte zieht als einzige Hütte am Fuß des Snøhetta Gipfelstürmer aus aller Welt an. Neben Norwegern und Schweden treffe ich auch eine Gruppe Flüchtlinge, die gemeinsam mit dem roten Kreuz ihre neue Heimat erkundet. Insbesondere die Jugendlichen aus Afghanistan sind wahre Wander-Wunder: Wie Bergziegen (eine Bezeichnung, die in Norwegen übrigens als großes Outdoor-Kompliment gilt) springen sie leichtfüßig von Stein zu Stein. Ich staune, beschließe aber erstmal zu ruhen bevor ich am nächsten Morgen das große Ziel in Angriff nehme. Die Stockbetten sind zum Glück bequem, meine Mitbewohnerin schnarcht nicht und die dicken Vorhänge schützen mich vor dem ewig hellen skandinavischen Sommerhimmel.

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Beste Voraussetzungen, um am nächsten Morgen um 8:30 Uhr aufzubrechen. Der karge Berg liegt noch in den Wolken als ich nach etwa einer Stunde Gehen in der Ebene zu seinem Fuß gelange. Von da ab heißt es: Stetig aufwärts mit dem Blick nach unten. Denn nach oben führt kein Pfad oder Weg, sondern ich kann meine eigene Route durch die Steinbrocken planen. Gutes Schuhwerk und mindestens ein Liter Wasser im Gepäck sind unentbehrlich. Konzentriert und schwitzend vergesse ich die Zeit und bin erstaunt, als ich gegen Mittag auf einmal die Schneegrenze erreiche. Meine Beine spüren die Anstrengung, aber die Kondition ist erfreulicherweise auch nach dem faulen Juni noch da.

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Während ich mich an dieser Erkenntnis erfreue, zieht auch der Himmel auf und ich sehe endlich mein Ziel: Noch 20 Minuten Winter-Feeling und der Gipfel ist erklommen. Glücklich ziehe ich mir im Wind ein trockenes T-Shirt an, packe mich schnell wieder warm ein und esse meine Brote. Die Sommerportsaison ist endlich eingeläutet. Bei minus drei Grad im norwegischen Schnee.

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