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Julia Bauer Headshot

Julia in Action: Sinnvolle Bewegung. Oder: Die Erntehelferin

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SALAD PICKING
Jeff Greenberg via Getty Images
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„Früher haben wir einfach im Garten gearbeitet und uns somit sinnvoll bewegt. Heute ackern sich die Menschen an irgendwelchen Maschinen ab, die in einem geschlossenen Raum stehen... aber geh nur ins Fitnesstudio..."

Diese Worte meines Vaters kommen mir immer wieder in den Sinn. Gefallen sind des öfteren in meiner Jugend, meist dann, wenn ich mit meiner schicken Sporttasche im Hausgang stand und für mein Workout in die nächste Stadt fahren wollte. Gartenscheren und Kehrbesen habe ich damals rechts liegen lassen.

Zugegeben, es hat ein bisschen gedauert, aber heute will ich Papas etwas zynischen Ratschlag einfach mal befolgen. Und so biete ich meine sportliche Arbeitskraft der Firma Link Gemüse in Nürnberg an. Der Familienbetrieb hat neben seinen Plantagen auch einen kleinen Hofladen, legt Wert auf ökologische Standrads und eine gute Qualität.

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Aufgrund des regnerischen Frühlings ist meine eigentliche Idee, nämlich das Spargelstechen, noch nicht umsetzbar. Vitaminreicher Salat hingegen wächst hier zur Genüge und so entscheide ich mich für die Sorte Lollo Rosso, eine traditionelle Schnittsalat-Sorte in schöner Farbe.

Ohne lange zu zögern drückt mir der Senior-Chef ein Messer und ein paar Handschuhe in die Finger und los geht's aufs Feld.

Unmengen Salatköpfe wachsen hier schön ordentlich nebeneinander. Circa 80 Kisten à 5 Salate können professionelle Erntehelfer im Schnitt in einer Stunde füllen. Nach Adam Riese macht das einen Salatkopf in neun Sekunden. Na dann wollen wir mal sehen, wie ich mich als Ernte-Erstling da so schlage.

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Die einzelnen Köpfe sind schnell von der Erde getrennt. Ich darf das Messer nur nicht zu hoch ansetzen, um ein Auseinanderfallen der einzelnen Blätter zu vermeiden. Schließlich ist der Lollo Rosso ja ein Kopfsalat und kein Blätterhaufen. Etwas vorsichtiger muss man sein, wenn man die äußeren, oft brauen vier bis fünf Blätter vom Rest des Salats trennt, denn am einfachsten geht es nun mal wenn man in Richtung seiner Finger schneidet. Insgesamt keine Hexerei und ich habe schnell Freude dabei, etwas sinnvolles zu tun.

Gefühlt komme ich recht schnell voran und auch der Chef sagt lachend, dass ich gerne bei ihm anfangen kann. Doch die genau Zeit zu messen wäre bei meiner Session nicht ganz zielführend gewesen, habe ich mich doch parallel unterhalten und ein kleines Interview geführt.

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Dafür weiß ich jetzt jedoch, dass der Salat mit Stickstoff aus dem Boden gedüngt wird und dass man vor allem darauf achten muss, wie man sich seiner Ernte nähert, um nicht später Rückenschmerzen zu bekommen. Aber soweit kommt es nach einer ersten Stunde ganz sicher nicht und die leichte Bewegung an der Luft hat gut getan. Kleiner Bonus obendrauf: Ein Riesen Berg Salat zum Abendessen.

PS: Sorry Papa, du weiĂźt ja ich denke gerne groĂź: der heimische Garten war dann doch nicht so reizvoll fĂĽr meine Geschichte wie ein ganzer GemĂĽsebetrieb...

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