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Julia in Action - Kopf und Körper im Einklang. Oder: Eine aktive Ayurveda Auszeit im Himalaya

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RJK
Julia Bauer
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Das zweistimmige Gebet, das die Therapeutinnen zart vor jeder Anwendung anstimmen; die zusammen mit den jungen Mönchen von Rishikesh durchgeführte Feuer-Zeremonie zum Sonnenuntergang am Fluss; oder die persönlich abgestimmte ayurvedische Kost, die trotz ihrer heilenden Wirkung schmeckt wie ein indischer Gewürzmarkt: Über jeden dieser Eindrücke könnte ich einen eignen Artikel verfassen. Doch trotz ihrer sinneserweckenden Wirkung sind sie alle Teil eines großen Ganzen. Meiner ersten ganzheitlichen ayurvedischen Entspannungskur. Das bedeutet: Sieben Tage raus aus unserer westlichen Gesellschaft und rein in die hohen Berge Nordindiens.

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Ayurveda konzentriert sich auf für die Gesundheit wichtige physische, mentale, emotionale und spirituelle Aspekte. Dadurch hat Ayurveda einen ganzheitlichen Anspruch; widerspricht aber auch vielen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und seine Wirkung konnte nach dem Grundprinzip der evidenzbasierten Medizin bislang nicht bewiesen werden. Zentrale Elemente des Ayurvedas und damit auch meiner Erfahrung sind Massagen und Reinigungstechniken, wie zum Beispiel die Reinigung der Augen mit Butterfett, Ernährungslehre, spirituelle Yogapraxis und Pflanzenheilkunde.

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Dass diese Art Kur fernab der alltäglichen Hektik auch unter deutschen Reisenden im Trend ist, weiß der Münchner Reiseveranstalter Lotus Travel. Als führender Spezialist für Ayurveda Reisen in das Mutterland der Heilwissenschaft schickt der Reiseanbieter nicht nur explizite Yogis, sondern auch Otto-Normal-Entspanner wie mich ins ferne Indien. Auf Tipp der Experten geht es aber nicht in das auch unter Laien für die ayurvedische Heilkunst bekannte Kerala im Süden, sondern in das Ananda Resort im Norden des Landes, am Fuße des Himalayas.

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Im November erwarten mich dort angenehme und für den Körper absolut nicht anstrengende 20 bis 25 Grad Lufttemperatur und ortstypische Trekkingtouren runden das Programm mit gehöriger Frischluftzufuhr ab. Die Ziele meines Aufenthalts stimme ich im Vorfeld mit den Ansprechpartnern bei Lotus Travel ab: Entspannung, eine Pause für Kopf und Körper, aber keine Gewichtsreduktion. Die Details bespreche ich dann vor Ort mit meinem persönlichen Arzt. Er bestimmt anhand eines Check-Ups und ein paar kleinen Tests meinen ayurvedischen Grundtyp aus Erde, Feuer und Wasser und legt mein weiteres Programm fest. Zwei bis drei Anwedungen am Tag, Einführungslektionen in Yoga, Atemtechnik und Meditation sowie eine milde Schonkost aus organischen Produkten, die leicht bekömmlich ist und meinen Körper nicht zu sehr beanspruchen soll. Aktive und passive Entspannung sollen sich hier ergänzen und die entsprechenden Kurse sind genau auf meinen Wissensstand abgestimmt.

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An dieser Stelle kann ich vorwegnehmen, dass das Konzept bei mir funktioniert hat. Ich verlasse den ehemaligen Maharadscha Palast mit deutlich mehr Gesichtsfarbe und Gelassenheit als das auf meinem Anreisefoto noch der Fall war. Die Alltag scheint nicht vergessen, aber gesund im Hintergrund. Der Schlüssel zum Erfolg war bei mir mit Sicherheit das Bausteinkonzept aus vielen kleinen einzelnen Maßnahmen. Obwohl ich bei Massagen generell gut abschalten kann, kommt die geistige Erholung hier eher von den entschleunigenden Yoga-Kursen, dem fast konsequent umgesetzten Handyverbot und der generellen Achtsamkeit, die durch die Therapeuten stimuliert wird: Wie geht es mir während der Übungen? Welche Kurse mag ich und welche nicht, und warum? Schlafe ich ausreichend, bekommt mir das Essen? Faktoren des Wohlbefindens, die wir in unserem Berufsalltag einfach oft übersehen.

