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Julia unterwegs - Mit dem Cityroller durch Tartu.

09/11/2015 16:40 CET | Aktualisiert 05/11/2017 14:33 CET

Online-Reiseplattformen und Reisebüros bestätigen: Städtereisen im Herbst liegen im Trend. Dieses Jahr ist die dritte Jahreszeit in Europa golden und mild, was das Fernweh der reisfreudigen Deutschen intensiviert.

Mit Smartphones und diversen Reise-Apps bewaffnet geht es meist durch die Städte dieses Kontinents. Die moderne Technik hat Stadtführer und lokale Guides dabei fast überflüssig gemacht.

So zumindest die Theorie. In der Praxis jedoch wappnen sich Tourismus-Büros gegen rückläufige Buchungen bei Stadtführungen durch Diversifikation. Sprich: Stadttouren werden individueller und für jeden soll etwas dabei sein: Grusel-Erkundungen bei Nacht, Kanutouren durch Kanäle und Fahrradtouren für Aktive sind nur ein kleiner Auszug aus den vielseitigen Programmen.

In der estländischen Universitätsstadt Tartu führen der Sport-Absolvent Imre und die deutsch-sprechende Pille auf ihre ganz eigene Art und Weise Touristen durch die schönsten Winkel ihrer touristisch noch recht unerschlossenen Heimat: Nämlich mit dem Cityroller.

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Was klingt wie eine wenig anstrengende Roller-Tour aus Kindheitstagen erweist sich schnell als abwechslungsreiche Kombination aus Ausdauer-Training und Abenteuer: Etwa acht bis zehn Kilometer Strecke legen die ausnahmslos freundlichen Guides mit ihren Gruppen an einem Vormittag zurück.

Die Roller sind etwa so groß wie ein Fahrrad und mit unterschiedlich großen Reifen werden sie um einiges schneller als die kleinen Kick-Bords, die sich aktuell in Deutschland etabliert haben.

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Helm und eine praktische Sicherheitseinführung sind somit Pflicht und gestoppt wird etwa alle 15 Minuten für kurzweilige Erklärungen, lebensnahe Anekdoten und etwas zu trinken.

Es geht vorbei an historischen Universitätsgebäuden, durch den botanischen Garten, entlang am Fluss und um den städtischen See, sowie durch ein Viertel von Tartu namens „Suppenstadt".

Diese ehemals ärmere Gegend besteht aus Wegen mit Namen wie „Bohnen-"oder „Kartoffelstrasse" und bietet gerade jungen Familien ein farbenfrohes zu Hause: Traditioneller Baustil trifft Street-Art könnte hier das Motto sein. Eine einzigartige Kulisse, in der sich Hobbyfotografen austoben können.

Die weitestgehend flache Stadt eignet sich mit ihren breiten Gehsteigen und asphaltierten Spazierwegen bestens zur Erkundung per Roller. Hier kann richtig Fahrt aufgenommen werden - und das geht ganz schön in die Beine.

Nach jedem Stopp wechsle ich Stand- und Tretbein und versuche mit festen Schüben möglichst zügig voranzukommen. Auch bei Minusgraden gerate ich dabei schnell ins Schwitzen. Ein Pluspunkt für die Lunge: Estland ist bekannt für Wald und Wiese und Tartu ist von sehr viel Grünfläche umgeben.

Die saubere Luft in der Stadt lädt regelrecht zum Durchatmen ein.

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Vor allem ist aber dieses Gefühl des Dahin-Gleitens eine Erfahrung, die die Glückshormone tanzen lässt: Das Rollern ist sehr viel weniger monoton als andere Ausdauer-Sportarten wie Joggen oder sogar Radfahren und verbunden mit Erinnerungen an den Tretroller aus Kindertagen ein ganz anderes sportliches Erlebnis, das aktive Herzen höher schlagen lässt.

Meine Fotografin Anna und ich müssen unabhängig voneinander regelmäßig lachen, wenn wir beim beschleunigen immer schneller gegen den Asphalt treten. Es macht schlicht und einfach Spaß.

Am Ende unserer Tour haben wir nicht nur wieder Platz für die weitestgehend regionalen und gesunden kulinarischen Besonderheiten des Landes geschaffen, sondern wirklich viel gesehen und erfahren.

Mit einer Medaille aus dem lokalen Rohstoff Nummer Eins, nämlich Holz, werden wir fürs Durchhalten belohnt. Der nächste Programmpunkt ist unweigerlich die Dusche - Sport und Erkundung haben sich hier klar die Waage gehalten. Und machen Lust auf mehr.

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Fotos: Anna Baach

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