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Wer möchte, kann zudem zweimal am Tag an Vorträgen von so genannten Gurus über den Hinduismus, das Yoga, vor allem aber die Bewältigung des Alltags oder Stresssituationen teilnehmen. Weltlich gestaltet, mit überraschend pragmatischen Ansätzen. Obwohl ich also zu fast jeder Tageszeit beschäftig bin, gilt hier strikt: Es wird nicht von Termin zu Termin gehetzt, sondern die Zeit bewusst verbracht. Wer sich darauf einlassen kann, wird profitieren. Und anfangen spazieren zu gehen. So trifft man fast alle Gäste des Resorts an der ein oder anderen Stelle des unendlich großen, natürlich begrünten Palastgartens in sich gekehrt und in der vom Hotel geliehenen, weiten Yoga-Kleidung wieder. Ruhig auf einer Parkbank sitzend kann ich selbst kaum glauben, dass ich drei Tage zuvor noch hochkonzentriert für einen großen Konzern moderiert und bis tief in die Nacht hinein Texte geübt habe. Einem anderen Gast, der Witwe eines amerikanischen Großunternehmers, geht es ebenso: Noch vor ein paar Tagen hat sie sich durch ein hartes Bilanz-Meeting gequält, das ihr schlaflose Nächte bereitet hat. Heute schläft sie neun Stunden pro Tag und schaut gelassen den Schmetterlingen zu, die auf einem Baum neben uns landen. Manchmal ist die Zeit wohl effizienter genutzt, wann man sich ihrer nicht zum Opfer macht, denke ich mir.

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Zugegeben, einige der Massage-Anwendungen enthalten für meinen Geschmack ein bisschen zu viel klebriges Öl. Dennoch kann ich beobachten, wie Haut und Haare dieses aufsaugen und meine Verspannungen am Rücken verschwinden, ohne dass dieser gezielt massiert wird. Für diesen schmerzfreien Erfolg wäscht man gerne auch viermal hintereinander seine Haare, bevor man das Resort wieder verlässt.

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Mein persönliches Highlight ist jedoch nicht die an dieser Stelle oft genannte Stempelmassage mit warmen Kräutern, sondern das Wasserbecken im Wartebereich des Spas. In jedem seiner vier verschieden warmen Zonen liegen große Steine, die beim Darübergehen die Akkupunkturpunkte der Fußsohlen stimulieren. Das langsame im Kreis laufen kurbelt den Kreislauf an und mir wird auch nach einer kalten Dusche schnell wieder warm.

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Dass einiges an Erholung auf der Strecke bleiben wird, sobald die amerikanische Unternehmerin, die indische Modedesignerin vom Nebentisch und ich wieder zu Hause angekommen sind, ist klar. Um Vorzubeugen bekommen wir aber ein großes Lektüre-Paket in die Hand. Mit einfachen Rezepten sowie grundlegenden Atem- und Stretchingübungen, die auch mit wenig Zeitaufwand und ortsunabhängig zu machen sind, wenn wieder einmal ein Termin-Marathon ins Haus steht. Eins nehme ich zudem mit: Eine hektisch in einen ohnehin schon überladenen Tag gepackte Stunde auf dem Laufband meines Fitnessstudios mag den Körper zwar auf Touren bringen, der Geist ist aber meistens nicht dabei. Zusätzlicher Stress also, den ich künftig vermeiden möchte. Denn wie sagte mein Yoga-Lehrer: Wer es eilig hat, gehe langsam.

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